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München - Für Alexander Zverev ist der Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Manager Patricio Apey Hauptgrund für das Debakel in Wimbledon. Der schießt scharf zurück.

Nach dem blamablen Aus in der 1. Runde von Wimbledon folgte die Schlammschlacht zwischen Alexander Zverev und seinem Ex-Manager Patricio Apey (alle Wimbledon-Spiele im SPORT1-LIVETICKER).

"Traurigerweise ist die einzige Person, die Sascha das Leben schwer gemacht hat, Sascha selbst", erklärte Apey am Dienstagabend bei SPORT1.

"Seine Aussagen sind sowohl überraschend als auch enttäuschend", teilte der Chilene mit. "Er hat einen teuren, unnötigen und absolut illegitimen Rechtsstreit gegen meine Firma vom Zaun gebrochen, als er bewusst und unrechtmäßigerweise seinen bis mindestens 2023 gültigen Vertrag gebrochen hat."

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Zverev attackiert Ex-Manager Apey

Zverev hatte am Montag nach seiner krachenden Pleite gegen den Tschechen Vesely in seinem Ex-Manager, mit dem sich der 22-Jährige im Rechtsstreit befindet, einen Mitschuldigen für das Debakel ausgemacht.

"Die letzten zwei Tage waren sehr hart für mich. Was gerade los ist, ist abartig", sagte Zverev nach dem überraschenden Ausscheiden.

Zwar dürfe er nichts Offizielles sagen, aber "es tut mir weh. Ich dachte, wir sind Freunde. Wie kann ein Mensch so etwas tun?", fragte der ATP-Finals-Sieger.

Apey fühlt sich "als Sündenbock dargestellt"

Apey dagegen betonte am Dienstag, dass die Entscheidung, die Auseinandersetzung vor Gericht auszutragen, von Zverev selbst ausgegangen sei.

"Ich hätte es bevorzugt, die Angelegenheit oder irgendwelche Vorbehalte, die Sascha und seine Familie hatten, privat auszuräumen. Aber unglücklicherweise hat er sich entschieden, ohne Vorwarnung rechtliche Schritte zu ergreifen. Dieser Prozess läuft jetzt." Nun, da seine Ergebnisse "nicht so gut sind, werde ich als Sündenbock dargestellt".

Zverev zieht vor Gericht

Was steckt hinter den Differenzen zwischen Zverev und Apey?

Bereits im März gab Zverev öffentlich bekannt, dass er gegen den Chilenen vor Gericht ziehen werde. Zu den Gründen wollte sich die Nummer fünf der Welt damals nicht äußern. Allerdings wurden Gerüchte laut, Roger Federer und dessen Manager Tony Godsick würden Zverev bei ihrer Agentur Team8 unter Vertrag nehmen wollen.

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Unabhängig von den Gründen sollte eine Vertragsauflösung her. Dabei haben sich allerdings gleich mehrere Probleme aufgetan. Laut Apey läuft der bestehende Kontrakt erst im Jahr 2023 aus und eine außergerichtliche Einigung zwischen den beiden Parteien konnte bislang nicht erzielt werden. Dafür müsste Zverev dem Chilenen laut Informationen des Tennis Magazin auch einen hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbeitrag auszahlen.

Ein Abkommen ohne juristischen Streit ist also unwahrscheinlich. Das Heikle daran: Das Verfahren müsste in Großbritannien stattfinden - mit einer Größenordnung von fünf Verhandlungstagen. Dort ist laut der britischen Tageszeitung The Telegraph allerdings bis Oktober 2020 kein Termin frei. Zverev wäre also bei seinen sportlichen und finanziellen Belangen noch weitere 16 Monate auf sich allein gestellt.

Apey macht Star aus Zverev

Es stellt sich die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte. 

Die Zusammenarbeit zwischen Apey und Zverev begann 2012. Damals war "Sascha" erst 15 Jahre alt. Apey brachte einiges an Erfahrung mit, betreute zuvor Tennis-Größen wie Gabriela Sabatini, Andy Murray, Guillermo Coria und Fernando Gonzalez und war selbst aktiver Spieler.

