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München - Der Tod seiner Mutter durch Corona war für Karl-Anthony Towns nur der Auftakt zu einem Horror-Jahr. Eine unglaubliche Serie von Todesfällen trifft den NBA-Star.

Eigentlich sollte Karl-Anthony Towns elektrisiert sein angesichts des bald anstehenden Saisonstarts in der NBA (22. Dezember).

Der 25-Jährige ist einer besten jungen Big Man der Liga, eines dieser "Einhörner", die am Brett dominieren und den Dreier treffen, seine Minnesota Timberwolves waren in der Corona-Bubble nicht dabei. (SERVICE: NBA-Spielplan)

Doch Towns fiebert dem persönlichen NBA-Start am Heiligabend nicht entgegen, obwohl es sein erstes NBA-Spiel nach zehn Monaten Zwangspause sein wird. Towns trauert, denn durch Corona erlitt er eine unglaubliche Serie von Schicksalsschlägen.

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Mama Towns und sechs weitere Familienmitglieder tot

"Ich habe viel durchgemacht, angefangen mit meiner Mutter", sagte Towns in einer Media-Session am Freitag: "Erst gestern habe ich einen Anruf bekommen, dass mein Onkel gestorben ist."

Am 13. April starb Mutter Jacqueline Cruz-Towns, rund zwei Wochen, nachdem sie wegen einer Corona-Infektion an eine Beatmungsgerät angeschlossen werden musste. Insgesamt gab es in seiner erweiterten Familie unglaubliche sieben Tote nach Komplikationen mit COVID-19. Sein Vater Karl senior hatte sich ebenfalls angesteckt, erholte sich aber von der Infektion.

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Towns: "Habe viele Särge gesehen"

"Ich habe viele Särge gesehen in den letzten sieben Monaten“, erzählte Towns: "Viele Menschen aus meiner Familie haben COVID bekommen. Ich suche immer noch nach Antworten, um herauszufinden, wie ich dafür sorgen kann, dass sie gesund bleiben. Ich fühle eine riesige Verantwortung, meine Familie zu informieren und alles Nötige zu tun, damit sie am Leben bleiben."

Es sind dramatische Worte des NBA-Stars, die eben aber auch zeigen, wie dramatisch die Corona-Lage in den USA ist  - und wie unerträglich für Opfer und Angehörige die Tatsache ist, dass in den Staaten wie auch hierzulange die Pandemie von Teilen der Bevölkerung geleugnet oder ignoriert wird.

281.000 Tote verzeichnen die USA mittlerweile, über 14,6 Millionen Infizierte.

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Emotionales Video von Towns

Die Erkrankung seiner Mutter hatte Towns seinerzeit mit einem emotionalen Video öffentlich gemacht, seither postet er immer wieder Updates, in denen er Einblick in sein Seelenleben gibt, sich öffnet und berichtet, wie schwer ihn der Tod der wichtigsten Person in seinem Leben getroffen hat. Er wolle damit helfen, dass Menschen verstehen, wie schlimm das Virus ist, wie real.

"Ich wollte es anderen Menschen ersparen, sich so zu fühlen, wie ich mich gefühlt habe. Diese Tortur, durch die ich gegangen bin. Andere Menschen sollten sich nicht so einsam und traurig fühlen, wie ich mich fühle", erklärte der NBA-Star, auch wenn diese bedeutete, dass er sich so verwundbar zeigen musste, wie nie zuvor.

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NBA-Rückkehr wird hart für den Wolves-Star

Sein Leben habe ihn abgehärtet, sagt Towns, und auch demütig gemacht. (SERVICE: Alle News zur NBA)

Aus seinem Team, vor allem von Guard D’Angelo Russell, habe er viel Unterstützung bekommen, viel Zuspruch. Trotzdem ist die Rückkehr aufs Parkett, genau wie der nahende Neustart, für Towns nicht etwa die Erlösung, die große Erleichterung, wie man es vielleicht denken könnte.

Denn auch wenn er damit ein Stück seines Alltags zurückbekommt, ist eben auch gerade Basketball etwas, das ihn enorm mit seiner Mutter verbunden hat.

"Mir ging es nie gut, seit sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Es wird mit jedem Tag schlimmer und schlimmer", berichtete der Wolves-Star: "Und während ich immer mehr Menschen verlieren, kommt jetzt die Saison um die Ecke."

Mutter bei fast jedem Spiel

Kaum ein Spiel ihres Sohnes verpasste Jacqueline Cruz-Towns. "Ich habe immer ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, wenn ich sie an der Baseline oder auf der Tribüne gesehen habe, wie sie ihren Spaß dabei hatte, mich spielen zu sehen", berichtete er: "Ich spiele dieses Spiel noch lieber, weil ich es liebe, wenn meine Familie mir dabei zusieht.“

Das macht ihm die Rückkehr zu seinem geliebten Spiel aber noch schwerer: "Es wird hart, wieder zu spielen. Es ist schwer, das als eine Art Therapie zu bezeichnen. Basketball wird glaube ich nie eine Therapie für mich sein. Aber es gibt mir die Chance, mich an schöne Momente zu erinnern."

Wie wird Towns diese brutalen Schicksalsschläge jetzt wegstecken? Wie präsentiert sich der aufstrebende Star, dem man die letzten Jahre trotz seines riesigen Talents immer wieder vorwarf, dass er die nötige Ernsthaftigkeit vermissen lässt?

Teamkollege Russell ist sicher, dass man kommende Saison einen anderen KAT sehen wird. "Ich denke, er wird ein Killer sein", meint der Wolves-Guard: "Sein Einsatz wird ein ganz anderer sein."

Es wäre Towns zu wünschen, dass er auf dem NBA-Parkett im Gedenken an seine Mutter doch aus dem Loch findet, in das er durch die unglaublichen Corona-Leiden gefallen ist.

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