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Nancy Kerrigan (l.) wurde mit einer Eisenstange angegriffen
Nancy Kerrigan (l.) wurde mit einer Eisenstange angegriffen © imago
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München - Nancy Kerrigan wird 1994 mit einer Eisenstange attackiert, als Drahtzieherin stellt sich ihre Rivalin Tonya Harding heraus - die das Opfer bis heute meidet.

Nein, Nancy Kerrigan will keinen Frieden mit Tonya Harding. Keine Aussöhnung mit der Eishexe, die beide im Jahr 1994 weltberühmt gemacht hat.

Sie pflegt, ja genießt lieber ihren lukrativen Promi-Status als tapfere Heldin im legendären Eisenstangen-Drama, das seit mittlerweile mehr als 25 Jahren ganz große Sportgeschichte ist.

Versöhnungsversuche von Harding soll es mehrfach gegeben haben, ohne Resonanz. "Ich war stets nur das Opfer in dieser Affäre, mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Ich bin vollauf damit beschäftigt, mein eigenes Leben zu leben", erklärte dazu Kerrigan, mittlerweile Mutter von drei Kindern.

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Kerrigan wird von Eisenstange verletzt

Und während Harding bei der Promo-Tour zum Hollywood-Streifen "I, Tonya" ihr kurzes Comeback im Scheinwerferlicht sichtlich genoss, mied Kerrigan jeden Roten Teppich - und auch jeglichen Kontakt zur Hauptdarstellerin Margot Robbie, die mehrfach um ein Gespräch gebeten hatte.

Nancy Kerrigan bei einer Theater-Gala in Boston 2018
Nancy Kerrigan bei einer Theater-Gala in Boston 2018 © Getty Images

Rückblende, 6. Januar 1994: Kerrigan wird beim Training zu den US-Meisterschaften der Eiskunstläufer in Detroit von einem zunächst Unbekannten mit einer Eisenstange attackiert und am Knie verletzt. "Why me, why me?" - die markerschütternd gekreischte Frage der damals 24-Jährigen ist Breaking News im US-TV, über Stunden hinweg.

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Tage später wird der Attentäter Shawn Eckhardt dingfest gemacht. Und gesteht das Ungeheuerliche: Angeheuert habe ihn Jeff Gillooly, damaliger Ehemann von Harding, der Vize-Weltmeisterin von 1991. Die oftmals operettenhafte Kufenwelt ist entsetzt, der US-Verband reagiert und sperrt die sportlich qualifizierte Harding für die Olympischen Winterspiele in Lillehammer.

Harding darf mit zu Olympia

Doch die seinerzeit 23-Jährige wehrt sich erfolgreich mit juristischen Mitteln, lässt ihre Anwälte auf die Unschuldsvermutung pochen. Dem Verband drohen immense Schadenersatzforderungen, er gibt klein bei und nimmt die US-Meisterin mit nach Norwegen.

Das erste gemeinsame Training der US-Läuferinnen in einer kleinen Eishalle in Hamar wird zum Weltereignis. Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn muss die Mini-Arena wegen Überfüllung geschlossen werden.

Polizisten sichern die Ein- und Ausgänge, mehrere TV-Stationen übertragen live vom Eis.

Hardings Trainerin spuken die skurrilen Szenen bis heute im Kopf herum. "Es war der pure Irrsinn, alles war wie elektrisiert. Als die beiden Mädchen einmal knapp aneinander vorbeiliefen, klickten gleichzeitig Hunderte von Kameras", erinnerte sich Diane Rawlinson in einem Interview.

Kein Happy-End für Kerrigan

Zwei Welten treffen im bitterkalten Skandinavien aufeinander, Schneewittchen und Aschenputtel. Hier Kerrigan, die bildschöne Tochter aus wohlbehütetem Ostküsten-Hause, dort Harding, die rotzige Göre aus Oregon mit prekärem familiären Hintergrund, die aber auf dem Eis Unglaubliches vollbringen konnte - als erster Läuferin überhaupt war ihr der dreifache Axel gelungen.

Bei der Kürentscheidung schaut die gesamte Welt in das kleine norwegische Städtchen, allein 100 Millionen TV-Nutzer werden in den USA registriert. Dass Katarina Witt einen Comebackversuch startet, nicht einmal das interessiert mehr.

Gold für Harding oder Kerrigan? Von wegen, Olympiasiegerin wird in dieser denkwürdigen Nacht die zauberhafte Eis-Ballerina Oksana Bajul aus der Ukraine.

Silber geht an Kerrigan, Harding wird nur Achte. Es bleibt bis heute der letzte gemeinsame Auftritt. Harding soll mehrfach telefonisch ihre einstige Rivalin um Entschuldigung gebeten haben. Erfolglos.

Stoff für Hollywood

Zu gern hätte auch Hollywood den 2017 gedrehten Film "I, Tonya" - der den Skandal als Mischung aus Drama und schwarzer Komödie erzählte - mit den beiden Protagonistinnen glamourös promotet. Doch nur Harding macht mit, Kerrigan lässt die Filmbosse abblitzen.

Tonya Harding (M.) mit den "I, Tonya"-Darstellerinnen Allison Janney (l.) und Margot Robbie
Tonya Harding (M.) mit den I, Tonya-Darstellerinnen Allison Janney (l.) und Margot Robbie © Getty Images

Was der oscargekrönte Streifen (Allison Janney bekam die Trophäe für ihre furiose Performance als Hardings Rabenmutter) bei seinem Plot noch offen lässt, hat Harding mittlerweile ein Stück weit eingeräumt. "Ich wusste, dass da irgendetwas lief", gestand sie im Rahmen einer zweistündigen ABC-Dokumentation ein.

Aber längst ist das flüchtige Comeback im Scheinwerferlicht Vergangenheit, Harding - die sich zwischenzeitlich auch selbst als Schauspielerin und im Boxen versuchte - soll wieder in den Wäldern rund um Portland leben, irgendwo in Oregon. Und weit, weit weg von ihren sportlichen Erfolgen, die vor einem Vierteljahrhundert im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Schlag beendet waren.

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