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München - Alexander Zverev steckt in der größten Krise seiner Karriere. Sogar Ex-Spieler diskutieren darüber. Andy Roddick erklärt, warum sein Problem schwer zu lösen ist.

"Erstmal fasse ich den Schläger ein paar Tage nicht an. Ich habe keine Lust, Tennis zu spielen“.

Deutschlands Tennis-Star Alexander Zverev hatte nach seiner jüngsten Niederlage beim ATP-Turnier in Rom gegen Lokalmatador Matteo Berrettini genug. 

Nur fünf Siege in den letzten 13 Partien und seit Start der Sandplatzsaison nie mehr als zwei Matches in Folge gewonnen – eine verheerende Bilanz für jemanden, der in naher Zukunft Grand Slams gewinnen und Nummer 1 werden will. 

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Ein Grund sind die Probleme abseits des Courts: Vater Alexander Zverev kämpfte mit gesundheitlichen Problemen, Super-Coach Ivan Lendl fehlte wegen der Pollenallergie, Trennung von der Freundin und der kräfteraubende Rechtstreit mit Ex-Manager Patricio Apey.

Ex-Tennis-Stars diskutieren über Zverev

All das raubte ihm zweifelsohne Energie, doch damit allein ist es nicht getan. Zverev hat auch auf dem Platz ein entscheidendes Problem, was ihm gerade auf Sand oft zum Verhängnis wird und über dessen Lösung sogar große ehemalige Spieler diskutieren.

Vielen Tennis-Fans, die schon häufiger Zverev-Partien verfolgt haben, dürfte aufgefallen sein, dass Zverev gerne vier, fünf Meter hinter der Grundlinie agiert. Manchmal nicht von Beginn an, aber je länger ein Match geht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall irgendwann eintritt. 

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Die Court-Position auf dem Platz ist aber gerade im Profi-Tennis von enormer Bedeutung und Zverevs Position fünf Meter hinter der Grundlinie bringt eine Reihe an Problemen mit sich - ganz besonders auf Sand.

Einfache Lösung? Roddick widerspricht

Die Lösung scheint denkbar einfach: Zverev muss sich näher an die Grundlinie stellen, um von dort mehr Druck ausüben zu können. Auch auf Twitter hört man dies immer wieder und sogar der Ex-Spieler, -Trainer und heutige Tennis-Analyst Brad Gilbert stimmte dieser Forderung zu.

Daraufhin schaltete sich aber ausgerechnet dessen ehemaliger Schützling Andy Roddick ein. Die ehemalige Nummer 1 und US-Open-Sieger von 2003 wies daraufhin, dass es für Zverev nicht so einfach sei, einfach einmal fünf Meter weiter vorne zu spielen.

"Nicht jeder ist Andre (Agassi, Anm. d. Red.). Zverev hat große, lange Schwünge. Er braucht Zeit. Man kann sich nicht einfach entscheiden, sich an eine bestimmte Stelle zu positionieren. Die Court-Position ist von der Schlagausführung abhängig", schrieb der US-Amerikaner auf Twitter.

Zverev: Brauche Platz und Zeit

Seine Erklärung klingt einleuchtend: Denn je näher Zverev an der Grundlinie agiert, desto weniger Zeit bleibt ihm für seine Schwünge. "Ich versuche immer aggressiv zu sein. Aber ich bin sehr groß, daher brauche ich Platz. Ich brauche Zeit für meine große Ausholbewegung", sagt der 22-Jährige selbst dazu.

Seine Position weit hinter der Grundlinie gibt ihm diese Zeit und macht sein Spiel theoretisch weniger fehleranfällig. Doch zu welchem Preis? So weit hinter der Grundlinie kann Zverev kaum direkte Gewinnschläge anbringen und muss in lange Ballwechsel gehen.

Dies mag für einen Rafael Nadal kein Problem sein. Der Spanier vermag dank seiner unglaublichen Topspin-Bälle den Gegner zudem sogar aus dieser Position zurückzudrängen, um selbst näher an die Grundlinie zu rücken und den Punkt zu beenden.

Zverev hat diese Möglichkeit nicht und allein seine Statur lässt es nicht zu, dass er über Stunden lange Ballwechsel spielt. Den Weltranglistenvierten macht diese Art zu spielen früher oder später müde, was die Fehleranfälligkeit wieder steigert: ein Teufelskreis.

Mit Selbstvertrauen funktioniert es

Dass Zverevs Spiel durchaus auf Sand funktionieren kann, hat die vergangene Saison gezeigt. Der Deutsche war nach Nadal der beste Spieler auf diesem Belag und gewann mit den BMW Open und dem Masters in Madrid gleich zwei Sandplatzturniere.

Der Unterschied: Damals strotzte Zverev vor Selbstvertrauen. "Selbstvertrauen ist der Faktor Nummer eins, wenn es darum geht, Entscheidungen zu fällen. Es ist schwierig, etwas zu erzwingen, wenn du denkst, die Ausführung ist nicht sehr wahrscheinlich", erklärt Roddick.

Langfristig kann man natürlich daran arbeiten, die Ausholbewegung zu kürzen wie es Agassi erfolgreich vormachte. Doch um seine aktuelle Krise zu überwinden, gibt es laut Roddick für Zverev nur eine Lösung: "Er muss ein paar hässliche Siege einfahren."

Am besten bereits beim nächsten Turnier in Paris. Denn bei den French Open hat er als Viertelfinalist 2018 viele Punkte zu verteidigen. Und ein anschließender Absturz in der Weltrangliste dürfte für sein angekratztes Selbstbewusstsein wenig förderlich sein.

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