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München - Die NBA will ausgerechnet am Corona-Hotspot Florida ihre Saison beenden. Doch die Zweifel wachsen, besonders eine Bedrohung gibt es für den NBA-Kreis.

Insgesamt etwa 4.400 Todesfälle und über 290.000 Infizierte.

Durchschnittlich über 10.000 neue Fälle in den vergangenen fünf Tagen.

Ein Rekordwert von 15.300 registrierten Fällen am Sonntag, der den bisherigen Höchstwert aus New York vom Zeitpunkt des Virus-Ausbruchs' deutlich übersteigt.

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Fürchterliche Zahlen, die zeigen: Florida hat ein gewaltiges Problem mit der Eindämmung des Coronavirus, gilt gar als neues Epizentrum.

"Florida ist der schlimmste Ort der Welt"

Ein Problem, das die Pläne der NBA wie ein Himmelfahrtskommando erscheinen lässt. Denn die beste Basketball-Liga der Welt will ihre Saison im Zentrum Floridas in Orlando auf dem Disney-Campus zu Ende bringen.

"So wie derzeit die Zahlen in die Höhe schießen, ist Florida der schlimmste Ort der Welt - und wir bringen 22 NBA-Teams in diesen Hotspot. Ich denke, wir haben keine Chance, diese Saison zu Ende zu bringen", sagte NBA-Legende Charles Barkley.

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Ein Epidemiologe sah das Vorhaben trotz guter Bemühungen bereits vor einigen Wochen "zum Scheitern verurteilt".

Holmes verlässt die Bubble

Wenig förderlich sind dann Meldungen wie die zu Richaun Holmes, dessen "Delivery-Gate" ein wenig an Heiko Herrlichs Zahnpasta-Fauxpas in der Bundesliga erinnerte.

Beim Versuch, sich Essen zum Quarantäne-Gelände zu bestellen, verließ der Center der Sacramento Kings die Blase – und muss nun wieder für zehn Tage in Quarantäne.

Selbst die eigene Mutter rüffelte ihren Filius (augenzwinkernd) öffentlich. "Grenzen übertritt man nur, wenn Mama kocht. Und ich war nicht in Florida, junger Mann", schimpfte Lydecia Holmes bei Twitter.

In der anonymen Hotline der NBA wurden zudem offenbar mehrere Hinweise auf Protokollverletzungen gemeldet.

Zwei positive Tests in Orlando

Die NBA hat die Hoffnung einer kompletten Blase, einer eigenen Welt auf dem 15.000-Hektar-Gelände, in der zwischen dem 30. Juli und Mitte Oktober der neue Champion ausgespielt werden soll.

"Where Dreams Come True", wo Träume wahr werden, steht am Eingang von Walt Disney World.

Seit dem 7. Juli haben sich die 22 Teams in die Isolation in drei Quarantäne-Hotels in Orlando begeben. Alle Spieler mussten zunächst in Isolation, bis innerhalb von 24 Stunden zwei negative Coronatests vorlagen.

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Inzwischen ist klar: Bei zwei von 322 getesteten Profis in Orlando war das Ergebnis positiv, diese waren allerdings bereits in Quarantäne und haben die Walt-Disney-Bubble inzwischen verlassen.

Der Test des ebenfalls infizierten Russell Westbrook war bereits vor der Abreise erfolgt.

Die Teams haben mittlerweile angefangen, in umgebauten Ballsälen zu trainieren – mit Ausnahme der Positiv-Fälle, Holmes und Bruno Caboclo von den Houston Rockets, der die Blase ebenfalls verlassen hatte.

"... dann wird das Licht ausgeben"

Unzählige Details wurden im 113-seitigen Gesundheits- und Sicherheitskonzept festgesetzt, so darf beim Tischtennis kein Doppel gespielt werden. Es ist verboten, den Disney-Campus zu verlassen, wer es doch tut, muss zurück in Quarantäne.

Alles soweit gut durchdacht, keine Frage. Doch der Hotspot Florida – mit Gouverneur Ron DeSantis, eher weniger als Corona-Bekämpfer bekannt – könnte alles zum Wanken oder sogar Einstürzen bringen.

[image id="DE88BDD9-4D93-45DC-8E8F-599E390CED47" class="full_size" title=""Wo Träume wahr werden" - die restliche NBA-Saison soll in Disney World in Florida steigen"

Der Houston Chronicle zitiert dazu einen Experten für Infektionskrankheiten: "Sie (die NBA-Verantwortlichen, Anm. d. Red.) tun alles in ihrer Macht Stehende", sagte Dr. Peter Hotez: "Es ist nur so, dass das Risiko, dies in einem Gebiet zu machen, in dem die Zahl der Fälle steigt, deutlich höher ist als an einem Ort mit weniger COVID-Übertragungen."

Hotez glaubt: "Wahrscheinlich reicht es aus, wenn ein paar Spieler krank werden. Dann wird das Licht aus gehen. Die Leute werden aufgeben."

Mitarbeiter als Infektionsbedrohung

Konkret bereitet in dieser Hinsicht ein Aspekt die größten Sorgen: Die Mitarbeiter von Disney World, die auf dem Gelände unter anderem für die Reinigung, Verpflegung oder Instandhaltung verantwortlich sind.

Diese arbeiten zwar mit Masken und haben nicht zwingend direkten Umgang mit den NBA-Profis, in irgendeiner Form wird es aber zweifelsfrei Kontakt geben.

Zwar gibt es Protokolle oder Temperaturkontrollen, aber keine regelmäßigen Tests wie beim NBA-Staff. Sie gehen nicht in Isolation, sondern nach Hause zu ihren Familien. Was sie in ihrer Freizeit tun, scheint ihnen zu überlassen.

NBA rechnete nicht mit so hohen Infektionszahlen

Aufgrund der in die Höhe schnellenden Zahlen denken die NBA-Verantwortlichen aber daran, dies zu ändern und zu versuchen, das Verhalten der Angestellten des Freizeitparks stärker zu regulieren.

"Als wir diesen Plan entworfen haben, haben wir einen Anstieg der Fälle in dieser Art ehrlicherweise nicht kommen sehen", sagt NBA-Chef Adam Silver.

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Dass es auf dem Campus sicherer ist als außerhalb, ist unzweifelhaft. Doch ist es sicher genug, um einen NBA-Champion zu küren? Zweifelhaft, wie eine NBA-Führungskraft bei NBC Sports erkannte: "Das ist keine Blase. Das ist ein Netzhut".

Und dieser kann bei einem Infektionshagel eben nicht alles abwehren.

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