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Cam Newton (M.) ist Tom Bradys Nachfolger als Quarterback der New England Patriots
Cam Newton (M.) ist Tom Bradys Nachfolger als Quarterback der New England Patriots © Getty Images
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München - Nach dem Ende der Ära von Tom Brady gibt es bei den New England Patriots viel Ungewissheit. Auch an Cam Newton als neuem Hoffnungsträger gibt es Zweifel.

Beste Stimmung trotz des großen Umbruchs bei den New England Patriots: Wenige Tage vor dem Start der neuen NFL-Saison mit der Partie gegen die Miami Dolphins sind sowohl Headcoach Bill Belichick als auch die Spieler überall bemüht, den starken Zusammenhalt und den Spaß in Interviews und auf Bildern zu zeigen.

Dabei hat sich vieles bei dem ehemaligen Serienmeister verändert - und so begleiten auch einige Fragezeichen das Team. 

Nach der Ära von Superstar Tom Brady, nach 19 Jahren aus Foxborough abgewandert zu den Tampa Bay Buccaneers, ist vieles neu. Vor allem ein Mann - der Brady-Erbe - steht im Fokus: Cam Newton.

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Letzte NFL-Chance für Cam Newton?

Es ist nach acht Spielzeiten bei den Carolina Panthers und zuletzt dürftigen Leistungen wohl seine letzte Chance in der Liga. Mit 31 Jahren kommt er langsam ins fortgeschrittene Sportler-Alter, und vor allem der Körper hat nach neun Jahren in der Liga Verschleißerscheinungen.

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Es gibt also viele Zweifel am Hoffnungsträger - und auch Newton selbst gestand zuletzt, dass er vor seiner Unterschrift bei den Patriots Bedenken gehabt habe.

"Dieselben Fragen, die viele Leute, Talkshows und der Gossip beantwortet haben wollten, wollte ich auch beantwortet haben", erklärte er im Sportradio WEEI: "Ist es wahr, was sie über Belichick sagen? Wird es zu ...? ich wusste es nicht."

Inzwischen betrachtet er sein Engagement bei den Patriots jedoch als "Verbindung des Himmels", schließlich sei er "an einem Ort, wo alles in dieselbe Richtung zielt und alles aufs Gewinnen ausgerichtet ist".

Umgekehrt hat auch der neue Mann in den vergangenen Wochen Eindruck hinterlassen. "Niemand arbeitet härter als er", lobte Coach Belichick. Auch der deutsche Fullback Jakob Johnson ist beeindruckt. "Er bringt jeden Tag Energie mit und freut sich sehr, ein Teil dieses Teams zu sein."

Finanziell gehen die Patriots kein Risiko ein. Newton hat einen stark leistungsbezogenen Vertrag für ein Jahr, garantierte Summe sind nur 550.000 Dollar. Das Basisgehalt ist mit 1.050.000 Dollar dotiert. Newton reiht sich also in die Liste weiterer Billig-Deals bei den Patriots ein. Zum Vergleich: Patrick Mahomes kann bei den Kansas City Chief auf dieser Position rund 530 Millionen Euro in den kommenden zwölf Jahren verdienen.

Belichick macht Newton zum Kapitän

Seit dieser Woche ist Newton nun auch offiziell die Nummer eins auf seiner Spielmacherposition und wurde nach knapp einem Monat bereits zu einem der Teamkapitäne in der Offensive ernannt.

Dadurch ist eines klar: Die Patriots setzen auf den Neuzugang - und dadurch wird sich das Spiel in der Offensive grundlegend verändern. Die Türen für Kreativität sind aufgestoßen für die Patriots, denen es in der vergangenen Saison oft an Ideen mangelte und die sich zu sehr auf Bradys kurze Pässe verließen.

"Belichick und Offensive Coordinator Josh McDaniels werden ihren Plan voll auf Cam abstimmen und auch mit ihm erfolgreich sein, wenn er gesund bleibt. Aber der Angriff wird ganz anders aussehen. Davon könnte auch ein Running Back wie Damien Harris profitieren - mehr Raum wegen Cams Läufen", prognostiziert ein NFL-Scout im Gespräch mit SPORT1.

