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Trainer-Idol Bill Belichick von den New England Patriots lehnt eine Ehrung von Donald Trump ab - den er im Wahlkampf 2016 noch unterstützt hatte.

In der Nacht zum Montag sorgte der Golf-Verband PGA mit seiner folgenschweren Distanzierung von Donald Trump für einen Paukenschlag - nun folgt für den scheidenden US-Präsidenten der nächste herbe Schlag aus der Sportwelt.

NFL-Idol Bill Belichick wird auf die Auszeichnung mit der Freiheitsmedaille durch Trump verzichten. Die bestätigte der 68-Jährige, der mit den New England Patriots sechsmal den Super Bowl gewonnen hat, in einem veröffentlichten Statement.

Medienberichten zufolge wollte Trump dem langjährigen Coach von Superstar Tom Brady die "Presidential Medal of Freedom" am Donnerstag überreichen.

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Belichick unterstützte Donald Trump 2016 noch

Der NFL-Trainer schrieb nun aber, dass er sich zwar "geschmeichelt" fühle, "weil ich respektiere, wofür diese Ehrung steht und wer sie vor mir erhalten hat". Wegen der "tragischen Ereignisse der vergangenen Woche" verzichte er aber auf die Ehrung. Belichick bezog sich dabei auf den Sturm des Kapitols durch Trumps Anhänger, die der US-Präsident mit seinem Verhalten angestachelt hatte.

Die Entscheidung des als politisch konservativ bekannten Belichick dürfte Trump schmerzen: Im Wahlkampf 2016 hatte er ihn noch unterstützt.

Nun betont er jedoch, dass für ihn als US-Bürger die "nationalen Werte wie Freiheit und Demokratie" höchste Bedeutung hätten - und dass er auch eine Verantwortung hätte als Repräsentant "meiner Familie und der Mannschaft der New England Patriots". Zuvor hatten einige Politiker Belichick öffentlich aufgefordert, auf die Ehrung zu verzichten und sich unter diesen Umständen nicht von Trump vereinnahmen zu lassen.

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Trump mit den New England Patriots verflochten

Aus den von Trump befeuerten Konflikten um Colin Kaepernick und die von ihm ausgelösten Hymnenproteste - denen sich auch Spieler der Patriots angeschlossen hatten - hatte Belichick sich herausgehalten und seinen "Respekt" für all seine Schützlinge und ihre unterschiedlichen Standpunkte betont.

In seiner Absage an Trump führte er nun auch seine politischen Gespräche mit den Spielern als Grund für seine Haltung an: "Eine der lohnenswertesten Erfahrungen meiner Karriere habe ich 2020 erlebt, als unsere Gespräche über soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenrechte durch die hervorragende Führung innerhalb unseres Teams zu Taten wurden."

Trump hat persönliche Verbindungen zu den Patriots, ihn verbindet eine langjährige Freundschaft mit Besitzer Robert Kraft. Diese drückte sich auch nach dem Super-Bowl-Triumph 2017 aus, nach dem Kraft Trump beim Empfang im Weißen Haus einen extra für ihn angefertigten Super-Bowl-Ring schenkte, in den die doppeldeutigen Botschaften "We are all Patriots" und "greatest comeback ever" eingraviert worden waren. Diverse Spieler der Patriots hatten den Besuch allerdings schon damals aus Protest gegen Trumps Politik boykottiert.

Presidential Medal of Freedom ging an diverse Sportstars

Die nun im Zentrum der Diskussion stehende Freiheitsmedaille war 1963 unter John F. Kennedy aus der Taufe gehoben worden und ist vergleichbar mit dem Bundesverdienstkreuz in Deutschland.

Trump war mehrfach dafür kritisiert worden, dass er mit der Medaille politische Unterstützer wie den umstrittenen Radiomoderator Rush Limbaugh belohnte: Am vergangenen Donnerstag etwa erhielten sie die früheren Golfstars Annika Sorenstam und Gary Player, die die Ehrung trotz des Kapitolsturms am Tag zuvor annahmen. In den vergangenen Jahren hatte Trump unter anderem Tiger Woods und die NBA-Legenden Jerry West und Bob Cousy geehrt.

Trumps Vorgänger Obama hatte die Medaille ebenfalls an diverse Sportstars vergeben, darunter Billie Jean King, Michael Jordan und Kareem Abdul-Jabbar. Unter George W. Bush zählten Muhammad Ali und Golf-Legende Jack Nicklaus zu den Geehrten.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)

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