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Die Oklahoma City Thunder scheitern erneut in der ersten Playoff-Runde © SPORT1-Montage: Veith Nurtsch/Getty Images
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München - Die Oklahoma City Thunder mit Dennis Schröder scheitern erneut in der ersten Playoff-Runde. Die Franchise muss im Sommer zahlreiche Baustellen bearbeiten.

"Das ist ein schlechter Wurf. Aber hey, er hat ihn gemacht."

OKC-Superstar Paul George war nach der 115:118-Pleite gegen die Portland Trail Blazers und dem damit verbundenen Playoff-Aus bedient. Kurz zuvor hatte Portlands Superstar Damian Lillard mit einem spektakulären Buzzer Beater das dritte Erstrunden-Aus in Folge für die Thunder besiegelt. (Datencenter: Spielplan der NBA-Playoffs)

"Die Geschichte, dass es ein schlechter Wurf war, wird nun natürlich nicht erzählt. Aber wir leben damit", führte George seine Gedanken weiter aus. Der Frust beim zweiten großen Star der Thunder saß tief. Denn George hatte zuvor in 42 Minuten - trotz einer Schulterverletzung - alles versucht. Er nahm 20 Würfe und traf 14 davon, außerdem schnappte er sich neun Rebounds.

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Westbrook scheitert zum dritten Mal in Folge

Anders sehen die Zahlen von Russell Westbrook aus. Das OKC-Gesicht nahm 31 Würfe, konnte aber nur elf davon verwandeln. Immerhin steuerte aber sein zehntes Triple-Double in den Playoffs bei. Doch eine Serie geht weiter: Seit Kevin Durant im Jahr 2016 die Franchise verlassen hat, warten Westbrook und OKC auf eine erfolgreiche Serie und auf einen Playoff-Sieg in fremder Halle.

Dabei leisten sich die Thunder den zweitteuersten Kader der NBA mit 60 Millionen Dollar an Luxussteuer. Nur die Golden State Warriors verfügen über einen noch teureren Roster, sind allerdings auch zwei Mal in Folge NBA-Champion geworden. In Oklahoma City ist spätestens jetzt ist klar: das Projekt ist in dieser Form gescheitert.

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Gigantische Verträge

Allerdings bindet Westbrook bis 2023 noch 171 Millionen Dollar an Gehalt und auch George steht mit Spieleroption noch bis 2022 unter Vertrag. Dabei bräuchten die Thunder, das hat spätestens die Serie gegen die Blazers gezeigt, mindestens noch einen starken Dreier-Schützen. Lediglich 34,8 Prozent aller Dreier-Versuche fielen in den Playoffs.

Bereits während der regulären Saison hatten sie die achtschlechteste Bilanz der Liga und mussten bis zum letzten Spieltag um eine gute Ausgangsposition kämpfen. Zu wankelmütig agierten sie über weite Strecken. Eine Serie von fünf Siegen rettete die Thunder auf Rang sechs und in das vermeintlich einfache Duell mit Portland, die in der Regular Season in allen vier Duellen als Verlierer vom Parkett gingen. 

Dreier als Achillesferse

Nach zwei Spielen der Serie gegen den "Lieblingsgegner" stand OKC aber bei einer Quote von nur 16 Prozent bei 61 Wurfversuchen - ein Desaster. Dabei sind gute Schützen von außen in der heutigen NBA enorm wichtig, da sie das Spielfeld für die Mitspieler breiter machen, sodass diese zum Korb ziehen können.

Mit Westbrook haben die Thunder den wohl besten Finisher der Liga am Korb in ihren Reihen, doch gegen die Blazers nahm er stattdessen viele Würfe aus dem Halbfeld oder von der Dreierlinie (40 von 111 aus dem Feld). Mit einem zuverlässigen Dreierschützen an seiner Seite hätte er öfter den Zug zum Korb suchen können statt sein Heil im Sprungwurf zu suchen. Nationalspieler Dennis Schröder hat ähnliche Stärken - und diesselbe Dreierschwäche.

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Immer wieder lässt sich Westbrook zudem auf Duelle und Scharmützel mit Gegenspielern ein und verliert dabei den Erfolg des Teams aus den Augen. NBA-Legende Charles Barkley beobachte während des vierten Spiels der Serie, dass der OKC-Star im Duell mit Lillard zum Helden werden will, während dieser mit seinem Team die Thunder schlagen wolle. Steht Westbrook sich selbst und dem Erfolg der Thunder im Weg?

Trade als Lösung?

Außerhalb der Thunder-Fan-Community gewinnt die Idee eines Westbrook-Trades immer mehr Anhänger, denn es scheint so, als ob die erste Playoff-Runde das Maximum mit Westbrook ist. Schröder hat bei den Atlanta Hawks gezeigt hat, das er auch als Starter in der NBA bestehen kann.

Doch OKC wird seine Galionsfigur wohl kaum ohne deren Zustimmung traden, zu groß sind seine Verdienste um die Franchise. Für den 30-Jährigen würden die Thunder noch immer eine Menge an Gegenwert bekommen und könnten so die Shooting-Baustelle, aber auch die Lücke auf Center hinter Steven Adams oder auf der Bank generell schließen. 

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Aber sollte Westbrook tatsächlich die Franchise verlassen, steht auch Georges Zukunft bei OKC in Frage. Denn er soll seinen Kontrakt nur wegen des MVP von 2017 unterschrieben haben. Auch das üppige Gehalt des 30-Jährigen könnte zum Problem werden.

Denn Westbrook lebt von seiner Athletik, welche in den kommenden Jahren eher nachlassen dürfte. Er wird damit immer mehr zum überteuerten Spieler, der keinen langfristigen Erfolg mehr garantiert.

Herkulesaufgabe für OKC

So muss OKC versuchen, die Schwachstellen des aktuellen Kaders auszumerzen ohne dabei noch mehr an Substanz zu verlieren und gleichzeitig den Gehaltsspielraum nicht noch weiter zu überreizen - eine Herkulesaufgabe.

Denn von Jahr zu Jahr wird das Erfolgsfenster für die Thunder und ihr Star-Duo ein Stück kleiner und die bisher überschaubaren Erfolge nähren nur die Zweifler.

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