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Kristina Vogel wurde bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres Zweite
Kristina Vogel wurde bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres Zweite © Getty Images
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München - Kristina Vogel verlässt nach dem schwerwiegenden Unfall das Krankenhaus in Berlin. Sie freut sich auf Weihnachten mit der Familie und das neue Jahr.

Am Heiligen Abend wird sich Kristina Vogel nach Strich und Faden verwöhnen lassen.

"Die Familie zu Hause! Weihnachten, ein ganz, ganz großer Tannenbaum, hach", sagt sie in heller Vorfreude. "Gut, wenn die Bude voll ist - dann kann ich nicht da rumfahren, also muss ich bedient werden." Ein Lächeln.

Am Freitag, pünktlich zum Fest, darf die Bahnrad-Olympiasiegerin, die seit ihrem fatalen Unfall brustabwärts gelähmt ist, das Krankenhaus von Berlin-Marzahn verlassen. Im Rollstuhl. Nach sechs brutalen, traurigen, manchmal aberwitzigen Monaten, mit all den Sorgen, Problemen, Träumen und Hoffnungen, die ein traumatisches Ereignis mit sich bringt. "2019 wird großartig!", schrieb sie am Dienstag bei Instagram. "Ich fühle es!"

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Vogel: "Ich will leben"

Im Herzen trägt Kristina Vogel ihren sehnlichsten Wunsch. "Ich will leben", hat sie der französischen Sportzeitung L'Equipe in einem ihrer vielen Interviews erzählt. "Leben, wie all die anderen in meinem Alter. Nur etwas anders." Es ist ein neues Leben. Im Alltag erscheinen nun turmhohe Hindernisse, die vorher keine waren. Es nervt, wenn schon das Öffnen eines Fensters ewig dauert: "Da werde ich sauer."

"Rumfahren", so hat Kristina Vogel ihre Fortbewegung im Rollstuhl beschrieben. So ist das typisch: Wer von Geburt an mit Behinderung lebt, der "geht", selbst wenn er rollt. Selbst Menschen ohne Beine "gehen" zur Toilette. Wer durch einen Unfall oder andere üble Umstände im Rollstuhl landet, der "fährt" sprachlich meist für den Rest seines Lebens.

Kristina Vogel kämpft. Die Beine, die sie 27 Jahre lang getragen haben, denen sie ja ihre Erfolge alle zu verdanken hat, empfangen keine Impulse mehr oder setzen diese nicht um. Ihre "Ferrari-Klasse", wie sie die Herausforderungen nennt, ist jetzt, vom Boden aus in den Rollstuhl einzusteigen, mit viel Technik und wenig Kraft. "Zack!" Es gelingt. Vogel lacht. 

Vogel als Vorbild

Man sieht sie viel lachen in diesen Tagen. Kristina Vogel ist schnell zur Vorzeigefrau geworden, sie wird herumgereicht oder reicht sich womöglich auch selbst ein wenig herum. Sie wird präsentiert als Kämpferin, die ein schweres Schicksal vorbildlich verarbeitet. Das ist eine tolle Geschichte, danach gieren die Menschen, da es ihnen selbst Hoffnung gibt.

Vogel weiß um die gewisse Ironie, die darin besteht, dass sie derzeit mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als jemals in ihrer sportlichen Karriere. "Man braucht halt immer krasse, neue Sensationen." Sie ist momentan so eine. Da ist keine Verbitterung. Bewundernswert.

Rückkehr ins Haus gibt Luft und Lust

Ihr Leben hat sich am 26. Juni im Cottbuser Radstadion dramatisch verengt. Aufs Überleben, auf den Krankenwagen, den Rettungshubschrauber und das Krankenhaus. Nun weitet es sich wieder. Das gibt Luft und Lust. Ihr Haus wird umgebaut, sie schmiedet Pläne, sie möchte alle Sportarten ausprobieren - und Kinder haben. Denn: "Das Wie, das Warum, das Weshalb bringt mich nicht weiter. Hätte, hätte, Fahrradkette."

Kristina Vogel fühlt sich frei. Das klingt merkwürdig, denn es bleibt eine flaue Ahnung, dass die schwierigen Tage womöglich erst noch kommen werden, wenn das Kümmern nachlässt, das Interesse. Auch: die Öffentlichkeit. Sie redet über das Gefühl, niemandem mehr etwas beweisen zu müssen, nun, da sie "ihren" Sport nicht mehr ausüben kann.

Doch: "Ich bin da", sagt Kristina Vogel. "Und ich bin immer noch ich. Nur anders." Sie möchte ein Vorbild sein, das andere Menschen antreibt. Auch in ihrem neuen Leben.

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