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Seit seinem Karriereende engagiert sich Dirk Nowitzki verstärkt für gesellschaftliche Belange
Seit seinem Karriereende engagiert sich Dirk Nowitzki verstärkt für gesellschaftliche Belange © Imago
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München - Seit seinem Karriereende verfolgt Dirk Nowitzki die NBA nur noch als Fan. Die NBA-Bubble empfindet er als positiv. Vielmehr macht er sich aber Sorgen um die Gesellschaft.

Obwohl Dirk Nowitzki nun bereits seit über einem Jahr die Basketball-Schuhe an den Nagel gehängt hat, ist er immer noch ein Star in Deutschland und den USA.

Diese Popularität nutzt der MVP von 2007 für seine Dirk Nowitzki-Stiftung, um gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. In Zeiten von Black Lives Matter scheint dieses Engagement wichtiger denn je.

Aber nicht nur seine sozialen Verpflichtungen füllen seinen Tagesplan, durch Corona kamen auch völlig neue Probleme wie Homeschooling oder fehlende Bewegungsmöglichkeiten hinzu, wie er in einem Videointerview mit Fortyone, dem Magazin seiner Stiftung, verriet.

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Nowitzki genießt Zeit für Kinder

Vor allem die ungewohnte Bewegungseinschränkung durch die Corona-Pandemie habe sein aktuelles Leben gehörig umgekrempelt. "Wir wollten viel reisen, viel erleben. Wir hatten geplant, unsere Familien in der ganzen Welt zu besuchen", berichtete er von den Familienplänen und fügte hinzu: "Das ist seit März nicht mehr möglich. Aber ich genieße die Zeit daheim. Wir beschäftigen uns sehr viel mit den Kids."

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Er zieht die positiven Aspekte aus der Situation. Gerade die gemeinsame Zeit mit seinen Kindern nimmt er als Geschenk und Möglichkeit, der Familie etwas zurückzugeben. "Die Kids stehen im Vordergrund, weil sie in den letzten Jahren viel zurückstecken mussten", weiß er um die Schwierigkeiten, die seine NBA-Karriere in das Familienleben brachte.

Neue Probleme: Homeschooling und Kühlschrank

Allerdings ist das Zusammensein mit den Kindern nicht nur Zuckerschlecken. Gerade das Homeschooling war ungewohnt, meisterte er nach eigener Aussage aber ordentlich: "Als Heimlehrer war ich ganz okay. Wenn die jetzt 14, 15 wären und Algebra und Physik machen, da würde es bei mir relativ schnell schwer werden. Aber Malaika (Nowitzkis Tochter; Anm. d. Red.) ist jetzt sieben geworden und geht in die erste Klasse. Das ist alles noch einigermaßen überschaubar. Da ist noch viel mit Spielen und Puzzeln, das krieg ich hin."

Neben dem Homeschooling hielt der coronabedingte Aufenthalt in den eigenen vier Wänden noch ein anderes Problem bereit - den Kühlschrank! "In Corona war es natürlich etwas schwerer, da Disziplin zu zeigen, wenn man immer Zuhause ist und an der Küche vorbeiläuft", offenbarte er mit einem Lachen.

Zumal der NBA-Meister von 2011 direkt nach der Karriere schon zugab, endlich alles essen zu können, was er wolle. "Aber mittlerweile habe ich meine Routine mit Diät und Workouts wieder gefunden." Vor allem das Radfahren habe er für sich entdeckt.

Wandel vom Spieler zum Fan

Das Trainingsgelände der Dallas Mavericks hat Nowitzki auch vor Corona nur noch selten besucht. "In der Halle war ich so gut wie gar nicht. Nach meiner Karriere war ich nur ein paar Mal da. Mein Fuß braucht so ein, zwei Mal die Woche noch Behandlung, damit ich einigermaßen rumlaufen und Tennis spielen kann", erklärte er.

Während seiner Behandlungsaufenthalte hatte er naturgemäß regelmäßigen Kontakt zum Team und Staff. Daher habe er auch etwas gebraucht, bis er sich endgültig in seiner Rolle als Basketball-Rentner eingefunden hatte. "Am Anfang der Saison, wenn ein Spieler einen Gamewinner gemacht hat, habe ich mich schon mitgefreut. Aber es war auch immer so der Gedanke dabei: Schade, das Gefühl wirst du nie mehr haben", beschrieb er seine Emotionen zu Saisonbeginn.

