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Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs ist der neue Shootingstar der NFL
Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs ist der neue Shootingstar der NFL © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock
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München - Patrick Mahomes ist der neue NFL-Shootingstar. Sein Markenzeichen sind knallharte Pässe. Dabei wäre der Quarterback der Kansas City Chiefs fast in der MLB gelandet.

Super-Bowl-Rekordchampion Tom Brady? Top-Verdiener Aaron Rodgers? Weit gefehlt. Der heißeste Quarterback der noch jungen NFL-Saison heißt Patrick Mahomes.

Patrick wer? Der 23-Jährige war bislang eher Football-Insidern ein Begriff. Um das zu ändern, brauchte Mahomes allerdings nur zwei Saisonspiele mit sage und schreibe zehn Touchdown-Pässen.

Besser als Mahomes ist noch nie ein Spielmacher in eine NFL-Saison gestartet. Macht das neue Quarterback-Wunder so weiter, könnte er Brady und Co. im Eiltempo beerben.

Großes Talent für Baseball

Dabei wäre Mahomes um ein Haar gar kein Footballer, sondern ein Profi in einer anderen Sportart geworden: Baseball. Denn sein Vater ist der frühere Baseball-Profi Pat Mahomes, der seine Pitcher-Gene offenbar vererbt hat.

Mahomes junior wurde von Profi-Teams gescouted, nachdem er die High School abgeschlossen hatte - ihm sollen sogar 1,6 Millionen Dollar geboten worden sein. Kein Wunder: Die Bälle des jungen Mannes zischten damals mit bis zu 150 km/h durch die Luft.

Mit dem heutigen MLB-Profi Michael Kopech, Pitcher der Chicago White Sox, lieferte er sich einst ein heißes Duell in einem Playoff-Spiel: Kopech lieferte eine überragende Partie ab, doch Mahomes gelang ein No-Hitter - das heißt, er ließ in dem Spiel keinen gültigen Schlag des Gegners zu.

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MLB-Profi: "Mahomes ist ein Tier"

Kopech ist sich sicher, dass Mahomes auch in der MLB erfolgreich gewesen wäre. "Wir wären sehr ähnliche Pitcher heute. Er war einfach ein Tier. Jeder, der jemals mit oder gegen Patrick gespielt hat, würde annehmen, dass er ein Profi in jedem Sport wäre, den er spielt", sagte Kopech bei MLB.com.

Tatsächlich war Mahomes nämlich nicht nur im Football und Baseball herausragend, sondern auch ein exzellenter Basketball-Spieler. In seiner Zeit auf der Whitehouse High School kam er im Schnitt auf 19 Punkte und acht Rebounds.

Sein Athletik-Coach hatte keinen Zweifel daran, dass Mahomes das Zeug dazu hätte, in der Division I - der höchsten College-Spielklasse - zu spielen.

Erst als Sophomore im College an der Texas Tech entschied sich Mahomes schließlich für eine Football-Karriere als Quarterback. Zuvor war Mahomes sogar beim MLB-Draft 2014 von den Detroit Tigers gedraftet worden, unterschrieb allerdings nicht.

Mahomes-Pässe unfassbar schnell

Nach drei erfolgreichen College-Jahren zählte Mahomes im Draft des Vorjahres zu den begehrtesten Youngstern: Beim Show-Training der Rookies, dem Combine, feuerte er Würfe mit fast 100 km/h über den Rasen.

Noch nie zuvor waren beim Combine so schnelle Pässe gemessen worden. Mit dem zehnten Pick schnappten schließlich die Kansas City Chiefs zu.

Danach kam seine Karriere allerdings etwas ins Stocken: Seine knallharten Würfe brachten Mahomes zwar den Beinamen "Cannon Arm" ein, jedoch keinen Startplatz bei den Chiefs. An Routinier Alex Smith war in Kansas City kein Vorbeikommen.

Oder genauer gesagt: Weil Smith zuverlässig lieferte, verzichtete Coach Andy Reid bewusst auf seine neue Waffe, um Mahomes nicht zu verheizen und ihn behutsam ans NFL-Level heranzuführen.

Abgang von Smith entscheidend

Nach Smith' Abgang zu den Washington Redskins war der Weg für den "Kanonen-Arm" dann aber frei. Und Mahomes explodierte.

"Er (Coach Reid, Anm. d. Red.) hat mich darauf vorbereitet, rauszugehen und schnell zu spielen. Wenn man in diesem System schnell spielen kann, hat man Vorteile gegenüber der Defense", gab sich der Shootingstar nach seinen Rekord-Auftritten bescheiden.

Dabei hat der 23-Jährige die NFL in nur einer Woche erschüttert. Die irren Zahlen seiner ersten beiden Spiele auf der größten Football-Bühne der Welt: zehn Touchdowns, 582 Yards (10,6 Yards pro Wurf) - und keine einzige Interception.

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Auftakt mit Höhen und Tiefen

Beim Saisonauftakt gegen die Los Angeles Chargers durchlebte der Shootingstar noch Höhen und Tiefen, kam zwar auf 256 Pass-Yards und vier Touchdown-Pässe, verfehlte aber auch bei zwölf von 27 Zuspielen seine Mitspieler. Trotzdem siegten die Chiefs souverän mit 38:28.

Im ersten Auswärtsspiel seiner Karriere in Pittsburgh drehte Mahomes dann auf: Mit sechs Touchdowns führte das Super-Talent die Chiefs einen Tag vor seinem 23. Geburtstag zum Sieg im wilden 42:37-Shootout.

Sechs Touchdowns in einem Spiel waren in so jungen Jahren noch keinem anderen Quarterback gelungen. Rodgers schaffte dieses Kunststück erst mit 28 Jahren, Brady war sogar schon 30.

Nach dem Spiel gratulierte Steelers-Quarterback Ben Roethlisberger dem Chiefs-Spielmacher zu seiner überragenden Leistung
Nach dem Spiel gratulierte Steelers-Quarterback Ben Roethlisberger dem Chiefs-Spielmacher zu seiner überragenden Leistung © Getty Images

"Es ist verrückt. Er ist so ruhig. Er realisiert gar nicht, was er gerade getan hat", jubelte Mahomes' Vater im Anschluss an das Rekordspiel seines Sohnes: "Er denkt an so ein Zeug gar nicht. Er denkt nicht daran, im Heinz Field gegen Ben Roethlisberger zu spielen. Er geht raus und spielt Football."

Chiefs steigen zum Geheimfavoriten auf

Mit seiner Athletik, Coolness, Explosivität und Risikobereitschaft ist der Chiefs-Spielmacher auf dem besten Weg, das Quarterback-Spiel in der NFL zu revolutionieren - und macht Kansas City ganz nebenbei zum Geheimfavoriten auf den Titel.

Denn Mahomes ist in seinem Team keineswegs der Alleinunterhalter. Der Sophomore hat jede Menge Mitspieler um sich, die seine raketenhaften Anspiele auch zu verwerten wissen: Receiver Tyreek Hill hat nach den ersten beiden Wochen schon vier Touchdowns auf dem Konto, Tight End Travis Kelce griff allein gegen Pittsburgh zweimal in der Endzone zu.

Dazu kann Running Back Kareem Hunt, in seiner Rookie-Saison im Vorjahr der große Shootingstar der Chiefs, sowohl aus dem Backfield Abwehrreihen auseinandernehmen, als auch als Passempfänger eingesetzt werden.

"Unsere Möglichkeiten sind schier endlos", weiß auch der umjubelte Mahomes selbst - und schickt damit indirekt eine Kampfansage an die staunende Konkurrenz.

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