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Patrick Ewing (r.) und sein College-Coach John Thompson
Das Lächeln von Patrick Ewing (r.) nach der berüchtigten Draft Lottery 1985 spricht Bände © Getty Images
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München - Beim ersten Draft der NBA-Geschichte erhalten die New York Knicks den ersten Pick. Um die Lottery entbrennen wilde Gerüchte und Verschwörungstheorien.

In der Nacht auf Freitag schauen die NBA-Fans weltweit nach New York. Im Barclays Center findet der alljährliche NBA-Draft statt. Die New Orleans Pelicans haben die Lottery gewonnen und dürfen sich den talentiertesten Spieler aussuchen.

Zu Gute kam den Pelicans dabei eine Reform der Draft Lottery. Denn in den Jahren zuvor hatte das schlechteste Team der regulären Saison eine 25-prozentige Chance auf den Nummer-Eins-Pick, während in diesem Jahr die drei schlechtesten Teams jeweils eine 14-prozentige Chance auf den ersten Pick im Draft hatten. Für New Orleans war es der Hauptgewinn, denn somit dürfen sie Megatalent Zion Williamson auswählen.

Ebenfalls eine Chance in Höhe von 14 Prozent auf Pick Nummer eins hatten 1985 sieben Teams. Es war das erste Jahr der Draft Lottery, vorher wurde per Münzwurf entschieden, und auch damals stand ein junger Mann im Fokus: Patrick Ewing. Die Umstände seines Wechsels in die NBA sollte wenig später zur größten Verschwörungstheorie im US-Sport werden.

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Knicks bekommen Top-Pick Ewing

Aber der Reihe nach: 1985 bekam jedes Team, das die Playoffs verpasst hatte - zu diesem Zeitpunkt waren es sieben - die gleiche Möglichkeit auf den begehrten ersten Zug. Umschläge mit dem Namen der Franchise wurden in eine Lostrommel geworfen, aus der nacheinander die Gewinner des jeweiligen Picks gezogen wurden.

Center Patrick Ewing galt nach seiner College-Karriere in Georgetown als Jahrhundert-Talent, das die Zukunft seines neuen Teams auf lange Zeit verändern würde. Die Draft Lottery gewannen die New York Knicks, sie entschieden sich auch prompt für Ewing.

Sofort nach dem Draft machten jedoch Gerüchte die Runde, die Lottery sei nicht rechtens gewesen und durch Betrug entschieden worden. Die größte Verschwörungstheorie in der US-Sport-Geschichte war schnell geboren: der sogenannte "Frozen Envelope".

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Bereits vor dem Draft schrieb die New York Times: "Es gibt die feste Überzeugung zwischen Offiziellen der Liga und Marketing-Bossen der TV-Stationen, dass die NBA am meisten davon profitieren würde, wenn Ewing in einem Knicks-Trikot auflaufen würde."

New York als reizvoller Partner

New York war damals wie heute größter TV-Markt der Liga, zudem war die Knicks-Heimstätte Madison Square Garden zu dieser Zeit meistens nicht einmal halb gefüllt und der TV-Vertrag der Liga lief aus.

Der damalige General Manager der Atlanta Hawks, Stan Kasten, fasste ein Gespräch zusammen, das Monate vor dem Draft stattfand: "Ich saß mit einigen Leuten von der NBA zusammen und ich erinnere mich, dass ein hochrangiger Teamboss, den ich nicht namentlich nenne, sagte: 'Ich bin zu einer Million Prozent davon überzeugt, dass ich weiß, was passieren wird. Er wird zu den Knicks gehen', sagte er immer wieder. 'Er geht zu den Knicks, alles ist besprochen.' Ich habe ihm zu der Zeit nicht geglaubt."

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Bereits damals führte David Stern die Liga als Commissioner an, erst 2014 gab er seinen Posten auf. Stern entschied zwar durchaus überraschend, den Draft im TV zu zeigen, dieser wurde aber an einem Werktag gegen 14 Uhr auf dem USA Network übertragen - und konnte so kaum für große Quoten sorgen.

Knicks-Umschlag mit Knick

Die sieben DIN A4-großen Umschläge wurden in einen großen Glasball gelegt, dieser wurde anschließend vom NBA-Sicherheitschef Jack Joyce fünfmal gedreht. Stern griff hinein - und zog nach kurzem Wühlen den Umschlag der Knicks heraus. Dieser hatte, wie sich später herausstellte, an einem Eck einen Knick. Auch Gerüchte über einen gefrorenen Umschlag (frozen envelope) oder Röntgenbrillen machten die Runde.

Stern gab hinterher ein seltsames Statement zum Draft ab: "Das Interesse war großartig. Die Leute sprechen über die Lottery, anstatt Drogen zu nehmen oder etwas anderes Negatives zu tun."

Am Tag darauf kam heraus, dass Jack Wagner, der die Umschläge in die Lostrommel warf, für die Firma Ernst & Whinney arbeitete - die damals Eigentümer der Knicks war. Der Präsident des Madison Square Garden Jack Krumpe erklärte: "Ich habe schon vor 60 Tagen gesagt, wie man manipulieren könnte. Ruf Ernst & Whinney an und sage: 'Wenn wir Ewing nicht bekommen, bist du gefeuert.'"

Über 1000 Kombinationen möglich

Über die Verschwörungstheorie wurden im Lauf der Jahre Dokumentationen gedreht und Bücher verfasst. Trotz der kontroversen Diskussionen behielt Stern seinen Job und etablierte die Lottery als jährliches Event, um die Draft-Reihenfolge festzulegen.

Betrug ist dabei mittlerweile nicht mehr möglich, bei insgesamt 14 Kugeln in der Lostrommel sind über 1000 Kombinationen für die Festlegung der Draft-Reihenfolge möglich. Bei der diesjährigen Lottery am 14. Mai hatten die Knicks zwar als eines von drei Teams die beste Chance auf den Top-Pick - gingen allerdings leer aus. Im Publikum als Repräsentant der Franchise dabei: Patrick Ewing.

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