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München - Beim NBA-Draft picken die Hornets an Position drei LaMelo Ball. Wer ist der Rookie, der nie am College spielte, dessen Vater aber ständig für Schlagzeilen sorgt?

"With the first pick in the 2020 NBA-Draft the Minnesota Timberwolves select Anthony Edwards."

Mit den Worten, die NBA-Commissioner Adam Silver zu Beginn des Drafts sprach, wurde eines klar: LaMelo Ball wird nicht als Nummer-1-Pick in die Geschichte eingehen.

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Immer wieder wurde der jüngste der drei Ball-Brüder von Experten als mögliche Nummer eins gehandelt, auch in den Mock Drafts lag der 19-Jährige häufig ganz vorne. Doch es kam anders.

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Die Timberwolves sahen in Edwards für sich die bessere Wahl und auch die Golden State Warriors an Position zwei schnappten bei "Melo" nicht zu.

Hornets schnappen sich Melo

Mit den Charlotte Hornets griff dann ausgerechnet das Team zu, mit dessen Besitzer - kein geringerer als Michael Jordan - sich Papa Ball das ein oder andere Mal angelegt hat. Der Großmaul-Papa behauptete gar, dass er "His Airness" locker im Eins-gegen-Eins besiegt hätte.

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Doch trotz der Querelen haben sich die Hornets für seinen Sprössling entschieden. US-Medien berichten sogar, dass dieser Pick der ausdrückliche Wunsch von Jordan war, sollte Ball an Position drei noch verfügbar sein.

Michael Jordan wollte Ball

Und auch LaMelo selbst scheint begeistert zu sein, für das Team des NBA-GOAT zu spielen.

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"Das ist ein echter Segen, wirklich. Ich haben keine Worte dafür", sagte er nach dem Draft: "Ich fühle mich definitiv großartig, dass ich bis zu den Hornets gefallen bin. Was auch immer passiert, ich habe das Gefühl, dass es Gottes Plan ist. Wo auch immer er mich hinbringen wollte, dorthin hat er mich gebracht, und ich habe das Gefühl, dass er mich dort aufblühen lassen wird", verkündete der 19-Jährige.

LaMelo Ball ist gewiss die spannendste Personalie im diesjährigen Draft. Vor allem Papa LaVar, der die Karriere seiner drei Söhne bereits seit deren Geburt akribisch plante, dürfte zufrieden sein, zumal er die Warriors im Vorfeld als schlechten Fit angesehen hatte.

Zwei Söhne in der NBA

Mit seinem ersten Sohn Lonzo, 2017 an Position zwei von den Lakers gedraftet, inzwischen aber zu den Pelicans weiter getradet wurde, und nun LaMelo hat er als erster Papa nun zwei Söhne in die Top 5 der jeweiligen Drafts in der besten Basketball-Liga der Welt gebracht.

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Und auch bei den Hornets dürfte man begeistert sein. Zwar gehört die Franchise Michael Jordan, ansonsten versprüht das Team aber nicht allzu viel Glamour.

Der Rummel rund um die Ball-Familie, deren Label "Big Baller Brand" und die familieneigene Facebook-Soap mit mehreren Staffeln dürften da also eine willkommene Abwechslung sein, auch wenn die Verantwortlichen das wohl nicht zugeben würden.

Ball wird unterhalten - neben und auf dem Feld. Denn auch sportlich wird Ball dem Vorjahreszehnten des Ostens, der nur vier Siege mehr als Cleveland als Letzter erringen konnte, weiterbringen.

Die Playoffs erreichten die Hornets zuletzt 2016, die zweite Runde sahen die Fans in Charlotte 2002 zum letzten Mal.

