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München - Kawhi Leonard ist der begehrteste Spieler des NBA-Sommers. Mit seinem Wechsel zu den Clippers schockt er die Basketball-Welt - und vor allem den Stadtrivalen.

Am Freitagabend wurde Südkalifornien gleich zwei Mal von einem Erdbeben erschüttert.

Zuerst maß das US Geological Survey um 2019 Uhr Ortszeit ein Beben von 6,9 auf der Richterskala, dessen Auswirkungen sogar für einen Spielabbruch bei der NBA Summer League in Las Vegas sorgte.

Wenig später folgte ein sportliches Erdbeben: Nach übereinstimmenden US-Medienberichten verlässt Superstar Kawhi Leonard (28) die Toronto Raptors nach dem historischen NBA-Titelgewinn und schließt sich den Los Angeles Clippers an.

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Leonard hatte als wertvollster Spieler (MVP) der Finals entscheidenden Anteil daran, dass Toronto als erstes kanadisches Team Champion wurde. Jetzt unterschreibt er in L.A. einen Maximalvertrag, für vier Jahre zahlt die Franchise 142 Millionen Dollar.

Lakers gehen erneut leer aus

In die Röhre schauen neben den Raptors, die sich nach mehreren Gesprächen Hoffnung auf einen Verbleib Leonards gemacht hatten, vor allem die Los Angeles Lakers.

Der glamouröse Stadtrivale sah sich selbst in aussichtsreicher Position, um nach Anthony Davis den nächsten Superstar zu holen und mit LeBron James eine der besten Ansammlungen dreier Superstars in einem Team in der Geschichte der NBA zu haben. Die Nachricht von Leonards Wechsel zu den "kleinen" Clippers sprengte den Traum vom neuen Superteam schmerzlich.

Richtig überraschen kann der Coup der Clippers mit Leonard bei genauerer Betrachtung nicht. Die Franchise hat den vielseitigen Forward seit seinem Wechsel von den San Antonio Spurs zu den Raptors auf dem Radar. Hochrangige Clippers-Verantwortliche waren in der vergangenen Saison desöfteren bei Spielen der Raptors vor Ort um den Kontakt zu halten und Leonard zu beobachten.

Obwohl dieser die Raptors zum Titel führte und Finals-MVP wurde, hatten die Clippers einen weiteren Trumpf in der Hinterhand: Leonards Liebe und Verbundenheit zu seiner südkalifornischen Heimat.

Leonard zurück in die Heimat

Leonard kam am 29. Juni 1991 in Riverside, östlich der Metropole Los Angeles zur Welt und verbrachte dort seine gesamte Jugend. Ehe er 2011 von den Indiana Pacers im Draft an Position 15 gezogen wurde, spielte er zwei Jahre für die San Diego State University.

Die "Klaue" ist immer noch sehr eng mit seiner Familie und langjährigen Freunden in Südkalifornien verbunden. Freunde aus seiner Collegezeit in San Diego bezeichnen den oft unnahbar wirkenden Leonard als komplett anderen Menschen wenn er in seiner Heimat ist.

Auch da er offenbar keine Lust hatte nur einer von drei Teilen im anvisierten Starteam der Lakers zu sein, dürfte der Deal mit den Clippers bereits seit längerem in trockenen Tüchern gewesen sein. Vielleicht stand das für den so undurchschaubaren All-Star sogar schon seit dem Sommer 2018 fest.

Die vielen Spekulationen dürften ihn und seinen inneren Kreis amüsiert haben. Denn Leonards Umfeld ist seit jeher sehr eng und verschwiegen. Das war dem Superstar schon zu College-Zeiten wichtig. Entsprechend drang nichts nach außen, in Zeiten von Social Media nicht nur für NBA-Verhältnisse äußerst ungewöhnlich. Niemand wusste etwas.

Clippers erfüllen Leonards Wunsch

Um den Deal perfekt zu machen, mussten ihm Clippers-Besitzer Steve Ballmer und Teampräsident Lawrence Frank jedoch noch einen Wunsch erfüllen: einen kongenialen Partner.

"Holt Paul George und ich komme", soll er laut NBA-Insider Adrian Wojnarowski gefordert haben. Entsprechend wartete Leonard mit seiner Entscheidung, um dem Team die nötige Zeit zu verschaffen.

Die Clippers reagierten und fädelten einen spektakulären Deal mit den Oklahoma City Thunder ein. Für George erhält OKC Shai Gilgeous-Alexander, Danilo Galinari und fünf Erstrunden-Draftpicks.

Dieser Trade wird den Lakers ebenso wenig geschmeckt haben wie der Wechsel von Leonard zu den Clippers an sich. Mit Leonard und George sind die letzten zwei großen Puzzleteile des Transfer-Sommers 2019 verbaut. Mit der späten Bekanntgabe der beiden Megawechsel haben die Clippers neben den Raptors vor allem die Lakers gehörig an der Nase herumgeführt.

Denn LeBron James' Truppe wartete so lang auf Leonard, so dass nun alle Top-Free-Agents weg sind, mehr noch: Sie schickten sogar die beiden deutschen Talente Moritz Wagner und Isaac Bonga weg, um finanziellen Spielraum für Leonard zu schaffen. Jetzt sitzen sie auf einem Spielraum von 17 Millionen, ohne gescheite Kandidaten auf dem Markt.

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Leonard auf der Jagd nach drittem Finals-MVP-Titel

In Doc Rivers besitzen sie einen herausragenden Coach. Eine mögliche Starting Five mit Leonard, George, Patrick Beverley, Landry Shamet und Ivica Zubac oder Montrezl Harrell kann sich mehr als sehen lassen. Zudem ist die Bank mit Lou Williams und Maurice Harkless gut besetzt.

Die Chancen, dass die Clippers die Nummer eins in Los Angeles werden, stehen gut. Nur Robert Horry und John Salley gewannen NBA-Titel mit drei verschiedenen Teams. Leonard kann sogar nach einem weiteren Meilenstein seiner Karriere streben und erreichen, was vorher noch niemandem gelang: Finals-MVP mit drei unterschiedlichen Teams werden.

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