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München - Emanuel Buchmann erzielt bei der Tour de France eines der besten deutschen Ergebnisse der Historie. Sein Trainer sagt bei SPORT1, was für ihn in Zukunft noch drin ist.

Emanuel Buchmann holte mit Platz vier bei der Tour de France das beste Gesamtergebnis eines deutschen Radprofis seit 13 Jahren bei der wichtigsten und härtesten Rundfahrt der Welt.

Doch richtig erschöpft wirkte er nicht. "Ich bin noch nicht am Ende", sagte der Ravensburger stolz und selbstbewusst, als er seinen Coup mit Freundin Claudia und seinem Trainer Dan Lorang feierte. 

"Es geht jetzt darum, den Moment zu genießen. Das ist schon etwas Besonderes, bei der Tour de France unter die Top fünf zu fahren", sagte der Coach bei SPORT1

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Buchmann, ja, der unscheinbare Emanuel Buchmann hat drei Wochen lang mit seiner enormen Leistungsfähigkeit fasziniert, seiner Abgeklärtheit im Kampf mit den stärksten Rundfahrern und seiner Fokussierung. Nichts konnte ihn aus der Bahn werfen.

Buchmann in starker Form

"Ich habe gemerkt, dass ich supergut drauf bin, dass ich mit den Besten mitfahren kann. Das macht das Ganze natürlich auch leichter", sagte Buchmann nach der finalen Kletterpartie nach Val Thorens.

Am Ende steht eines der besten deutschen Tour-Ergebnisse in der Geschichte des wichtigsten Radrennens der Welt. Nur drei deutsche Fahrer (Jan Ullrich, Andreas Klöden, Kurt Stöpel) waren jemals besser. Buchmann wirkte fast ein bisschen erschrocken, als er das hörte.

"Das wusste ich nicht", sagte er: "Ich denke, ich brauche noch ein bisschen, bis ich realisiert habe, wie gut ich hier gefahren bin." (SERVICE: Die Tour im SPORT1-Datencenter)

Dass Buchmann bei dieser 106. Frankreich-Rundfahrt nur um 25 Sekunden das Podium verfehlte - geschenkt. Dass etwa der viermalige Tour-Champion Chris Froome (Großbritannien) und der Niederländer Tom Dumoulin ausfielen, schmälert seinen Auftritt ebenfalls nicht.

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Leise Kritik am eigenen Team

Dennoch übte der deutsche Straßenmeister von 2015 auch leise Kritik an seinem Team. Bereits während der Tour sagte er, dass er für einen Gesamtsieg vor allem in den Bergen ein stärkeres Team brauche. Denn anders als beispielsweise Ineos mit Gesamtsieger Egan Bernal, Geraint Thomas oder dem verletzten Chris Froome ist das Bora-Hansgrohe-Team eher zweigeteilt.

Auf der einen Seite Buchmann, der um den Gesamtsieg mitfahren möchte, auf der anderen Seite Super-Sprinter Peter Sagan, der ebenfalls seine Helfer bzw. Anfahrer in der Mannschaft benötigt.

"Ich meinte nicht die Zahl der Fahrer, sondern die Qualität", nahm er in der Bild nun jedoch etwas Feuer aus seiner Aussage. "Ich brauch drei Helfer in den Bergen, die hatte ich, aber nur Gregor Mühlberger hatte Top-Form. Max Schachmann brach sich die Hand, das war Pech und Patrick Konrad hatte nicht die erhoffte Form. Aber fürs Podium müssen alle top vorbereitet sein."

Dan Lorang (r.) führte Jan Frodeno (r.) zum Sieg beim Ironman Hawaii, heute ist er Trainer bei Bora-hansgrohe
Dan Lorang (r.) führte Jan Frodeno (r.) zum Sieg beim Ironman Hawaii, heute ist er Trainer bei Bora-hansgrohe © Ingo Kutsche

Auf lange Sicht, so sein Trainer bei SPORT1, sei das natürlich das Ziel. "Wenn man Vierter wird, will man das bei einer Grand Tour im nächsten Jahr sicherlich bestätigen oder versuchen, es aufs Podest zu schaffen", sagte Lorang. Um die Tour gewinnen zu können, müsste die Strategie des Teams aber noch mehr auf Buchmann zugeschnitten sein.

"Langfristig überlegen wir natürlich schon in diese Richtung. Das Team hat langfristig das Ziel, eine der großen Rundfahrten zu gewinnen", sagte Lorang. "Die Tour de France ist natürlich immer die, die am meisten Aufmerksamkeit erregt und am prestigeträchtigsten ist. Da gehen die Gedanken auch hin."

Das bedeute aber nicht, "dass man sich gegen Peter Sagan entscheiden, sondern eher überlegen muss, welche Fahrertypen man für die Rundfahrt benötigt", so Lorang, der auch Triathlet Jan Frodeno trainiert.

Dennoch kann er sich auch vorstellen, dass das Team auch mal ohne seinen Topsprinter bei der Tour startet: "Vielleicht bekommt Sagan in einem Jahr auch Mal ein anderes Rennprogramm, dass er sich auch noch andere Ziele für sich selbst setzen kann. Denn was Peter Sagan für das Team bringt, ist einfach nicht zu unterschätzen. Ohne ihn hätte es Bora-hansgrohe nicht gegeben."

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Buchmann: "Es ist ein Teil meines Lebens" 

Erst einmal aber heißt es für Buchmann nun, sich von den Strapazen der Tour der zu erholen, auch wenn er sagt: "Das waren die besten drei Wochen meines Sportlerlebens."

Außerdem bleiben dem 26-Jährigen noch einige Jahre auf höchstem Niveau, "wenn er sich nicht verletzt, nicht krank wird, keine längeren Ausfälle hat", wie sein Trainer betonte.

Buchmann hat Spaß daran, sich für außergewöhnliche Leistungen auch außergewöhnlich zu quälen. Er stellt sich klar gegen Doping ("Kein Fan muss sich Sorgen machen"), ihm fällt es leicht, monatelang extrem diszipliniert zu trainieren oder penibel auf sein Gewicht zu achten.

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"Es ist einfach ein Teil meines Lebens. Ich empfinde das nicht als richtige Entbehrung und wenn man eine solche Entwicklung sieht, ist es auch leichter", sagte er. Ob es dann irgendwann zum ganz großen Wurf bei der Tour reicht? "Ich möchte mich einfach weiter jedes Jahr steigern, und dann schauen wir mal."

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