"Er ist ein sehr junger, talentierter Spieler, der die Art von Tempo spielt, die wir gerne spielen", sagte Mitch Kupchak, General Manager der Hornets: "Er hat ein gewisses Flair in seinem Spiel, das Unterhaltung bietet, vielleicht mehr als einige andere Spieler. Aber das ist nicht der Grund, warum wir ihn ausgewählt haben. Wir haben ihn wegen seiner Größe und der Art und Weise, wie er mit dem Ball umgehen kann, ausgewählt''.

Schwächen in der Defense

Der 19-Jährige gehört zu den kreativsten Spielern des Drafts und gilt als talentiertester des Ball-Clans. Er kann Verteidigungen lesen. Er hat Länge und eine gute Ballbehandlung.

Ball hat verschiedene Scoring-Möglichkeiten im Arsenal, aber auch das Potenzial, einer der besten Passer zu werden.

Jedoch: In der Verteidigung ist er keine Hilfe, hier muss Ball ansetzen, um auf Dauer wirklich imponieren zu können. Eine weitere Baustelle ist sein Wurf. Zum einen seine Auswahl, zum anderen seine Bewegung. "Der Sprungwurf ist kaputt und muss zerstört und von Grund auf neu aufgebaut werden", ist bei einer Analyse auf nba.com zu lesen.

Ball kann zwar aus allen Lagen treffen, macht das aber viel zu selten. Im vergangenen Jahr verwandelte er in der NBL gerade einmal 24 Prozent seiner Dreier. Balls ungewöhnlicher Weg in die NBA ist ein Grund, warum sich die Geister an ihm bisweilen scheiden - und die wirkliche Qualität des Rookies schwer einzuschätzen ist.

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ESPN schreibt gar vom "größten Mysterium des Basketballs", denn im Gegensatz zum Großteil der anderen Draft-Teilnehmern hat er keine Ausbildung an einem US-College hinter sich.

Im Alter von 15 Jahren glänzte LaMelo mit einer 92-Punkte-Gala, dann nahm ihn sein Vater von der High School, um ihn in Litauen zum Profi zu formen. Erfolg hatte das Projekt im Osten Europas nicht. Weil er im Anschluss für die US-College-Liga NCAA nicht mehr zugelassen wurde, versuchte er sich unter anderem in der Junior Basketball Association, ehe er 2019 nach Australien geschickt wurde.

Dort sammelte er für die Illawarra Hawks Erfahrung als Profi, 17,5 Punkte, 7,5 Rebounds und 7 Assists legte Ball in der NBL.

LaMelo beeindruckt mit Insta-Followern

Und auch in Sachen Social Media hat LaMelo Erfahrung. Bei Instagram folgen ihm 5,7 Millionen Menschen.

Zum Vergleich: Nummer-1-Pick Anthony Edwards ist mit gut 250.000 noch weit entfernt. Ball bewegt sich in Sphären wie Jimmy Butler (5,9 Millionen), der mit den Miami Heat in den diesjährigen NBA-Finals spielte, und Fußball-Nationalspieler Leroy Sané (5,7 Millionen).

Der 19-Jährige bringt eine Social-Media-Fangemeinde, Hype und eine bekannte Familie mit, von der er sich lösen muss - und will. "Ich bin mein eigener Mann", machte Ball zuletzt klar, als er auf seinen Vater angesprochen wurde: "Er hat seine Meinung und ich habe meine."

Sein Star-Potenzial kann er nur wirklich realisieren, wenn er sich bei Hornets-Coach James Borrego seine Sporen verdient und weiter an sich arbeitet. 

Sorgen darüber dürfte sich Melo aber nicht machen. "Zu wenig Selbstvertrauen hatte ich noch nie", tönte er erst kürzlich in diverse Kameras. Kann er also Charlotte, eine eher graue Maus im NBA-Alltag, zum Funkeln bringen und der Franchise-Spieler werden?

"Ja, ich meine, auf jeden Fall. Ich habe das Gefühl, dass ich da rausgehen und Basketball spielen kann. Ich habe das Gefühl, dass ich dafür geboren wurde."

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