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München - Die Brooklyn Nets standen 2015 noch vor einem Scherbenhaufen. Drei Jahre später versetzen sie die Basketball-Welt mit einer Transfer-Offensive in Staunen.

Kein Erfolg, keine Stars und keine Talente, keine Draftpicks - noch vor drei Jahren standen die Brooklyn Nets vor einem Scherbenhaufen. (Die Free Agency der NBA im Transferticker)

Gerade einmal 21 Spiele gewann die Franchise in der Saison 2015/16, von den Boston Celtics im heute berüchtigten Trade für Kevin Garnett und Paul Pierce zudem der Zukunft beraubt. Doch von der Mannschaft, die zur Lachnummer der NBA wurde, ist heute nicht mehr viel übrig.

Ganz im Gegenteil: Sollte Rondae Hollis-Jefferson in diesem Sommer bei einem anderen Team unterschreiben, trägt in der kommenden Spielzeit kein einziger Spieler von damals mehr das Brooklyn-Trikot. Stattdessen bastelten die Nets ein neues Super-Team und schockten damit die Basketball-Welt. Wie gelang ihnen dieser Coup?

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Durant, Irving und Jordan zu den Nets

Der erste Transfer-Hammer wurde bereits in Stunde eins der Free Agency bekannt. Kevin Durant verlässt die Golden State Warriors und wird bei den Nets einen Vierjahresvertrag über 164 Millionen Dollar unterschreiben. Schon vorher war duchgesickert, dass Point Guard Kyrie Irving aus Boston kommen würde. KD ließ sogar mehr als 50 Millionen Dollar bei den Warriors sausen, um mit Irving und seinem guten Freund DeAndre Jordan zu spielen.

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Mit dem Trio wollen die Nets zu einem ernsthaften Titelkandidaten werden und die erste NBA-Meisterschaft in der Geschichte der Franchise einfahren.

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Jahrelang stand man im medialen Schatten der New York Knicks - im vergangenen Jahr folgte der endgültige Turnaround. Die Franchise hat die Playoffs erreicht und sich zur neuen Macht in New York gemausert. Eingeleitet wurde die Wende von einem Mann: Sean Marks, der im Januar 2016 als General Manager vorgestellt wurde.

Er veränderte die Kultur der Nets und sorgte mit klugen Trades und Verpflichtungen dafür, dass das Team Schritt für Schritt konkurrenzfähiger wurde. Mit Kenny Atkinson installierte er im April 2016 zudem einen Coach, der sich als Glücksfall herausgestellt hat und besonders als Spielerentwickler erstklassig ist.

Durant mit Problemen bei Warriors

Drei Jahre später setzt Marks seiner Arbeit die Krone auf und versetzt die NBA mit den Trades von Durant und Irving in Staunen. Besonders KD - den auch die Knicks unbedingt wollten - sorgt für Aufsehen, obwohl sich der Abschied bei den Warriors bereits angekündigt hatte.

Bei Golden State hatte Durant stetig damit zu kämpfen, im Schatten von Stephen Curry zu stehen. Ihm wurde das Gefühl gegeben, dass seine Leistungen nicht gewürdigt werden. Das Fass zum überlaufen brachte wahrscheinlich ein heftiger Disput mit Draymond Green beim Spiel gegen die Los Angeles Clippers.

Green dribbelte in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit selbst nach vorne und verlor den Ball, statt Durant zu bedienen, der durch mehrmaliges Händeklatschen den Pass forderte. So ignoriert zu werden, schmeckte Durant überhaupt nicht - in der Kabine lieferten sich die beiden NBA-Profis schließlich ein lautstarkes Wortgefecht.

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In Spiel fünf der NBA-Finals gegen die Toronto Raptors, als Durant eigentlich viel zu früh sein Comeback gab und somit seine Karriere aufs Spiel setzte, erhielt er endlich die nötige Anerkennung für seinen Einsatz - vor allem von den Warriors-Fans.

Doch die kam anscheinend zu spät. zudem soll Durant nicht wirklich begeistert gewesen sein, wie seine ursprüngliche Verletzung von den Warriors behandelt wurde.

Passen Durant und Irving zusammen?

Kann das Star-Duo Durant und Irving allerdings in Brooklyn wirklich eine neue Ära einleiten?

Stimmen wurden laut, die Beiden würden als Spieler nicht gut zusammen passen und zu dominant am Ball agieren. Aber Durant hat in seiner Karriere bereits bewiesen, dass er auch neben Superstars auf dem Court stehen kann, ohne etwas von dem zu opfern, was ihn stark macht - und ohne seine Mitspieler einzuschränken. Das Zusammenspiel mit Irving könnte dem mit Russell Westbrook bei den Oklahoma City Thunder ähneln.

Wenn Durant von seiner Verletzung zurückkehrt, braucht der Forward auch einen Point Guard, der Verantwortung übernimmt. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der 2014er-MVP mit seinen 30 Jahren nicht mehr zu den Jüngsten gehört.

Und wer wäre besser dazu geeignet, Durant in der Offense zu unterstützen, als Irving, der diese Rolle bereits jahrelang an der Seite von LeBron James innehatte und die Cleveland Cavaliers mit "King James" zum Titel geführt hat? Dazu kommen einige hochtalentierte junge Spieler wie Caris LeVert oder Rodions Kurucs, wertvolle Rollenspieler wie Spencer Dinwiddie und Taurean Prince oder gute Schütze wie Joe Harris (alle 28 oder jünger).

Durant: Pause nach Achillessehnenriss

Doch so vielversprechend die Transfer-Offensive der Nets auch scheinen mag, hat sie doch auch ihre Schattenseiten.

Durant fällt wegen eines in den NBA-Finals zugezogenen Achillessehnenrisses noch lange aus. Und selbst wenn der zehnmalige All-Star die Nets in der kommenden Saison noch unterstützen kann, wird er nach seiner Horror-Verletzung eventuell nicht mehr der Selbe sein. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Durant 90 Prozent seiner Leistungsfähigkeit zurückerlangt, ist trotzdem ungewiss, was die fehlenden zehn Prozent ausmachen können.

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Und Irving? Er ist kein Spieler, der die Nets im Alleingang zum Titelanwärter macht.

Unabhängig davon ist der 01. Juli 2019 ein historischer Tag für die Nets und ein Meilenstein in einer der größten Comeback-Geschichten der NBA.

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