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Carlo Ancelotti (l.) hat mit dem FC Bayern seinen ersten Titel gewonnen © SPORT1-Montage: Philipp Heinemann / Imago

München - Der FC Bayern hat zum ersten Mal seit vier Jahren weniger Ballbesitz als der Gegner. Trotzdem macht Trainer Carlo Ancelotti nicht alles anders als sein Vorgänger Pep Guardiola.

Ecke Thiago, Kopfball Mats Hummels, Abschluss Thomas Müller aus ein, zwei Metern - 2:0. Mit diesem Tor in der 79. Minute entschied Müller am Sonntag den Supercup für den  FC Bayern München gegen Borussia Dortmund.

Wie Müller später – ungewollt – offenbarte, war dieses Tor von Trainer Carlo Ancelotti genauso geplant gewesen. Auf dem Sieger-Tweet mit Supercup, den Müller abends veröffentlichte, waren hinter den Spielern verschiedene Taktiktafeln zu sehen, die an der Wand hingen. Links oben: Jene Variante, die zum 2:0 geführt hatte.

Der Sieg der Bayern im Supercup war aber generell weniger ein Sieg der Taktik gewesen, sondern vor allem ein Triumph der Effizienz.

Dortmund dominant, Bayern wankte

Dortmund war den Bayern vor allem in der ersten Halbzeit überlegen, die Elf von Thomas Tuchel agierte dominant, erarbeitete sich viele Torchancen und brachte die Münchner gehörig ins Wanken.

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Zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren hatte Bayern sogar weniger Ballbesitz als der Gegner, gerade einmal 45,9 Prozent standen am Ende auf der Habenseite. So wenig hatte es seit April 2012 nicht mehr gegeben, Bayern-Trainer damals: Jupp Heynckes.

Unter dem Ballbesitzfetischisten Pep Guardiola wären derlei Ballbesitzquoten undenkbar gewesen – oder hätten zu einem mittelgroßen Anschiss durch den Trainer geführt.

Ancelotti auch mit weniger Ballbesitz zufrieden

Nun ist es sicherlich so, dass der neue Trainer Carlo Ancelotti sich auch mit etwas geringeren als orgiastischen Ballbesitzquoten zufrieden gibt – eine Taktik-Revolution beim FC Bayern erlebten die Zuschauer am Sonntag aber nicht. Auch weil das teilweise wirre Spiel der Bayern noch nicht große Aufschlüsse auf die Taktik zuließ.

Dass Bayern am Ende weniger Ballbesitz als Dortmund hatte, lag vor allem an der Stärke der Dortmunder und der phasenweise doch recht großen Unpässlichkeit der Münchner.

Ancelotti hat seit seinem ersten Tag in München angekündigt, zwar seine eigenen Ideen einbringen, die Bayern aber nicht komplett umkrempeln zu wollen.

Spielaufbau eher abwartend

Ancelottis Grundideen sind dabei: Ohne die Dominanz grundsätzlich aufzugeben, sollen die Spieler aus einer sicheren Defensive heraus im ersten und zweiten Spielfelddrittel etwas abwartender spielen und dort ruhig auch mal den Ball abgeben.

Die Angriffe sollen dagegen etwas direkter vorgetragen werden, die Spieler vertikaler agieren, also auch mal einen Steilpass spielen, mit überraschenden Flügelwechseln das Spiel schnell machen.

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Die Angreifer sollen rochieren, sich auch mal auf ihre Kreativität verlassen und das 1:1 suchen. Wie in der italienischen Fußballschule üblich, sollen die Bayern ihre Gegner generell mit Tempowechseln aus dem Rhythmus bringen.

Hinten geordnet, vorne Fantasie

Hinten geordnet, vorne Fantasie: So könnte das Angriffsspiel unter Ancelotti beschrieben werden – wenn es funktioniert. Am Sonntag tat es das erst in der zweiten Halbzeit. Vor der Pause agierten die Bayern oft ungeordnet, wirkten müde, überfordert, nicht eingespielt.

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Die taktische Grundordnung war wie gehabt: die Münchner liefen in der aus der letzten Saison bestens bekannten 4-1-4-1- / 4-3-3-Ordnung aufs Feld. Doch zunächst klappte weder das Spiel über die Flügel, noch das Pressing. Dortmund schnürte die Bayern ein. 

In der zweiten Halbzeit variabler

Die Passquote von 81 Prozent (BVB: 87,1) war nicht ganz schlecht, aber für Bayern-Verhältnisse eher unterdurchschnittlich.

In der zweiten Halbzeit standen die Achter Thiago und Arturo Vidal etwas höher, generell pressten die Münchner höher und spielten in der Offensive variabler. Das Ergebnis: Zwei Tore, das erste nach einem direkten Angriff über Robert Lewandowski und Müller, den Vidal abschloss, das zweite nach einer einstudierten Ecke.  

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