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Bratislava - Bundestrainer Koslowski treibt den Umbruch bei Deutschlands Volleyballerinnen im Eiltempo voran. Bei der EM begeistert das junge Team mit dem Coup gegen Russland.

Deutschlands Volleyballerinnen haben mit dem Coup gegen Mitfavorit Russland bei der EM (Die Volleyball-EM täglich LIVE im TV auf SPORT1) ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und nehmen nach der Sensation nicht nur den Gruppensieg ins Visier, auch der Traum von einer Medaille lebt.

"Die Mannschaft hat mit einer unglaublichen Mentalität gespielt, mit Mut. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir bei einem großen Turnier mal gegen Russland gewonnen haben", schwärmte Bundestrainer Felix Koslowski bei SPORT1.

Gegen die Slowakei soll nach dem bereits eingetüteten Achtelfinaleinzug heute der vierte Sieg im vierten Spiel her (Volleyball-EM: Deutschland - Slowakei, Dienstag ab 19.55 Uhr im TV und Stream bei SPORT1).

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Schon jetzt haben die jungen Schmetterlinge (Durchschnittsalter 23,7 Jahre) gezeigt, welches Potenzial in ihnen schlummert - angeführt von einem ebenfalls erst 35 Jahre alten Bundestrainer, der selbst ganz genau weiß, was es heißt, als Jungspund ins kalte Wasser geworfen zu werden.

Koslowski mit 26 Cheftrainer - und ein Glücksfall für DVV

Damals, 2010, mit gerade einmal 26 Jahren, wurde der gebürtige Schweriner Cheftrainer bei den Frauen von Volleyball-Bundesligist VfB 91 Suhl.

Dieses Einstiegsalter konnten noch nicht einmal Julian Nagelsmann oder Domenico Tedesco in der Fußball-Bundesliga toppen. Nagelsmann übernahm Hoffenheim "erst" mit 28, Tedesco war bei Erzgebirge Aue noch drei Jahre älter.

Doch Alter ist für Koslowski nur ein Wort. "Entscheidend ist, ob du respektiert wirst und Ahnung hast", sagt der heute 35-Jährige kurz und knapp. Und da gab es bei diesem Coach von Beginn an keine Zweifel.

Geprägt von Assistenz-Jobs im Ausland und auch in der Bundesliga ging er am Regiepult konsequent ans Werk. Mit den Suhlerinnen wurde er gleich in seiner Premierensaison Dritter der Meisterschaft.

Die Erfolgsspur war gelegt, Begehrlichkeiten wurden geweckt. Meister Schweriner SC holte Koslowski in dessen Heimatstadt zurück, seit 2015 ist er zudem in Personalunion für die Nationalmannschaft zuständig. Ein Glücksfall für den Verband DVV. Denn mit Koslowski geht es für die deutschen Frauen bergauf.

Coup gegen Brasilien schon bei der WM 2018

Schon bei der WM 2018 gelangen der Mannschaft Achtungserfolge. Unvergessen der 3:2-Erfolg nach 0:2-Satzrückstand gegen den zweimaligen Olympiasieger Brasilien.

Am Ende stand Platz elf, doch das Team hatte sich mit ihrem Regisseur Koslowski zumindest teilweise ins Rampenlicht gespielt. "Wir werden wieder wahrgenommen", hatte Koslowski damals erklärt, "man spielt ungern gegen uns."

Davon können auch die Frauen von Rekord-Europameister Russland seit Montag ein Lied singen.

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Russland sensationell bei der EM geschlagen

In Bratislava im dritten Gruppenspiel setzte es eine überraschende 2:3-Pleite gegen Deutschland. Und nicht nur die unterlegenen Russinnen waren verblüfft. "Ich bin seit 2006 dabei und habe das nie erlebt. Für mich ist es das allererste Mal, jetzt, 2019, 13 Jahre später", sagte Koslowski nach dem Coup.

Bei SPORT1 lobte er vor allem die Mentalität seiner jungen Mannschaft. "Wir haben vorher gesagt, dass dieses Spiel wie ein Boxkampf wird", berichtete er: "Wir versuchen auszuteilen, sind aggressiv - aber die teilen auch mal einen aus. Im 4. Satz mussten wir einstecken. Aber dann wieder reinzugehen in den Ring, wieder zu kämpfen - das hat die Mannschaft bravourös gemacht. Riesen-Kompliment."

Wichtiger noch als das Ergebnis war für Koslowski allerdings die Bestätigung seiner resoluten Verjüngung des Teams. Mit einem Durchschnittsalter von 23,7 Jahren ist der Kader gegenüber der EM 2017 (24,6) noch einmal jünger geworden. Gleich sechs Debütantinnen holte der Trainer ins Team.

Deutschland schon im Achtelfinale - Olympia im Blick

Die ersten Früchte seiner Ernte holt er sich in Bratislava, wo er mit seiner Mannschaft vorzeitig das Achtelfinale erreicht hat. Und das soll erst der Anfang sein. Koslowskis Blick geht schon weit voraus und hat womöglich auch schon die fünf Olympischen Ringe im Visier.

"Wir haben einen echt guten Mix gefunden", sagt der Coach über seinen Kader, von dem er eine Menge hält: "Wenn wir es schaffen, konstant das Maximale herauszuholen, können wir mit jeder Mannschaft mithalten."

Davon haben sich die russischen Frauen am Montag selbst überzeugen dürfen.

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