Denn Newton ist deutlich mobiler und öffnet neue Türen. 58 Rushing-Touchdowns stehen für den neuen Quarterback in seiner NFL-Karriere zu Buche, bei Brady sind es trotz zehn Jahren mehr in der Liga nur 22. 

Auch die 934 erlaufenen Yards während der Karriere des ehemals wertvollsten Spielers der Liga 2015 (MVP) sind deutlich stärker als die Zahlen des eher lauffaulen Brady.

Passt der Quarterback zu Edelman und White? 

Kurz gesagt: In den vergangenen acht Jahren bei den Panthers, mit denen er in der Saison 2016 bis in den Super Bowl gegen die Denver Broncos (10:24) kam, zeigte der Hoffnungsträger seine Stärken in ganz anderen Bereichen als sein Vorgänger - aber auch in New England unbekannte Schwächen.

"Cam hat große Genauigkeits-Schwächen bei Würfen auf Running Backs oder auf kürzere Routen - speziell im Vergleich zu Brady. Das war mit James White und Julian Edelman immer die große Stärke der vergangenen Jahre", erklärt der NFL-Scout. 

Auch die Zahlen belegen die Wurf-Probleme. Über die gesamte Karriere gesehen bringt Newton 59,57 Prozent seiner Pässe an den Mann. Bradys Wert ist mit 63,85 Prozent deutlich besser. 

Dabei kommt es wohl vor allem auf die Würfe von Newton an. Als namhafte Passempfänger der vergangenen Jahre sind nur noch Edelman und White übrig. Auf einen Tight End mit der Klasse von Rob Gronkowski kann der Quarterback nicht bauen. Mit Dalton Keene (21), Ryan Izzo (24), Paul Butler (27), Jake Burt (24) und Devin Asiasi (23) stehen auf der Schlüsselposition nur unerfahrene Akteure im Kader. 

Harry rückt in den Fokus

Die Verantwortung lastet also komplett auf Newtons Schultern - und ausgerechnet diese sind nicht mehr in Bestform. In der vergangenen Saison verpasste der Star aufgrund einer Operation an der rechten Schulter den Großteil der Spiele. Nun kommen immer wieder Fragen nach der Einsatzfähigkeit des Neuzugangs auf. "Cam hat aber immer noch einen guten Arm. Bereits nach drei Trainings konnte man sehen, dass er dort die klare Nummer eins vor Jarrett Stidham ist. Er scheint fit zu sein", erklärt der NFL-Scout bei SPORT1

Allerdings: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Newton unbedingt einen großen Receiver braucht, um seine Topleistungen zu bringen. "Mit Kelvin Benjamin und Devin Funchess war Cam stärksten", erinnert der Scout. 

Da rückt N'Keal Harry (22), mit 1,96 Zentimetern der größte Receiver der Patriots, in den Fokus. Im vergangenen Jahr in der ersten Runde im Draft ausgewählt, kam der Nachwuchsmann aufgrund von Verletzungen nur auf 105 Yards.

Derweil haben sich auch im Schatten des alles überstrahlenden Wechsels auf der Quarterback-Position und der damit einhergehenden Veränderungen in der Offensive bei den Patriots weitere Lücken ergeben. Aufgrund der Corona-Pandemie haben alle NFL-Spieler das Recht, auf die Saison zu verzichten.

Patriots gehen ohne die Stars Hightower, Chung und van Noy in die Saison

Bei den Patriots nutzen Dan Vitale (Fullback), Matt LaCosse (Tight Ende), Dont'a Hightower (Linebacker), Marcus Cannon (Offensive Tackle), Brandon Bolden (Running Back), und Patrick Chung (Safety) diese Möglichkeit zum eigenen Schutz. Vor allem die absoluten Leistungsträger Hightower und Chung sind kaum zu ersetzen in der Defensive, die zuletzt das Herzstück des Teams war.

Hinzu kommt, dass mit Nate Ebner (Safety, New York Giants), Duron Harmon (Safety, Detroit Lions), Danny Shelton (Defensive Tackle, Detroit Lions), Jamie Collins (Linebacker, Detroit Lions) und Kyle van Noy (Linebacker, Miami Dolphins) weitere Stars gewechselt sind. 

Cam Newton ist bei den New England Patriots längst nicht das einzige Fragezeichen.

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