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Ohne Kevin Durant (l.) führen Stephen Curry (M.) und Klay Thompson die Golden State Warriors an
Ohne Kevin Durant (l.) führen Stephen Curry (M.) und Klay Thompson die Golden State Warriors an © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images
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München - Die Golden State Warriors eilen ohne Kevin Durant von Sieg zu Sieg. Dabei begeistern Curry, Thompson und Co. mit jenem Basketball, der sie die NBA erobern ließ.

Als Kevin Durant in Spiel 5 der Zweitrunden-Serie gegen die Houston Rockets verletzt vom Court humpelte, stand Mitspielern und Fans der Golden State Warriors der Schrecken ins Gesicht geschrieben.

Wie sollte man die Rockets um Superstar James Harden ohne den besten Spieler in die Knie zwingen, wenn man selbst mit ihm nur zwei von vier Partien gewonnen hatte?

Durant hatte die Warriors bis dahin schließlich fast im Alleingang durch die NBA-Playoffs getragen und bärenstarke 34,2 Punkte im Schnitt erzielt.

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Diese Leistung war auch bitter nötig gewesen, da die "Splash Brothers" Stephen Curry und Klay Thompson eher als "Brick Brothers" unterwegs waren. So waren bei Curry lediglich 26 Prozent der Dreierversuche in den ersten vier Partien gegen die Rockets mit Durant erfolgreich, bei Thompson waren es 30,7 Prozent.

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Curry und Thompson blühen auf

Doch ohne Durant blühten Curry und Thompson wieder auf, führten die Warriors erst zum Sieg in Spiel 5 und dann zum Gewinn der Serie gegen die Rockets. In den Conference Finals ist Golden State nach drei Siegen sogar auf dem Weg zum Sweep - sind die Dubs also ohne Durant besser? (SERVICE: Spielplan der NBA-Playoffs).

Die Bilanz von 29-1 in den letzten 30 Spielen, in denen Curry spielte und Durant nicht, legt dies nahe. Ohne Curry, aber mit Durant, haben die Warriors 18 von 46 Partien verloren. Hatte Draymond Green also Recht, als er zu Saisonbeginn laut US-Medienberichten Mitspieler Durant an den Kopf warf: "Wir brauchen dich nicht."

Eines fällt bei den Spielen jedenfalls auf: Die Warriors lassen den Ball wieder wie in alten Zeiten laufen und oft berührt jeder Spieler erst den Ball, bis einer einen guten Wurf hat. Trainer Steve Kerr hatte für diese Art des Basketballs sogar eine Vorgabe: 300 Pässe pro Spiel.

Eine Forderung, die die Warriors mit Durant oft nicht einhalten konnten. In den vier Playoff-Spielen ohne Durant kommen die Warriors dagegen auf 321,5 Pässe pro Spiel. Dies erinnert an jene Zeit, bevor die Warriors zum meist gehassten Team der NBA wurden.

Warriors erobern NBA im Sturm

Rückblick: Angeführt von den "Splash Brothers" Curry und Thompson, die zusammen 525 Dreier in der kompletten Saison treffen, holen die Warriors in der Saison 2014/2015 den Titel. Das Team ist aber nicht nur erfolgreich, sondern begeistert auch den Großteil der NBA-Fans mit seiner Art zu spielen.

Die Warriors zeigen "Small Ball" in Perfektion, setzen auf Schnelligkeit statt auf Größe. Dazu braucht es Spieler mit gutem Ballhandling und einem guten Distanzwurf, wovon die Warriors reichlich haben. Mit Green gab es zudem einen vielseitigen Spieler, der verschiedene Positionen verteidigen konnte.

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Als die Warriors in den Finals gegen die Cleveland Cavaliers um LeBron James mit 1:2 in Rückstand geraten, treibt Kerr es auf die Spitze und nimmt mit Andrew Bogut den einzigen echten Center aus der Starting Five. Ersatz Andre Iguodala wird zum Finals-MVP ausgezeichnet. 

Ein Jahr später stellen die Warriors mit der Saisonbilanz von 73-9 sogar einen neuen NBA-Rekord auf. Den Titel verpassen sie dennoch - trotz einer 3:1-Führung in den Finals gegen die Cleveland Cavaliers.

Durant macht Dubs zur Hass-Franchise

Da niemand James stoppen konnte, kamen die Warriors zu dem Schluss, dass sie noch einen guten Spieler auf den Flügeln brauchen. Doch niemand hatte damit gerechnet, dass mit Durant einer der besten NBA-Spieler sich in das gemachte Nest setzen würde. 

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Mit einem Mal waren die Warriors die Bösewichte mit den Super-Schurken Durant und Green, der mit unschönen Aktionen auf dem Feld bereits Sympathien verspielt hatte.

Die zuvor gefeierten "Splash Brothers" waren nur noch ein Teil der teuflischen Vereinigung, die sich Golden State Warriors nannte.

Die Saisonbilanzen wurden durch den Top-Neuzugang zwar nicht besser, doch in den Finals gegen die Cavs zeigte Durant, warum man ihn geholt hatte. Defensiv bremste er James ein, offensiv war er nicht zu stoppen. Kein Wunder, dass Durant bei beiden Titeln zum Finals-MVP gewählt wurde.

Curry: "Sind schwieriger zu verteidigen"

Sprung zurück in die Gegenwart: Ohne Durant greifen die Warriors notgedrungen wieder auf ihren alten Basketball zurück. "Sie bewegen sich schneller, wenn er (Durant, Anm. d.. Red.) nicht dabei ist. Sie sind nicht ein besseres Team, aber schwieriger zu verteidigen", sagte Portlands Seth Curry.

Der Ball läuft bei den Warriors schneller durch die Reihen, Curry und Thompson haben ihren Rhythmus gefunden und es wird weniger sorglos mit dem Ball umgegangen. Durant kann nur indirekt etwas dafür - aber ohne ihn verschwindet bei den Mitspielern das Gefühl der sicheren Überlegenheit.

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Und natürlich werden, wenn "KD" auf dem Feld steht, seine Fähigkeiten entsprechend genutzt. Denn Fakt ist: Durant ist einer der besten Scorer aller Zeiten, ein Matchup-Albtraum, im One-on-One durch seine Kombination aus Länge und Wurfsicherheit praktisch nicht zu stoppen.

Durant nach der Saison Free Agent

Auf die Frage, ob die Warriors ohne Durant besser sind, meint Green deshalb auch: "Das ist idiotisch. Er hilft bei so vielen Dingen auf beiden Seiten. 'Oh Mist, wir haben vier Mal in Folge keinen Punkt erzielt? Gebt den Ball zu Durant und geht aus dem Weg.'"

Klar ist aber auch: Ohne den Superstar müssen die Warriors wieder mehr als Team agieren. Die Frage, ob sie ohne Durant schöner spielen, lässt sich daher mit "ja" beantworten. Da sie vielen Teams auch ohne ihn überlegen sind, sehen sie dabei oft auch stärker aus.

Doch sollten die Milwaukee Bucks um Giannis Antetokounmpo in den Finals warten, werden die Dubs einen starken Durant dringend brauchen.

Im Sommer werden die Karten dann komplett neu gemischt - denn Durant kann als Free Agent gehen. Und die Warriors vielleicht dauerhaft wieder zum alten Teambasketball zurückkehren.

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