Video

München - Holger Badstuber hat geschafft, was die wenigsten Talente des FC Bayern in den letzten Jahren erreichten. Den Grund für das Scheitern der Talente sieht er bei ihnen selbst.

Holger Badstuber kann wirklich niemand Bequemlichkeit vorwerfen. Wer sich nach zwei Kreuzbandrissen und diversen anderer schweren Verletzungen wieder zurück auf den Platz kämpft und zuletzt nach einer Platzwunde mit blutdurchtränktem Kopfverband die Bälle aus dem Strafraum der Bayern herausköpfelte, dem kann man über Einsatz und Leiden nichts mehr erzählen. Mit 26 Jahren hat Badstuber genug Rückschläge, auch private, für eine ganze Mannschaft erlebt.

Die harsche Kritik am Nachwuchs der Münchner kam am Mittwoch also aus berufenem Munde. Zumal Badstuber an der Seite von Thomas Müller einst unter Louis van Gaal ja selbst auch den Sprung von der Jugend der Bayern zu den Profis geschafft hat.

Talente "hauen sich nicht voll rein"

"Heute ist der eine oder andere vielleicht zu bequem, man muss immer seine Leistung bringen", sagte Badstuber in Richtung der vielen Bayern-Talente, die sich gar nicht oder nicht dauerhaft im Starensemble durchsetzen konnten. Einige Spieler würden sich "teilweise nicht voll reinhängen", sagte er.

Dies sei "früher anders gewesen. Wir haben damals gnadenlos unser Ziel verfolgt." Beim Wort "früher" musste Badstuber selbst auch schmunzeln, er ist nur ein paar Jährchen älter als etwa Gianluca Gaudino (19), Sinan Kurt (19) oder Jan Kirchhoff (25), die mangels Perspektive den Klub im Winter gen St. Gallen, Hertha BSC und Sunderland verlassen haben.

Höjbjerg bei Schalke auch nicht richtig glücklich

Bereits in der Sommerpause floh Mitchell Weiser (21) nach Berlin, Pierre-Emile Höjbjerg (20) ist nach seiner Ausleihe nach Augsburg im Sommer zum FC Schalke verliehen worden, wo er allerdings auch nicht richtig zum Zug kam bisher.

Sind die Bayern-Talente zu weich? "Man darf nicht jammern, man hat Top-Bedingungen und es wird viel als selbstverständlich angesehen beim FC Bayern, was woanders nicht geht", sagte Badstuber.

Dass die Verantwortlichen des FC Bayern seit einigen Jahren schon nicht zufrieden sind mit ihrer Jugendarbeit, ist bekannt. Nach Müller und Badstuber schaffte nur noch David Alaba (23) den Sprung in die Stammelf. Joshua Kimmich, der in der Hinrunde von Trainer Pep Guardiola immer wieder, aber dennoch dosiert, eingesetzt wurde, kauften die Bayern zudem für sieben Millionen Euro vom VfB Stuttgart.

U 23 verpasst Jahr für Jahr den Aufstieg

Seit Jahren schafft es die U23 zudem nicht, in die dritte Liga aufzusteigen, die A-Junioren gewannen die letzte Meisterschaft zuletzt im Jahr 2004. Erst am Dienstag lösten Jugendkoordinator Michael Tarnat und Jugend-Chefscout Jürgen Jung ihre Verträge auf. Mit ihrer Arbeit war Nachwuchschef Heiko Vogel ebenso wenig zufrieden wie Uli Hoeneß, der bis zu seiner Freilassung aus der Haft am 29. Februar als Freigänger im Nachwuchsbereich der Bayern arbeitet.

Badstuber jedoch sieht keinen Grund, die Nachwuchsarbeit des FC Bayern zu kritisieren. "Ich sehe die Spieler in der Verantwortung, die wollen doch etwas erreichen", sagte er. Auch das Argument, dass heute mehr internationale Stars beim FC Bayern spielen würden als früher, lässt Badstuber nicht gelten.

Es sei "ein Privileg, von der Bayern-Jugend den Sprung zu schaffen. Es ist sehr schwierig", gab er zu. Allerdings sei es früher auch schon schwer gewesen. "Wir haben jetzt eine sehr junge Generation in unserer Mannschaft, die über Jahre wachsen kann. Dennoch ist der Weg nicht blockiert für Talente."

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel