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Antonio Brown
Antonio Brown wird nie auch nur einen Snap für die Oakland Raiders bestreiten © Getty Images
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München - Antonio Brown erreicht sein Ziel - die Raiders geben entnervt auf und entlassen den Superstar. Die Patriots schlagen direkt zu - kein Ruhmesblatt für den Champion.

Die NFL musste erst 100 Jahre alt werden, um so eine Farce zu erleben.

Monatelang führte Superstar Antonio Brown die Oakland Raiders an der Nase herum, ehe er schließlich seine Entlassung provozierte und zum Dank für sein Benehmen gefühlt nur Minuten danach einen Millionen-Vertrag von den New England Patriots hinterhergeschmissen bekam.

Es zeigt einmal mehr, dass im Spitzensport offenbar kein Platz mehr für Moral oder Integrität ist, der Imageschaden für Brown, die Patriots, die Raiders und letztlich auch die NFL ist enorm. Und das in einer Liga, in der auch Kinder- und Frauenschläger immer wieder neue Chancen bekommen - trotz des immer gern propagierten Verhaltenskodex.

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Dem Mann mit dem größten Ego der Liga ist das egal, Brown twitterte kurz darauf "God's Plan", natürlich brachte ihn Gott dazu, sich derart verantwortungslos aufzuführen, nur damit er bei den Patriots landet und den Super Bowl gewinnen kann.

Antonio Brown 2019 - Der Wahnsinn in Person

Natürlich gibt es in der NFL seit jeher schillernde Charaktere, die sich auch mal bei Fans, Coaches und Mitspielern unbeliebt machen, natürlich braucht es speziell im Football auch außergewöhnliche Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, um es bis an die Spitze zu schaffen.

Die Nummer, die Brown jedoch in diesem Jahr abgezogen hat, erreicht eine ganz neue "Qualität".

Erst nervt er die Pittsburgh Steelers so lange, bis ihn sein langjähriges Team frustriert nach Oakland verscherbelt, dann holt er sich in einer Kältekammer Erfrierungen an den Füßen, dann streikt er wegen seines Helms, postet eine schriftliche Geldstrafe bei Instagram, droht dem General Manager beim Training Prügel an, nur um sich einen Tag später unter Tränen zu entschuldigen und wiederum einen Tag später seine Entlassung zu fordern.

"Er wollte nicht hier sein, bei allen anderen hier steht das Team an erster Stelle. Wenn du diese Mentalität nicht besitzt, wird es nicht funktionieren", sagte Linebacker und Kapitän Tahir Whitehead.

So sahen die Füße von Antonio Brown nach dem Kryo-Fail aus
So sahen die Füße von Antonio Brown nach dem Kryo-Fail aus © Instagram @ab

Raiders ratlos: "Haben alles probiert"

Am Freitag hatten Whitehead und einige Mitspieler Brown noch demonstrativ den Rücken gestärkt, ehe es aufgrund der nächsten Geldstrafe zur finalen Eskalation kam.

"Wir haben einfach alles ausgeschöpft. Wir haben wirklich alles mögliche probiert versucht, um es hinzukriegen. Ich werde nur eins dazu sagen: es ist enttäuschend. Ich habe mich wirklich darauf gefreut, ihn zu coachen, aber das wird nicht passieren", sagte Raiders-Coach Jon Gruden.

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Der Standpunkt der Raiders ist nachvollziehbar. Zwar war Brown in jüngster Vergangenheit von einem Musterprofi, der sich als Sechstrundenpick 2010 nach oben gearbeitet hatte, zu einem exzentrischen Star mutiert. Seine sportliche Qualität - sieben Pro Bowls, viermal in Folge First Team All-Pro, sechs Jahre in Folge über 100 Receptions - stand aber nie zur Diskussion.

Kryptischer Tweet sorgt für Kopfschütteln

Für ein Team mit frischem Wind unter GM Mike Mayock, Gruden und dem bevorstehenden Umzug nach Las Vegas war Brown das ideale Target. Schließlich gelten die Raiders ja ein wenig als die unkonventionellen Bad Boys der NFL - auch nach dem Tod ihres legendären Eigentümers Al Davis, der immer für Spektakel jeder Art zu haben war.

Brown wollte sich aber nie integrieren, deutete in einem Tweet am Samstag sogar an, er hätte sich nicht gewollt gefühlt. "Das Kind, dass von seinem Dorf nicht mit offenen Armen empfangen wird, wird es niederbrennen, um seine Wärme zu spüren", schrieb er.

Running Back Jalen Richard konnte darüber nur den Kopf schütteln: "Ich habe keine Worte dafür. Das Team hat alles getan."

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Patriots: Gewinnen um jeden Preis

Dass die Patriots ihn kurz darauf unter Vertrag nehmen, ist zum einen kein Ruhmesblatt für den Super-Bowl-Champion, der ja schon häufiger gezeigt hat, dass Gewinnen um jeden Preis - auch manchmal jenseits der Regeln - keine Floskel ist.

Zum anderen entsteht zumindest die Vermutung, Brown könnte diesen Zirkus bewusst inszeniert haben, um seine Entlassung zu provozieren und zu den Pats zu wechseln. Gegen die Steelers darf er in Woche 1 übrigens noch nicht spielen, es wäre die perfekte Pointe dieser Geschichte gewesen. Den Patriots wird es egal sein.

Auch wenn die Fälle damals etwas anders lagen, hat Bill Belichick über die Jahre immer wieder Problemfälle geholt und Topleistungen aus ihnen herausgequetscht: Randy Moss 2007 (auch von den Raiders), Corey Dillon 2004 oder auch Josh Gordon 2018.

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"Patriot Way" ad absurdum geführt

Brown könnte für die Trainerlegende aber die größte Herausforderung schlechthin werden. Dass aber offenbar ín Foxboro nicht der kleinste Zweifel bestand, einen Spieler zu holen, der seinem alten Team immer wieder in den Hintern getreten hat und nur an sich selbst denkt, lässt am immer propagierten "Patriot Way" ohne Mätzchen und Team first zweifeln.

Wenn jemand genug Talent hat, schmeißen wir ihm neun Millionen Singning Bonus in den Rachen, wenn er uns wie Moss und Dillon zum nächsten Super Bowl verhilft.

Diese Botschaft von Brown und den Patriots ist eindeutig - und eine Schande.

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