vergrößernverkleinern
Die dritte Meisterschaft für strux1 © ESL - Kai Kuczera

Hendrik ‚strux1‘ Goetzendorff ist mit drei Titeln einer der erfolgreichsten CS-Spieler in Deutschland. Nun gibt er jedoch seinen Abschied bekannt.

Von Mirko Zaake

Am vergangenen Donnerstag verließ Hendrik ‚strux1‘ Goetzendorff sein bisheriges Team PENTA Sports, damit er sich erst einmal auf seinen Master-Abschluss konzentrieren kann. SPORT1 sprach mit dem 24-Jährigen über seine letzte Zeit in dem Team und holte sich die Meinung eines dreifachen deutschen Meisters ein, was den deutschen Teams im Counter-Strike-Bereich fehlt, um in der Weltspitze mitzuwirken.

SPORT1: Du hast vor kurzem deinen Abgang als Spieler bei PENTA Sports bekannt gegeben, nachdem du schon zum zweiten Mal Teil des Teams warst. Was hat dich zu deiner Entscheidung gebracht und mit was für einem Gefühl verlässt du die Organisation?

Strux1: Ich bin ein wenig traurig darüber, dem Ganzen den Rücken zu kehren, denn schließlich hatte ich ein tolles Jahr bei PENTA und bin über die Zeit auch ein bisschen mit den Verantwortlichen zusammengewachsen. Aber für mich ist Zeit eben ein wichtiger Faktor, da ich neben dem Beruf als Vollzeitspieler auch noch in Vollzeit einen Master studiere. Auf CS lag trotzdem immer der Hauptfokus, allerdings muss ich auch anhand des Erfolges abwägen, inwiefern sich das persönlich für mich lohnt. Ich hatte mir mit dem Team höhere Ziele auf internationaler Ebene erhofft, die aber größtenteils ausblieben.

SPORT1: Seit deinem Abgang lief es nicht mehr allzu rund für PENTA. Wie siehst du die zuletzt gezeigten Leistungen?

Strux1: Ich finde man sollte die Ergebnisse nicht überbewerten, bevor kein festes Lineup zusammenspielt. Für das EU Minor haben sie sich qualifiziert, das war erst mal das Wichtigste. Ich wünsche mir, dass die Jungs einen guten Ersatz finden und weiter ihren Weg gehen können.

Die Finals auf der gamescom 2015 © ESL - Patrick Strack

SPORT1: Nach dem Rauswurf von gob b bei mousesports vor kurzer Zeit bist du nun schon der zweite etablierte Ansager aus Deutschland, der kein Team mehr führt. Denkst du, dass dies der allgemeine Trend ist, auch international, oder woran liegt dieser Werdegang?

Strux1: Der internationale Trend geht entweder dahin, fragtechnisch starke Ansager zu haben oder aber komplett auf den Ansager zu verzichten. Das wollen deutsche Teams natürlich gerne nachmachen. Nur braucht es dafür Persönlichkeiten innerhalb des Teams, die in gewissen Situationen auch mal das Ruder in die Hand nehmen und diese sind in Deutschland kaum vorhanden.

SPORT1: Ist denn deiner Meinung nach noch ein traditioneller Shot-Caller notwendig? Was sind deiner Meinung nach Vor- und auch Nachteile eines Ansagers?

Strux1: Die Vorteile sind, dass mit einer klaren Struktur und Idee dahinter gespielt wird. Über den gesamten Verlauf eines Matches folgt das Team einer klar vorgegebenen Linie, was den einzelnen Spielern dann wiederum Sicherheit gibt. Der Nachteil ist ganz klar der Fokus des Ansagers. Er muss während des Spiels so viele Dinge gleichzeitig berücksichtigen, dass es schwer wird, fragtechnisch das Niveau der anderen zu halten.
International gibt es nur wenige Spieler, die beides miteinander verbinden. Ich selbst denke, dass wir uns in CS auf lange Sicht von Ansagern verabschieden werden. Es ist einfach effektiver den Kopf des Ganzen von außen agieren zu lassen, wie in anderen Sportarten. Das Phänomen Coach wird 2016 noch sehr interessant werden.

strux1 im Interview nach seinem Match © ESL - Patrick Strack

SPORT1: Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Szene in Counter-Strike nicht viel zu sagen hat im internationalen Vergleich. Du hast zumindest lange Zeit an der deutschen Spitze gespielt. Kannst du den Usern vielleicht ein paar Einblicke geben, woran es den deutschen Teams schlussendlich fehlt, um ganz oben mitzuwirken?

Strux1: Ich denke nicht, dass es den Deutschen an Skill fehlt, um oben mitzuspielen. Vielmehr haben wir in deutschen Profiteams ein mentales Problem. Der Zusammenhalt und der Wille, sich für den anderen zu opfern, fehlt in deutschen Teams. Es wird zu sehr auf sich selbst geachtet und dabei die Arbeit fürs Team vernachlässigt. Die Spieler wollen selbst immer im Mittelpunkt stehen.

SPORT1: Das Jahr 2016 hat gerade erst begonnen und es haben sich einige neue Konstellationen in der deutschen Szene ergeben. Wie schätzt du die Chancen von mousesports, PENTA Sports und Alternate aTTaX im internationalen Vergleich ein? Kann es wenigstens eines der Teams deiner Meinung nach schaffen, Deutschland über längere Zeit in der Weltspitze zu vertreten?

Strux1: Um an die Weltspitze zu kommen braucht es in Deutschland eine andere Einstellung und eine bessere Arbeitsmoral in den Teams. Ein deutsches Team ganz oben zu sehen, würde ich mir wünschen. Allerdings ist das noch ein sehr langer Weg bis dahin.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel