Durch die Beine! Curry veredelt Zauber-Pass
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München - Die Cleveland Cavaliers gehen als krasser Außenseiter in die NBA-Finals gegen Golden State. SPORT1 zeigt, warum LeBron und Co. den Favorit trotzdem knacken könnten.

Mitte der Saison waren die Cleveland Cavaliers schon abgeschrieben: Das Experiment mit Isaiah Thomas, Dwyane Wade und Derrick Rose an der Seite von LeBron James war gescheitert.

Das Team wurde auf halber Strecke vollkommen umstrukturiert. Am Ende der Regular Season stand für den Vize-Champion nur Platz 4 in der Eastern Conference (Spiel 1 der NBA-Finals ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US ).

Aber: Wer die Rechnung ohne James macht, macht einen Fehler. In den brenzligen Situationen nahm der 33-Jährige in den Playoffs das Geschehen in die Hand - auch die Celtics bekamen die Wucht des besten Playoff-LeBrons ever zu spüren. Gegen die übermächtigen Golden State Warriors ist LeBron aber wieder krasser Außenseiter.

SPORT1 arbeitet vier Schlüssel heraus, wie die Cavaliers tatsächlich die Sensation schaffen können.

- Der krasse Playoff-LeBron

Gleich reihenweise entschied der viermalige MVP entscheidende Partien im Alleingang. In seiner 15. NBA-Saison, in der er nicht ein einziges Spiel für die Cavs verpasste, ist James in der Form seines Lebens. Genau dieser Fakt sollte Golden State zittern lassen.

LeBrons angsteinflößende Statistiken: 34 Punkte und 8,8 Assists (Playoff-Bestmarken 2018) im Schnitt. Bei keiner seiner drei Championships war der "King", der jetzt zum achten Mal in Folge in den NBA-Finals steht, besser. Unter den NBA-Superstars ist der Cavs-Leader mit diesen Zahlen konkurrenzlos.

Das trifft auch auf seine Einsatzzeit zu: Kein anderer Spieler stand in den Playoffs so lange auf dem Feld wie James. Und trotzdem zieht er mehr Freiwürfe als jeder andere. Sein aktuelles Player Efficiency Rating (PER) von 33 wäre das vierthöchste der Playoff-Geschichte. Wenn er auf dem Feld steht, gibt er bei fast 47 Prozent aller Treffer seiner Mitspieler den Assist - ein irrer Wert.

Draymond Green, Kevin Durant und Klay Thompson werden alle Hände voll zu tun haben, ihn zu stoppen, und könnten durch die intensive Abwehrarbeit wertvolle Körner für die Offense verlieren. Der Ausfall von Andre Iguodala, der zumindest im ersten Spiel nicht dabei sein wird, schmerzt hier besonders.

- Physis und Rebounds

Aber auch James' Teamkollegen haben sich im Laufe der Playoffs stabilisiert. Mit dem Trio Tristan Thompson, Larry Nance jr. und Kevin Love (wohl in Spiel 1 noch nicht dabei) sind die Cavaliers in der Lage, die Bretter zu dominieren.

Im Conference-Finale gegen die Celtics griffen sich die Cavs starke 43 Rebounds pro Spiel. Aufgrund der schon fast traditionellen Schwäche der Warriors am eigenen Brett - nicht zuletzt wegen ihres gefürchteten Small Balls - könnte diese physische Überlegenheit Cleveland zusätzliche Abschlusschancen bringen.

Apropos Physis: Cleveland kann, angeführt von 125-Kilo-Muskelberg James, den Gegnern körperlich weh tun. Das bekamen vor allem die Celtics in Spiel 7 zu spüren.

Den Warriors schmeckt, mit Ausnahme von Draymond Green, eine physisch raue Gangart dagegen weniger. Curry, Durant und Thompson wollen das Spiel viel lieber schnell machen. Im Highspeed-Basketball kann Cleveland mit den Warriors nicht mithalten, sie müssen sie mit großen Lineups attackieren, um auch Golden States Center auf das Parkett zu zwingen.

- Schwächere Bank der Warriors

Denn die Kadertiefe ist eine kleine Schwäche des Meisters. Natürlich spielen die Starter in den Playoffs eine noch größere Rolle, aber Impulse von der Bank können einen Push geben, siehe Iguodala. Der Routinier kam in früheren Jahren oft von der Bank - war sogar Finals-MVP. In den Playoffs 2018 startete er meist, verpasst aber Spiel 1 wegen seiner Knieprobleme.

Ian Clark ist nicht mehr da, Shaun Livingston nicht mehr so stark, Nick Young und David West stehen im Spätherbst ihrer Karriere und sind keine Faktoren mehr. Die Bigs Jordan Bell, Zaza Pachulia und JaVale McGee spielen wenig und wären den Cavs deutlich unterlegen. Coach Steve Kerr wechselt immer Ende 1. Viertel/Anfang 2. Viertel und Ende 3. Viertel - das werden Schlüsselmomente für die Cavs. James wird fast immer durchspielen müssen.

- Warriors zu lässig?

Die Playoffs zeigen auch, dass der Champion hin und wieder Gefahr läuft, sich selbst zu schlagen. Seit Beginn ihrer Dominanz hängt den Kaliforniern der Ruf der Überheblichkeit an. Auch in dieser Saison gingen die Warriors bereits einige Spiele viel zu lässig an, die sie dann nicht mehr drehen konnten. Bei der klaren Ausgangslage könnte sich bei den Warriors also durchaus ein gewisser Schlendrian einschleichen. Dabei sollte sie gerade die Finalserie 2016 davor warnen.

Damals verspielte Golden State noch eine 3:1-Führung, James feierte am Ende den lang ersehnten ersten Titel mit dem Team aus seiner Heimat. Diese Erinnerungen dürften in den Hinterköpfen von Curry, Thompson und Co. sein.

Die Ausgangslage ist vor Spiel 1 ähnlich: Auch zwei Jahre nach der historischen Aufholjagd hat das Team aus Ohio im Duell mit den Über-Warriors überhaupt nichts zu verlieren. Eine Konstellation, in der "King James" erfahrungsgemäß nur allzu gerne explodiert.

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