Anfangs schirmte Apey Zverev von der Öffentlichkeit ab. Keine Interviews, keine Hintergrundgespräche, keine Fototermine - um aus dem talentierten Tennisspieler "den bestmöglichen Athleten" zu kreieren. Später änderte sich das rigoros und Apey machte aus dem Deutschen einen internationalen Star. 

Das erste große Interview gab Zverev 2017 dem italienischen Modemagazin Style, wo er mit nacktem Oberkörper posierte. Mittlerweile wirbt der Davis-Cup-Spieler für Schläger- und Bekleidungsausrüster, einen Autohersteller, eine Luxusuhrenmarke und ein Modelabel. 

Zverev war an der Spitze des Tennis angekommen - nicht nur aus sportlicher Sicht. Als er Ende 2018 ATP-Weltmeister wurde, schwärmte Apey im Gespräch mit dem Spiegel: "In ihm steckt das Sieger-Gen. Die Mischung aus seiner Disziplin und seiner Leidenschaft macht ihn zu einem Geschenk für den Sport. Die nächsten zehn oder sogar 15 Jahre können für ihn und für das deutsche Tennis fantastisch werden."

"Die Tür ist immer offen"

Heute schlägt der erfahrene Manager eine andere Richtung ein, wenn es um seinen (ehemaligen) Schützling geht.

"Unsere finanzielle Unterstützung, Vertragsverhandlungen und generelle Ratschläge an ihn und seine Familie haben seit 2012 zu seinem erheblichen Erfolg auf und neben dem Platz beigetragen - bis jetzt", sagt Apey SPORT1. "Es lief sehr gut, einschließlich seines fantastischen Triumphes bei den World Tour Finals in London - dem letzten Mal, dass ich in seiner Box saß und wir persönlich gesprochen haben."

Danach allerdings kam es zum Bruch. Bereits im März erklärte Apey: "Es ist sehr enttäuschend, dass die Familie Zverev ohne Vorwarnung rechtliche Schritte eingeleitet hat". Er habe keine andere Option, als diesem Vorgehen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten, so Apey.

Zverev hingegen sieht die Schuld nicht bei sich - ganz im Gegenteil. "Das ist ja kein Geheimnis mehr. Er macht das extra, um mich runterzubringen. In den letzten zwei Tagen gab es tausende Dinge, die ich machen muss", sagte der Tennisprofi bei Sky. Ein Ende des Streits ist auf jeden Fall nicht in Sicht: "Ich kenne die Lösung nicht."

Apey spielt den Ball zurück an das Zverev-Lager und erklärt, seit Januar habe es kein persönliches Gespräch mehr gegeben, mit niemandem aus der Familie, "nicht einmal ein Anruf, um mich darüber zu informieren." 

Gleichzeitig betont er aber: "Die Tür ist immer offen für ihn und seine Familie. Wir treffen uns gerne mit ihnen und wir können versuchen, das zu regeln, wann immer er das will. Und dann kann er wieder damit anfangen, sich auf den Tennis-Court zu konzentrieren, statt auf Gerichte. Die Entscheidung liegt bei ihm und ich wünsche ihm nur das Beste für seine zukünftige Tenniskarriere."

Zverev braucht sein Umfeld

Doch bei genauerem Hinsehen scheint es so, als hätte nicht nur der Rechtsstreit etwas mit Zverevs sportlicher Talfahrt zu tun. Beim ATP-Turnier in Barcelona etwa war für den Hamburger in Runde zwei Schluss.

"Ich hatte dort niemanden. Es war okay, ich bin schon ein großer Junge. Ich komme damit klar. Zu dieser Zeit habe ich mich wirklich um alles gekümmert. Ich schätze, da war ich wohl der erste Topspieler dieser Art", sagte Zverev. Mehr als ungewöhnlich, dass ein Spieler wie Zverev ohne Manager und Trainer unterwegs ist.

Berater Ivan Lendl stand wegen einer Pollenallergie monatelang nicht an seiner Seite, Papa Alexander Zverev senior hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Dabei erzielte "Sascha" seinen größten Erfolg - den Triumph bei der ATP-WM in London -, als beide vor Ort waren.

Auch in Wimbledon fehlte Zverevs Vater und langjähriger Coach - und wieder musste der Weltranglistenfünfte eine sportliche Enttäuschung hinnehmen.

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