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München - Emanuel Buchmann begeistert Fans und Experten bei der Tour de France, selbst Eddy Merckx schwärmt. Sein Trainer hat bereits große Erfolge im Triathlon gefeiert.

Für Jan Ullrich hat Emanuel Buchmann das "Zeug zum Champion", Eddy Merckx hält ihn für einen ernsthaften Podiumskandidaten - doch die neue deutsche Tour-Hoffnung lässt sich auch von Lobeshymnen der Radsportgrößen der Vergangenheit nicht aus der Reserve locken.

"Es ist schön, es freut mich, aber mehr Motivation ist es nicht", sagte Buchmann in seiner gewohnt stoischen Art vor der entscheidenden Woche bei der Tour de France. (Tour de France 2019: Alle Etappen im LIVETICKER)

Der Ravensburger hält unbeeindruckt an seinem Plan Top-10 fest, obwohl nun sogar über die Chance auf den Gesamterfolg für den Tour-Sechsten spekuliert wird. (SERVICE: Die Gesamtwertung der Tour de France)

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"Ich denke nicht über den Tour-Sieg nach. Darüber kann man reden, wenn es so weit ist", sagte Buchmann, der ebenso kurz und bündig die Frage nach der Glaubwürdigkeit seiner herausragenden Leistungen beantwortet: "Von meiner Seite kann ich sagen, dass die Fans sich keine Sorgen machen müssen. Mehr gibt's dazu nicht zu sagen."

Seine starke Form hat der 26-Jährige vor allem Trainer Dan Lorang zu verdanken, der seit 2017 mit ihm zusammenarbeitet. Der Luxemburger führte bereits Triathlet Jan Frodeno zum Sieg beim legendären Ironman auf Hawaii.

Dan Lorang (r.) führte Jan Frodeno (r.) zum Sieg beim Ironman Hawaii, heute ist er Trainer bei Bora-hansgrohe
Dan Lorang (r.) führte Jan Frodeno (r.) zum Sieg beim Ironman Hawaii, heute ist er Trainer bei Bora-hansgrohe © Ingo Kutsche

Trainer traut Buchmann Toursieg zu

Sowohl Frodeno als auch Buchmann treibt die Lust auf maximalen Erfolg an. "Sie glauben an das, was sie tun, sie machen das zu hundert Prozent ohne Kompromisse, sie wollen beide den maximalen Erfolg. Beide geben dir als Trainer das Gefühl: Wir wollen Rennen gewinnen", sagte Lorang.

Das Ziel sei es, Buchmann "jedes Jahr weiterzuentwickeln. Und wenn das so weitergeht, auch in kleinen Schritten, dann ist sicher vieles möglich. Um eine Tour zu gewinnen, muss alles zusammenkommen. Aber ich sage sicherlich nicht nein." (Alle Infos zur Gesamtwertung und den einzelnen Trikots)

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Auch wenn der Gesamtsieg bei der Tour 2019 unrealistisch ist, hat Buchmann andere ehemalige Radstars bereits jetzt überzeugt. Der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger Ullrich ist "begeistert! Er fährt mit Courage und taktisch sehr diszipliniert. Dass er sich so im Kreis der Favoriten hält und auch beim Zeitfahren seine Klasse beweist, zeigt, dass er das Zeug zu einem echten Champion hat", sagte Ullrich der Bild.

Merckx schwärmt von Buchmann

Belgiens Idol Eddy Merckx meinte in der ARD: "Es war beeindruckend, was er in den Pyrenäen gemacht hat. Wenn er so weiterfährt, kann er aufs Podium."

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Buchmanns Trainer Lorang sieht im aktuellen Höhenflug den Lohn für das harte Training, das sich jetzt auszahlt. "Unsere Sportler fahren im Rennen nicht auf einmal auf einem anderen Level, das ist nicht überraschend, nicht unmenschlich. Er wird von Jahr zu Jahr stärker, nicht nur körperlich, sondern auch in der Persönlichkeit. Es ist keine Magie, die dahintersteckt, man kann das wirklich schön nachvollziehen."

Doch Buchmann weiß wie sein Coach und die sportliche Leitung bei seinem Team Bora-hansgrohe, dass erst in den Alpen die Entscheidung fallen wird. Am Donnerstag, Freitag und Samstag stehen drei Etappen an, die das Spektakel am Tourmalet in den Schatten stellen werden.

Sechs Anstiege auf über 2000 Meter Höhe warten, darunter zwei Zielankünfte in Tignes und Val Thorens oberhalb der extrem limitierenden Grenze. "Alles über 2000 m ist eine besondere Belastung, das wird der Schlüssel sein", sagte Bora-Sportdirektor Enrico Poitschke.

Pinot der Topfavorit?

Lorang ergänzt: "Er ist gut drauf, er fühlt sich gut, aber vor allem die Bergetappen in dieser extremen Höhe sind einfach eine große Unbekannte. Es geht nicht nur darum, dass er gut durchkommt, sondern auch darum, was die anderen machen."

Für Buchmann, der den derzeit viertplatzierten Franzosen Thibaut Pinot als aktuell größten Favoriten nennt, gibt es dann auch Gewissheit, ob sich die drei Höhentrainingslager der Saison bezahlt machen.

Bislang hat er noch keine große Landesrundfahrt ohne Schwäche absolviert. Grundsätzlich schrecken ihn aber weder die zu erwartende Hitze noch der außergewöhnliche Schwierigkeitsgrad in den Alpen. "Die langen, gleichmäßigen Anstiege liegen mir", sagte er.

"Das Podium ist in Reichweite"

Lorang geht fest davon aus, dass sich die Tour auf über 2000 Metern entscheidet, wenn die Leistung aufgrund der äußeren Bedingungen automatisch reduziert wird.

"Es gibt einfach Unterschiede, und wenn es nur ein halbes Prozent ist, wenn einer nur fünf Watt weniger fährt, reicht das schon auf dem Niveau. Emanuel ist zwar auf die Höhe vorbereitet, aber das sind die anderen sicher auch. Es geht wahrscheinlich darum, wer unter Ermüdung noch eine gewisse Form abrufen kann." 

Seine Bora-Kollegen werden alles unternehmen, um ihren Kapitän mindestens in der Position zu halten, in der er gerade fährt. Und, wie Bora-Boss Poitschke verdeutlicht, wäre allein das schon ein großer Erfolg. "Das Podium ist in Reichweite, aber nicht realistisch", sagte er.

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