Lesedauer: 6 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Michael Porter wird 2018 von den Denver Nuggets als Risiko-Pick gedraftet. Verletzungen werfen ihn weiter zurück. Beim Restart der NBA zeigt er sein wahres Talent.

37 Punkte und zwölf Rebounds, dabei zwölf von 16 Würfen verwandelt - das sind Werte, mit denen in der NBA dieser Tage eigentlich nur die Topstars der Szene auf sich aufmerksam machen. Doch gerade eben diese Werte werden in den vergangenen Spielen von einem Rookie produziert. 

Einst als potentieller Nummer-1-Pick im Draft deklariert, später aber durch Verletzungspausen gerade so als riskante Wahl in die NBA aufgenommen, scheint der Knoten bei Michael Porter Jr. nach dem Restart der NBA endgültig geplatzt zu sein.

Der Power Forward von den Denver Nuggets weist seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Disney World knapp 24 Punkte im Schnitt pro Spiel vor. Wenn man bedenkt, dass er vorher in der Saison nur 14 Minuten im Schnitt gespielt hatte, ist das ein Raketenstart.

Anzeige

Nun sorgt der 22-Jährige zusammen mit Superstar Nikola Jokic für Furore und lässt die Denver Nuggets zu einem ernst zu nehmenden Kandidaten auf den NBA-Titel werden. (Tabellen der NBA)

Porter Jr. mehrfach von Verletzungen geplagt

Sein Aufstieg verlief allerdings bisweilen holprig. Noch im letzten High-School-Jahr 2017 glänzte Porter mit durchschnittlich 36,2 Punkten und 13,6 Rebounds pro Spiel. Er führte die Nathan State High School aus Seattle zur Staatsmeisterschaft und galt daraufhin als potentieller Nummer-1-Pick für die Zukunft.

Meistgelesene Artikel

Schließlich wechselte der heißbegehrte Youngster an die University of Missouri, wo sein Vater als Co-Trainer fungierte. Doch dann wurde sein kometenhafter Aufstieg jäh gestoppt. 

Bereits im ersten College-Spiel verletzte sich Porter schwer am Rücken. Eine Operation setzte ihn beinahe die komplette Saison außer Gefecht, lediglich zwei weitere Spiele konnte er bestreiten. Aus Porter, der in den USA beinahe schon Superstar-Status genoss, wurde plötzlich ein Risiko-Pick.

Trotz seiner langen Verletzungspause entschied sich Porter 2018 für die Teilnahme am NBA-Draft. Dort fiel das Mega-Talent aber bis auf Position 14, ehe ihn die Denver Nuggets auswählten. 

Kurz nach der Unterzeichnung seines ersten NBA-Vertrags musste sich Porter einer zweiten Rücken-Operation unterziehen. Die Rookie-Saison war damit futsch und sein Stern begann zu verblassen.

Denn die Nuggets mischten nach einigen Jahren Aufbauarbeit auch ohne das Supertalent die Playoffs auf und erreichten die Conference Semifinals.

Zusammenspiel mit Jokic klappt auf Anhieb

Nach langer Verletzungsmisere gab das junge Talent erst an Halloween 2019 sein NBA-Debüt. Nach und nach bekam der Power Forward mehr Spielzeit und schaffte es, sich in die Rotation der Nuggets zu spielen.

"Er hebt das Spiel auf ein neues Level. Er hat noch so viel Potenzial, sich zu verbessern. Die ganze Nuggets-Familie brennt darauf, seine Entwicklung zu verfolgen. Michael Porter hat alles, um ein Star zu werden", schwärmte Chef-Coach Michael Malone nach seinen ersten Auftritten in der Liga.

DAZN gratis testen und die NBA live & auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Und auch das Zusammenspiel mit Nikola Jokic, um den das Nuggets-Spiel aufgebaut ist, funktioniert seit Tag eins. "Er ist ein großer Zielspieler für mich. Ich spiele sehr gerne mit ihm. Er ist ein wirklich guter Schütze, er greift das Glas an, er ist ein talentierter Spieler", adelte der serbische Top-Star den jungen Power Forward.

Und nun nach dem Restart der Liga erfolgte der große Durchbruch für Porter. Durch Verletzungssorgen innerhalb der Mannschaft ist Porter zu einem der Topspieler der Franchise aufgestiegen.

Mit Juancho Hernangomez und Malik Beasley tradeten die Nuggets im Februar zwei Konkurrenten nach Minnesota, dazu fehlen in Gary Harris und Will Barton aktuell noch zwei wichtige Spieler, die sonst an seiner Stelle in der Starting Five aufliefen.

Wirbel auf und neben dem Platz wegen Corona

Im zweiten Spiel gegen OKC platzte dann der Knoten mit 37 Punkten - und auch die nächsten Spiele schoss Porter aus allen Kanonenrohren. In den nachfolgenden zwei Partien gelangen ihm 30 und 27 Punkte. Dazu krönte er seine noch junge Karriere mit einem persönlichen Rekord von 15 Rebounds. 

Porter ist erst der dritte Rookie seit 2000, dem zwei Double-Double mit über 30 Punkten nacheinander gelangen.

"Er ist unglaublich lang, kann scoren und hat ein weiches Händchen. Er spielt so effizient und kann ein überragender Rebounder sein. Das hat er heute gezeigt", lobte Coach Malone den Blitzstarter nach den vergangenen Spielen.

Doch während er auf dem Court für Furore sorgte, überraschte der Youngster neben dem Platz mit teilweise fragwürdigen Aussagen zur Corona-Pandemie. "Es wird benutzt, um die Massen zu kontrollieren", sagte der 22-Jährige in einer Snapchat-Fragerunde, die Maßnahmen seien augenscheinlich Teil einer "größeren Agenda".

"Du musst Masken tragen, und wer weiß, was passiert, wenn der Impfstoff kommt", erklärte Porter: "Vielleicht muss man sich impfen lassen, um fliegen zu dürfen. Das wäre verrückt. Ich bin in meinem ganzen Leben noch nicht geimpft worden."

Nach diesen Aussagen wurde Porter prompt zum General Manager der Nuggets, Tim Connelly, bestellt. Während dieser Vorfall aber wohl vorerst geklärt ist, werden die nächsten Wochen richtungsweisend für den jungen NBA-Star.

Jokic als entscheidender Faktor?

Die große Frage ist, ob er auch noch nach der Rückkehr der Konkurrenten seinen Platz in der Startformation der Nuggets halten kann - vor allem, wenn es in den Playoffs um alles geht.

Eminent wichtig wird hier wohl das Zusammenspiel mit Superstar Jokic sein. Malone jedenfalls macht dem 22-Jährigen in seiner derzeitigen Form große Hoffnung, auch in Zukunft viel Spielzeit zu bekommen, wenn die Chemie mit Jokic stimmt.

"Michael Porter ist ein großer Teil unserer Gegenwart und unserer Zukunft. Je früher diese beiden die Chemie auf dem Platz entwickeln, desto besser wird es uns gehen, nicht nur im Moment, sondern auch in der Zukunft."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image