Doch mittlerweile habe er sich mit der Situation angefreundet und beobachte die NBA nicht mehr als ehemaliger Spieler, sondern "bin nur noch Fan." Besondere Freude mache ihm dabei sein Thronerbe bei den Dallas Mavericks - Luka Doncic.

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"Das hätten wir uns damals nie erträumen lassen, dass der Junge so einschlägt. Jeder wusste, dass er gut ist und Übersicht hat" geriet er über Doncic ins Schwärmen und sprach noch ein großes Lob aus: "Aber als er dann kam, hat er uns nochmal alle überrascht, wie er das Spiel in seinem jungen Alter schon unter Kontrolle hat."

Doncic cooler als der junge Nowitzki

Vor allem die Konstanz des jungen Slowenen beeindruckt den 42-Jährigen. Verglichen mit seinem jüngeren Ich sei der 21-Jährige auf einem völlig anderen Niveau. "Wenn ich mit 21, 22 Jahren so ein gutes Spiel hatte, war ich auf einem emotionalen High und hab versucht, alle Artikel zu lesen. Es war dann super schwer für mich, am nächsten Tag wieder so eine Leistung abzurufen. Aber der Junge ist so abgezockt und cool."

Das musste er Doncic natürlich auch mitteilen: "Ich habe ihm auch ein paar Mal geschrieben, dass ich ein riesen Fan von ihm bin und es einfach Spaß macht, ihm zuzuschauen."

Aber nicht nur sein junger Nachfolger mache ihm Spaß, generell sehe Nowitzki die Leistungen in der Bubble positiv. "Die Spiele haben schon sehr gut, sehr professionell ausgesehen. Die NBA hat es mit dem digitalen Fernsehen auch ganz gut hinbekommen, dass doch irgendwie Fans dabei sind", lobte er die innovative Herangehensweise der NBA, die auch moderne Kanäle wie Zoom integriert, um die Fans so nahe wie möglich ans Spiel zu bringen.

Sorge um seine Kinder

Doch bei aller Liebe zum Basketball kann und will auch Nowitzki nicht die Augen vor dem aktuell alles beherrschenden Thema Rassismus verschließen. Die NBA sehe er im Umgang mit der Thematik auf einem guten Weg. Aber auch er selbst versuche, sich damit verstärkt auseinanderzusetzen und den Kampf gegen Rassismus aufzunehmen.

"Es ist schon schwer, dass man immer wieder diese Videos (von Polizeigewalt; Anm. d. Red.) sehen muss, dass das immer wieder passiert. Schon nach der Geschichte mit George Floyd habe ich ein Statement abgegeben und das stimmt heute immer noch. Ich mache mir Sorgen um meine Kids, die in diesem Land aufwachsen."

Gerade mit ehemaligen Weggefährten wie Steve Nash oder Jason Kidd thematisiere er diese Problematik. "Die Sache ist größer als Basketball. Natürlich reden wir darüber", erklärte er, sieht aber auch eigene Defizite, die er ausmerzen möchte: "Ich bin nicht in den USA aufgewachsen. Daher versuche ich, soviel wie möglich über diese Geschichte zu lernen, Bücher zu lesen, Dokumentarfilme anzuschauen. Ich versuche, zu verstehen, wie tief verwurzelt das alles hier ist."

Gesellschaftlicher Wandel durch Stiftungsarbeit

Denn nur mit mehr Wissen könne sich seiner Meinung nach etwas ändern - auch wenn es Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern werde. Dennoch wolle er zu diesem Wandel beitragen und nutzte daher die Zeit während Corona, um sich vermehrt mit seiner Dirk Nowitzki-Stiftung zu engagieren. "Wir haben jetzt eine Organisation hier in Dallas gefunden und da freue ich mich auf die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren."

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Doch nicht nur in Dallas will er die Gesellschaft zum Positiven verändern. Auch in der alten Heimat Deutschland verstärkt er sein Engagement. "Wir haben jetzt ein Mentoren-Programm gestartet, wo wir junge Trainer ausbilden und Werte vermitteln. Diese sollen dann über die Trainer an die Jugendlichen weitergegeben werden, damit man sie fürs Leben rüstet."

Langweilig wird es Nowitzki also definitiv nicht.

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