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München - Vor 25 Jahren überraschte Manchester United die Premier League mit dem Rekord-Deal um Andy Cole. Sir Alex Ferguson tat sich als cleverer Verhandler hervor.

Ein 8,25-Millionen-Euro-Deal, der für Schockwellen in Englands Fußball sorgte - man sieht gleich, dass das alles eine Weile her sein muss.

Am 10. Januar 1995, heute vor 25 Jahren, wechselte Stürmer-Star Andy Cole von Newcastle zu Manchester United, es war damals der teuerste Transfer, der je innerhalb der Premier League getätigt. Englands heutiger Rekordmeister landete damit einen Überraschungs-Coup, der entscheidend zu der Dominanz beitrug, die der Klub in den darauffolgenden Jahren ausübte - und auch zum Champions-League-Gewinn 1999, der dem FC Bayern München noch in schmerzhafter Erinnerung ist.

Aus heutiger Sicht betrachtet erzählt der Cole-Deal nicht nur etwas über die Geld-Explosion, die dem Fußball seitdem widerfahren ist - sondern auch über einige zeitlose Eigenheiten der Branche. Und über das meisterhafte Verhandlungsgeschick von Manchesters Trainer-Ikone Sir Alex Ferguson.

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Andy Cole war der Stürmer der Stunde

Dass Ferguson es schaffte, mitten in der Saison den absoluten Leistungsträger von einem direkten Konkurrenten abzuwerben, verblüffte damals die ganze Fußball-Nation: Der am 15. Oktober 1971 in Nottingham geborene Cole hatte sich nach dem Aufstieg der "Magpies" 1993 mit einer gerdmüllerhaften Torquote hervorgetan, wurde in seiner ersten Premier-League-Saison Top-Scorer mit 34 Treffern in 40 Spielen und schoss sein als "The Entertainers" gefeiertes Team auf Platz 3 der Liga.

Andy Cole entwickelte sich bei Newcastle United zum Top-Stürmer
Andy Cole entwickelte sich bei Newcastle United zum Top-Stürmer © Getty Images

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Im Winter 1995 hinterlegte Manchester dann Ferguson sein Interesse an dem damals 24-Jährigen und stieß zu seiner eigenen Überraschung auf offene Ohren bei Teammanager-Kollege Kevin Keegan.

Der einstige HSV-Spieler hatte registriert, dass Cole zuvor trotz immer noch guter Torquote nicht mehr an seinem Limit gespielt hatte - und vermutete Wechselgedanken. "Kevin dachte, dass es das Beste für den Klub und für Andy sein würde, den Deal zu machen", blickt sein damaliger Assistent Terry McDermott in der Daily Mail zurück.

Sir Alex Ferguson als cleverer Verhandler

Innerhalb weniger Tage wurde ein Deal ausgehandelt, der als Gegengeschäft einen Wechsel des 19 Jahre alten Mittelfeld-Talents Keith Gillespie zu Newcastle vorsah.

Gillespie wurde am Vorabend der Bekanntgabe informiert und bekam mitgeteilt, dass der Deal platzen würde, sollte er nicht einwilligen. "Ich war geschockt", erzählt der Nordire nun, aber ein kurzfristig anberaumtes Gespräch mit Keegan überzeugte ihn - und Ferguson revanchierte sich für das Ja-Wort.

"Ich hatte keinen Agenten, also hat Sir Alex für mich verhandelt", berichtet Gillespie: "Ich hatte 250 Pfund pro Woche verdient. Er hat gesagt, ich würde 600 verdienen und sie dazu gebracht auf 1200 zu verdoppeln - ich war begeistert!"

Sir Alex Ferguson verhandelte auch das Gehalt des abgewanderten Keith Gillespie aus
Sir Alex Ferguson verhandelte auch das Gehalt des abgewanderten Keith Gillespie aus © Getty Images

Dank Verhandlungsfuchs Ferguson jubilierte der Jungprofi also über ein fast verfünffachtes Jahresgehalt, das heute (ohne Inflation) bei rund 73.500 Euro liegen würde.

Lange her, wie gesagt.

Manchester United dominierte, Newcastle stürzte ab

Für Cole und Manchester lohnte sich der Deal: Cole schoss in 274 Pflichtspielen für Manchester zwischen 1995 und 2002 121 Tore. Er holte mit den "Red Devils" zwischen 1996 und 2001 fünf Meisterschaften und 1999 die Champions-League-Trophäe an der Seite von David Beckham, Ryan Giggs und Co. Mit dem 1998 verpflichteten Dwight Yorke bildete er ein sensationelles Gespann. In der Triple-Saison schossen sie in allen Wettbewerben zusammen 53 Tore.

Andy Cole (links neben dem Pokal) wurde 1999 mit Manchester United Champions-League-Sieger
Andy Cole (links neben dem Pokal) wurde 1999 mit Manchester United Champions-League-Sieger © Imago

Der 2008 spät zurückgetretene Cole war mit vier Toren und zwei Vorlagen am Weg zum CL-Triumph beteiligt, im für Gegner Bayern traumatischen Endspiel war er der Mann, der für einen gewissen Ole Gunnar Solskjaer ausgewechselt worden war.

Für Newcastle fiel die Bilanz zwiespältig aus: Einerseits formte Keegan den Klub auch ohne Cole zum Titelanwärter, er reinvestierte die Cole-Millionen in Les Ferdinand und David Ginola, im Jahr darauf kam noch Stürmerlegende Alan Shearer dazu, 1996 und 1997 wurde Newcastle zweimal hintereinander Vize-Meister.

Kevin Keegan (l.) und Assistent Terry McDermott verpassten 1996 knapp den Meistertitel
Kevin Keegan (l.) und Assistent Terry McDermott verpassten 1996 knapp den Meistertitel © Getty Images

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Die Kritik, dass mit Cole aber womöglich noch mehr gegangen wäre, verfolgte Keegan allerdings. Bis heute halten sich Gerüchte, dass sie zur Entfremdung beitrugen, die Anfang 1997 im Rücktritt von "King Kev" gipfelte.

Der Titel, den Keegan mit Newcastle 1996 knapp verpasste, blieb ihm bis zum Ende seiner Trainerkarriere 2008 nicht vergönnt. Auch Newcastle versank schließlich wieder im Mittelmaß.

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