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Miami - Tyreek Hill ist ein großer Hoffnungsträger für die Kansas City Chiefs im Super Bowl. In Miami tritt er charmant auf, aber er hat eine gewalttätige Vergangenheit.

In Miami zeigt Tyreek Hill seine charmante Seite.

Der Receiver-Star der Kansas City Chiefs lacht viel, scherzt mit Journalisten, nimmt sich Zeit für Kinder-Reporter oder liefert sich einen lustigen Trash Talk mit Richard Sherman von den San Francisco 49ers.

Der 25-Jährige ist zudem mit seiner unfassbaren Schnelligkeit ein heißer MVP-Kandidat für den Super Bowl am Sonntag, aber Hill schafft es nicht, seine dunkle Seite vergessen zu machen. (NFL: Super Bowl zwischen Kansas City Chiefs und San Francisco 49ers am 3. Februar ab 0.30 Uhr LIVE)

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Denn es gibt eben auch den anderen Tyreek Hill, der letztlich auch für ein großes Dilemma der NFL sorgt.

Hill vor Gigantenduell im Super Bowl mit Sherman

Aufgrund von Verletzungen konnte Hill in dieser Saison nur zwölf Spiele bestreiten und kam deshalb nicht an seine großartigen Zahlen von 2018 heran, aber Hill ist die vielleicht größte Big-Play-Waffe der NFL.

Neben der Effizienz von Quarterback Patrick Mahomes bei langen Pässen (20 oder mehr geworfene Yards) ist das die einzige kleine Schwäche der so starken 49ers-Defense. Gegen lange Pässe sind sie nur Durchschnitt und genau das macht Hill so gefährlich.

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Es könnte ein episches Duell mit Richard Sherman von den 49ers werden. "Wir sind sehr explosiv, er ist ein großer Anführer und hat den Super Bowl gewonnen. Ich kann die Herausforderung kaum erwarten", sagte Hill im Teamhotel.

Hill macht alles richtig - jetzt

Er sagt dieser Tage ohnehin die richtigen Dinge. Mahomes sei ein großer Anführer, die 49ers haben eine großartige Defense, ich bin für alle Fragen bereit, ich weiß, es ist ein Privileg hier zu sein und so weiter und so weiter.

Es ist nicht zu durchschauen, ob ihm klar ist, dass seine Karriere auch ganz anders hätte laufen können, oder ob er nur das macht, was die Chiefs von ihm verlangen, um ihre Investition zu schützen.

Denn Hill ist beileibe kein Engel. Die Chiefs standen nach dem Draft 2016 schwer in der Kritik, als sie ihn in der fünften Runde auswählten, obwohl er bei seinem College Oklahoma State rausgeflogen war.

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Schwere Misshandlung einer schwangeren Frau

Er hatte seine schwangere Freundin damals schwer misshandelt, ins Gesicht und in den Magen geschlagen, sich auf sie gesetzt und sie gewürgt.

Der inzwischen viermalige Pro Bowler bekannte sich schuldig und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Frau blieb bei ihm und bekam einen Sohn, Hill schien geläutert, aber im März 2019 kam es zum nächsten Skandal.

Hill wurde Kindesmisshandlung vorgeworfen. Er war zumindest daran beteiligt, dass sich sein Sohn den Arm brach, aus Mangel an Beweisen wurde das Verfahren eingestellt. Nach kurzer Zeit kam das Kind wieder zu seinen Eltern, obwohl inzwischen ein Tonmitschnitt aufgetaucht war, der Hill zusätzlich belastete.

NFL stellt Ermittlungen ein

Darin erklärte ihm die Mutter, der Sohn habe Angst vor ihm, woraufhin Hill antwortete: "du solltest auch vor mir Angst haben, Sch…".

Im Juli veröffentlichte die NFL ein Statement, dass es schlicht keine Beweise gäbe, dass Hill gegen die Verhaltensregeln verstoßen habe. Nach dem verpatzten Fall Ray Rice die nächste peinliche Aktion der NFL, die zum Beispiel kein Problem damit hat, Antonio Brown praktisch auszuschließen, für Anschuldigungen, die noch nicht bewiesen sind - von Colin Kaepernick ganz zu schweigen.

Auch die Chiefs bekleckern sich nicht mit Ruhm, gaben sie doch Hill kurz nach der Entscheidung der NFL, ihn nicht aus dem Verkehr zu ziehen, einen neuen 54-Millionen-Dollar-Vertrag.

Das Dilemma mit privaten Problemen

Dabei zeigt sich einmal mehr die Überforderung der Liga unter Commissioner Roger Goodell. Man will einerseits einen Ehrenkodex, den keine andere Sportliga besitzt (siehe Fußballer und ihre privaten Eskapaden). Andererseits gibt es aber so komplexe Fälle, die selbst juristisch nicht völlig zufriedenstellend geklärt werden können, wie will das eine Organisation wie die NFL dann schaffen?

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Der Fall Hill zeigt die Zwiespältigkeit: soll man jemanden für seine Genialität in seinem Beruf feiern, weil einen die Privatsachen nichts angehen, oder muss man eine öffentliche Person an all ihren Taten messen und dann auch die sportliche Leistung mit anderen Augen sehen? Nicht zuletzt die Nachrufe auf Kobe Bryant verdeutlichen dieses Dilemma.

Tyreek Hill wird am Sonntag spielen und vielleicht zum Helden, der Kansas City die erste Meisterschaft seit 50 Jahren bringt, ein Beigeschmack würde bleiben.

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