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München - Die Dallas Mavericks starten erstmals nach 21 Jahren wieder ohne Dirk Nowitzki in eine Saison. Ein Star-Duo sorgt aber dafür, dass der Hype größer denn je ist.

Bei den Dallas Mavericks beginnt eine neue Zeitrechnung.

Nach 21 Jahren im Trikot der Texaner hat Dirk Nowitzki seine Sneaker an den Nagel gehängt.

Jahrelang war Nowitzki das Gesicht der Franchise, die gefeierte Person. Er wurde zum MVP gewählt und brachte der Stadt 2011 die ersehnte Meisterschaft.

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Noch in der vergangenen Saison wurde jede Einwechslung des Würzburgers frenetisch bejubelt. Doch nach seinem Rücktritt im April ist diese Zeit vorbei. Dallas ohne Nowitzki – ist das überhaupt vorstellbar?

"Er war so lange bei den Mavs, niemand kennt sie wirklich ohne Dirk. Jeder vermisst ihn", erklärte Maxi Kleber, der die deutschen Fahnen in der Stadt hochhält, bei mavs.com.

"Basketball ohne Dirk - das fühlt sich weiterhin nicht real an", sagt Saad Yousuf, der die Mavs für TheAthletic begleitet, bei SPORT1.

Aber "andererseits haben wir einen jungen neuen Kern und können eine neue Ära beginnen", sagte Kleber.

Doncic und Porzingis beginnen neue Ära

Und der Hype ist real, die Fans blicken der Saison voller Vorfreude entgegen. Das zeigte sich spätestens beim Open Practice am 6. Oktober.

Die Dallas-nahen US-Medien waren sich einig: Noch nie waren derart viele Fans bei einem Preseason-Event am Start – und das an einem Tag, als die Dallas Cowboys in der NFL die Green Bay Packers empfingen.

Hauptverantwortlich dafür: Luka Doncic und Kristaps Porzingis. "Es ist sehr gut, dass Luka und Porzingis da sind, sie helfen bei diesem Übergang ohne Dirk. Der Hype ist groß", sagte Yousuf.

Doncic will in Nowitzkis Fußstapfen treten

Jahrelang wurde in Dallas ein neuer Franchise Player gesucht, der das Zepter von Nowitzki übernehmen sollte. Spieler wie Monta Ellis oder Harrison Barnes gelang es zwar, zur primären Scoring-Option zu werden – mehr aber auch nicht.

Bei Doncic ist die Lage eine andere. Als hochgepriesener Rookie im Vorjahr gekommen, zeigte der Slowene sofort, was in ihm steckt.

21,2 Punkte, 7,8 Rebounds und 6,0 Assists legte der 20-Jährige im Schnitt auf, was ihm die Auszeichnung zum Rookie des Jahres einbrachte.

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Nun will er eine neue Ära prägen. "Dirk war 21 Jahre hier. Ich möchte hier bleiben und in Dirks Fußstapfen treten", erklärte Doncic.

Porzingis gibt nach Kreuzbandriss Comeback

Nachdem er in seiner ersten Saison häufig den Alleinunterhalter mimte, hat er mit dem wieder genesenen Porzingis nun einen Partner an einer Seite, der die Augen der Mavs-Fans zum Leuchten bringt.

Der 2,21 Meter große Lette bringt offensive Feuerkraft, kann mit seiner Länge aber auch defensiv Einfluss nehmen. Zwar hat der Big Man wegen eines Kreuzbandrisses seit Februar 2018 kein Saisonspiel absolviert, doch in der Vorbereitung harmonierten Porzingis und Doncic bereits prächtig.

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"Es ist super einfach, mit ihm zu spielen", sagte Porzingis, der im Sommer etwa sieben Kilogramm Muskelmasse zugelegt haben soll. Dass die Leute in Dallas vom neuen Star-Duo begeistert sind, liegt nicht nur an den sportlichen Qualitäten.

Sowohl Doncic als auch Porzingis wirken bescheiden – eine Qualität, mit der sich auch Nowitzki auszeichnete.

Er wolle jede Möglichkeit nutzen, sich mit den Fans zu verbinden, sagte Porzingis nach dem Open Practice. Dallas habe "wahrscheinlich die nettesten Menschen", meinte der 24-Jährige.

Harter Playoff-Kampf im Westen

In der Offseason ging den Mavs zwar ein erhoffter Kracher wie Kemba Walker durch die Lappen.

Die Vertragsverlängerungen von Porzingis, Kleber, J.J. Barea, Dwight Powell und Dorian Finney-Smith sowie die klugen Verpflichtungen von Kult-Riese Boban Marjanovic sowie der Guards Delon Wright und Seth Curry - Bruder von Scharfschütze Stephen Curry - geben aber Hoffnung, dass man in der texanischen Metropole endlich mal wieder an den Playoffs teilnimmt.

Zuletzt war das 2016 der Fall, als man mit 1:4 gegen die OKC Thunder in der ersten Runde verlor. Schlimmer noch: Seit dem Titel 2011 konnte keine Playoff-Runde mehr gewonnen werden. "Wir sind aber auf dem richtigen Weg. Die letzten paar Jahre mit den Mavericks waren schwer, aber ich hoffe doch, dass wir rosigere Zeiten vor uns haben", sagte Nowitzki im SPORT1-Interview.

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Allerdings ist der Westen nach einem wilden Transfersommer stärker als je zuvor. Die Rockets, Nuggets, Jazz, Clippers und Lakers sollten ihre Playoff-Plätze sicher haben, die Warriors sind auch ohne Kevin Durant und den verletzten Klay Thompson ein heißer Kandidat.

Dahinter streiten sich die Mavs wohl zusammen mit den Spurs, Blazers, Pelicans, Timberwolves und Kings um die verbleibenden zwei Plätze.

"Es ist wichtig, eines Kultur des Gewinnens zu entwickeln. Wir wollen in die Playoffs und ich glaube, wir können das. Das ist auf jeden Fall mein Ziel", sagte Doncic.

Mavs experimentieren mit Dreierlinien

Zum Problem könnte das fehlende Spacing werden. Außer Doncic, Porzingis und Curry fehlt ein verlässlicher Schütze unter den Leistungsträgern. Unter den Rollenspielern wie Justin Jackson, Tim Hardaway Jr. oder Finney-Smith muss sich eine sichere Distanzoption herauskristallisieren.

Auch Kleber, der dank der Oberschenkelverletzung von Konkurrent Powell zunächst einmal an Porzingis' Seite starten sollte, ist hier gefragt.

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Helfen könnte Dallas ein besonderes Experiment. In der Trainingshalle wurden hinter die normale Dreierlinie (7,24 Meter) zwei weitere Linien geklebt, die etwa 8,5 und 9,1 Meter vom Korb entfernt sind.

"Wir haben es in der Offseason trainiert. Wenn du zeigst, dass du von dort treffen kannst", erlaube es Coach Carlisle auch im Spiel, von dieser Entfernung zu werfen, sagte Jackson. Nebeneffekt: Die normale Dreierlinie "fühlt sich viel einfacher" an.

Nowitzki-Logo auf dem Court

Auf dem wirklichen Feld im American Airlines Center wird es die speziellen Linien zwar nicht geben, dafür aber ein besonderes Logo.

Nowitzkis legendärer einbeiniger Fadeaway wird als Silhouette in den Ecken des Feldes verewigt. Doncic und Porzingis werden mögliche entscheidende Würfe also neben der Dreier- oder Freiwurflinie auch vom "Dirk" verwandeln können.

So ganz ohne Nowitzki geht es dann eben doch nicht.

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