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Die BR Volleys dominieren aktuell das deutsche Volleyball. Für eine weitere Entwicklung denkt Geschäftsführer Kaweh Niroomand an einen Wechsel nach Polen.

Mit Spannung wartet die Volleyball Bundesliga auf den Start der Männerkonkurrenz.

Bald fliegen wieder die Bälle durch die Hallen und die Volleyballexperten dieses Landes fragen sich: Wer wird Vize-Meister?

Viel spannender dürfte es im Kampf der Spitzenteams kaum zugehen. Der Branchenprimus und Vorzeigeklub Berlin Recycling Volleys scheint auch in der anstehenden Saison der Konkurrenz um Meilen voraus. Im Comdirect Supercup sicherte man sich ersatzgeschwächt mit einem 3:0 gegen Herausforderer Frankfurt den Titel.

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Während die Liga im Sommer Teams in die Insolvenz verlor, Arenen geschlossen wurden und Budgets radikal gekürzt wurden, konnte Kaweh Niroomand mit vollen Taschen shoppen gehen.

Trotz Corona - Berlin hält Luxus-Kader zusammen

Olympiasieger Eder schloss sich den BR Volleys neu an, genauso wie Top-Talent Anton Brehme. Außerdem bleiben Olympiasieger Sergey Grankin und Benjamin Patch für ihre dritte Spielzeit in Serie in der Hauptstadt - das wäre sogar ohne Corona ungewöhnlich. In Berlin gibt es auch in Krisenzeiten im Kader keine Discounterware. (Die Stars der Bundesliga)

Der Hauptstadtklub ist in Deutschland kaum mehr aufzuhalten – kein Wunder also, dass man sich nach wie vor mit einem Ligawechsel beschäftigt. Im Mai wurde öffentlich, dass Niroomand den Schritt in die Polnische PlusLiga gehen will, um in der finanzstärkeren Liga neue Herausforderungen zu suchen, die sie hierzulande nicht finden.

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"Wir sind an einer natürlichen Wachstumsgrenze angelangt", so Niroomand schon im Frühsommer bei SPORT1. Das möchte Macher und DOSB-Präsidiumsmitglied Niroomand ausdrücklich nicht sportlich, sondern wirtschaftlich verstanden wissen. Mit einem Etat von kolportierten drei Millionen Euro kann in der Liga niemand mithalten – und auch die Volleys selber seien nun an eine natürliche Wachstumsgrenze gestoßen, so Niroomand weiter.

Die Volleys am am Scheideweg

Zwar hänge das Herz an der Volleyball Bundesliga und dem Sport in Deutschland, doch ein "Weiter so" ist für ihn nach SPORT1-Informationen nicht denkbar. Schon im Mai bekannte er: entweder es geht nach Polen, oder die BR Volleys schrauben ihr Dasein auf Spiele in einer kleinere Halle mit weniger Zuschauern und deutlich reduziertem Budget herunter. Das würde zwar Spannung in die Liga bringen, von einer Traumlösung für den Sport kann hier aber keine Rede sein.

Aus Polen ist zu vernehmen, dass man den deutschen Branchenprimus mit offenen Armen empfangen würde. "Berlin (...) hat sich nach der Möglichkeit erkundigt, in die PlusLiga zu kommen. Im Moment gibt es aber dafür für ausländische Teams keine Chance", so Ligasprecher Kamil Skladowski in der Bild. Doch nach SPORT1-Informationen arbeitet man bereits im Hintergrund an einer Lösung, das für die kommenden Jahre zu ändern.

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Es wird konkret mit einem Gedanken, der so schon vor sechs Jahren geäußert wurde. Schon damals witzelte Niroomand, dass man eigentlich nach Polen wechseln müsse, um sich zu entwickeln. Wie viel Ernsthaftigkeit der Aussage damals innewohnte, lässt sich nur erahnen.

Macht es Berlin wie die Alpenvolleys?

Die Umstände damals sind allerdings beinahe vergleichbar. Mit Moers und Unterhaching zogen sich zwei Topklubs aus der Liga zurück, Bottrop wurde die Lizenz entzogen. Im Sommer 2020 beklagte Volleyball-Deutschland den Verlust der ambitionierten Alpenvolleys und von Traditionsklub Rottenburg, dem VfB Friedrichshafen fehlt außerdem wenige Tage vor Saisonbeginn eine Spielhalle. Die Parallelen sind erschreckend.

Bei der Volleyball Bundesliga hält sich das Verständnis für das Ansinnen der Berliner naturgemäß in Grenzen, doch der Schritt scheint mittelfristig kaum noch abzuwenden. Und am Ende des Tages sind die Berliner da nicht anders, als die in Innsbruck ansässigen Alpenvolleys, die ihrer heimischen Liga entwuchsen, und per Wildcard die vergangenen drei Jahre in Deutschland spielten. Ein Wechsel der BR Volleys nach Polen würde nach dem gleichen Prinzip geschehen.

Niroomand hofft auf Verbleib in Deutschland

Kaweh Niroomand ist ein Mann der deutlichen Worte. Man kann sicher sein, dass die Planungen im Hintergrund weiter voranschreiten und es ist nicht unrealistisch, dass die Volleyball Bundesliga bald ohne die BR Volleys stattfindet. "Wir stehen weiterhin im Dialog mit den Polen", so Niroomand gegenüber dem SID.

Doch als DOSB-Präsidiumsmitglied kann man auch sicher sein: Niroomand will den Sport in Deutschland nicht hängen lassen. Schon im Mai sagte der 67-Jährige, dass er in einem Wunschszenario gerne in einer florierenden Deutschen Liga bleiben würde. "Wir gehören nach Deutschland. Wir müssen Solidarität zeigen und uns gegenseitig unterstützen."

Wie realistisch dieses Szenario, besonders in Corona-Zeiten tatsächlich ist, wird sich zeigen.

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