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Schon fast traditionell steht in der NFL zu Saisonbeginn die Regelauslegung in der Kritik. Diesmal ist es das Roughing the Passer, was die Gemüter erzürnt.

Und täglich grüßt das Murmeltier!

Wie jedes Jahr stehen auch in diesem Jahr zu Saisonbeginn die Referees und ihre Regelauslegungen wieder besonders im Fokus. Naturgemäß hat ein Schiedsrichter immer die Hälfte der Fans gegen sich bei seinen Entscheidungen. In diesem Jahr scheint der Unmut über die Entscheidungen aber teamübergreifend vorzuherrschen.

Vor allem die zu strenge Regelauslegung der Unparteiischen stößt allen Beteiligten immer wieder auf. Dabei könnte man sagen, die Männer in Schwarz und Weiß machen nur ihren Job.

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Anstieg von Holding-Calls um 66 Prozent

An den ersten beiden Spieltagen hat ESPN bereits 178 Flaggen für Holding gezählt. Das sind 66 Prozent mehr Calls als in den ersten beiden Wochen der Vorsaison. Tom Brady hat zu Holding seine eigene Meinung.

"Natürlich gibt es Holding in der NFL. Das ist die Art, wie wir spielen. Wir halten den Gegner. Es geht nur darum, ob es gepfiffen wird oder nicht. Wenn sie es pfeifen, dann muss man halt im nächsten Play etwas weniger halten. Aber das ist die Art zu blocken. Man hält. Sie halten, wir halten", gab der Quarterback bereits im Dezember 2018 nach der 10:17-Niederlage gegen die Pittsburgh Steelers zu Protokoll. Damals hatten die Patriots 14 Strafen für 106 Yards bekommen.

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Wahrscheinlich wird sich seine Meinung in den ersten Wochen der neuen Saison nicht grundlegend geändert haben. Allerdings kann man den Umpires keine Vorwürfe machen. Die NFL hatte die Holding-Regeln zu dieser Saison geändert und die Unparteiischen müssen diese nun umsetzen.

Soft Calls bei "Roughing the Passer"

Ein viel größeres Problem scheint es beim "Roughing the Passer" zu geben. Dort gab es keine Regeländerung, die Referees wurden lediglich dazu angehalten, genauer hinzuschauen, um die Quarterbacks zu schützen.

Dass die NFL ihre Quarterbacks schützen will, ist nichts Neues. Immerhin sind die Spielmacher die Zugpferde der Liga und haben das größte Star-Potenzial. Eine aktuelle Umfrage von The Daily unter Ligafunktionären und anderen Experten stützt diese Annahme. Demnach sind sechs der zehn am besten zu vermarktenden Spieler Quarterbacks. Ganz oben steht Tom Brady, dicht gefolgt von Star-Quarterback Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs.

Daher verwundert es nicht, dass die NFL ihre Schiedsrichter nochmal explizit auf den Schutz der Quarterbacks hingewiesen hat. Was aber aktuell mit Flaggen bestraft wird, erzürnt nicht nur die Verteidiger, sondern lässt auch die Quarterbacks selbst ratlos zurück.

Brady lästert per Twitter

Niemand Geringeres als Brady selbst ließ beim Thursday Night Game der Tennessee Titants bei den Jacksonville Jaguars seinem Frust per Twitter freien Lauf. Eine "Roughing the Passer"-Strafe gegen Titans-Linebacker Kamalei Correa kommentierte der Superstar mit "Viel zu viele Strafen. Lasst uns spielen." Wenige Minuten später ergänzte er: "Ich schalte jetzt aus, ich kann diese lächerlichen Strafen nicht mehr sehen."

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Auch Jamal Adams von den New York Jets verstand die Welt nicht mehr. Adams hatte Baker Mayfield zwar erst erreicht, kurz nachdem dieser den Ball weggeworfen hatte, und ihn dann mit einem Rempler zu Boden geschickt. Da es sich aber nicht um einen rüden Hit handelte, war die Strafe zumindest diskutabel.

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Der Safety hatte allerdings seine eigene Meinung dazu und beschwerte sich ebenfalls per Twitter über den aus seiner Sicht heraus völlig überzogenen Pfiff - von den 21.000 Dollar Strafe ganz zu schweigen. "Diese Liga ist ein verdammter Witz!"

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In Woche zwei sorgte auch der Hit von Denvers Bradley Chubb gegen Bears-Quarterback Mitchell Trubisky für Verwunderung. Für einen "normalen" Sack kassierte Chubb ebenfalls eine Strafe, obwohl er Trubisky weder am Kopf/Nacken noch an den Beinen attackiert hatte. Er landete lediglich beim Tackle auf ihm, aber auch dieser sogenannte "Drive" auf den Boden wird immer häufiger gepfiffen.

Referees ermahnen McMillan nach regulärem Hit

Auch Brady war schon in so eine diskutable Situation involviert. Gegen die Miami Dolphins soll die Referee-Crew um Bill Vinovich den Dolphins-Linebacker Raekwon McMillan ermahnt haben, Tom Brady nicht zu attackieren. "Tom hat nichts gesagt, aber die Referees sagten, 'Bleib weg von Tom'. Ich habe die Hände hochgehoben und gesagt, dass ich sie verstanden habe", sagte McMillan nach dem Spiel.

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Allerdings ging dem kurzen Dialog kein "Roughing the Passer" voraus, sondern ein legaler Hit. Es ist also nur ein weiteres Beispiel dafür, wie besorgt die NFL um ihre Zugpferde ist.

Ausfall von drei Top-Quarterbacks

Wenn man die Verletzungen von Drew Brees und Ben Roethlisberger berücksichtigt, kann man diese Besorgnis sogar verstehen.

An einem Wochenende fallen gleich zwei Superstars der Liga langfristig aus. Für den Quarterback der New Orleans Saints steht eine Pause von mindestens sechs Wochen an. Für den Passgeber der Steelers ist die Saison sogar schon beendet.

Zusammen mit Nick Foles, der nach einem Schlüsselbeinbruch ebenfalls mehrere Wochen ausfällt, fehlen damit schon drei Top-Quarterbacks. Die Crux an der Sache: Keine der drei Verletzungen war ein "Roughing the Passer" und beweisen daher nicht die Richtigkeit der engen Auslegung der Regel durch die Referees.

Football ist Vollkontaktsport

Sie zeigen lediglich das, was eigentlich schon alle wissen: Football ist ein Vollkontaktsport, bei dem Verletzungen leider dazugehören. Die Quarterbacks sind davon nicht ausgenommen.

Aber genau diese Athletik und Power auf dem Spielfeld ist es, was Fans weltweit an der NFL fasziniert. Die Liga steckt in einem Dilemma.

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