vergrößernverkleinern
FBL-EURO-2016-FRIENDLY-ESP-ENG
Schwerer Stand in Englands Nationalteam: Manchesters Wayne Rooney © Getty Images

Beim Sieg über das DFB-Team lassen Harry Kane und Jamie Vardy den Kapitän der Three Lions vergessen. Doch darf Wayne Rooney bei der EM wirklich fehlen?

Für England Presse ist die Sache eh klar.

Während die BBC immerhin noch halbwegs zurückhaltend fragte ("Ist das der Anfang vom Ende für Rooney?"), ätzte die Daily Mail bereits: "Wayne Rooney darf NICHT bei der EM starten."

Nachdem Harry Kane und Jamie Vardy beim furiosen 3:2-Sieg bei Weltmeister Deutschland Fans und Öffentlichkeit in Ekstase versetzt haben, steht der am Knie verletzte Kapitän im Abseits - und für die Europameisterschaft mehr denn je in Frage.

51 Tore in 109 Länderspielen hat Rooney erzielt - und doch ist Englands Rekordtorjäger in Diensten von Manchester United gefühlt weg vom Fenster.

Honigstein: Symbolfigur für gescheiterte Träume  

So sieht das auch SPORT1-Kolumnist Raphael Honigstein: "Er spielt eine miese Saison. Er macht das Spiel langsam und schwerfällig, er ist eine Symbolfigur für gescheiterte Träume einer englischen Nationalmannschaft, die nie etwas gewonnen hat", erklärte der England-Experte im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

Nun habe man "Optionen mit viel schnelleren Leuten. Und die Diskussion wird weitergehen."

Video

Vergleiche mit Bastian Schweinsteiger liegen auf der Hand. Auch der verletzten Spielführer im DFB-Team, ironischerweise Rooneys Klubkollege, bangt um die EM.      

"Man muss da glauben, dass es nicht reichen wird", so Honigstein. Zumal Schweinsteiger ebenso keine berauschende Spielzeit erlebt. "Da wird es schwer, wieder in die Position zu kommen." 

Hodgson loyal zu Rooney, aber...

Was Rooney angeht, schwört Nationaltrainer Roy Hodgson zumindest öffentlich Treue: "Es gefällt mir nicht sonderlich gut, wenn suggeriert wird, dass er in dem Moment, wenn er sich verletzt und nicht spielt, fallengelassen wird. Das hat er sicher nicht verdient."

Doch selbst Hodgson lässt durchblicken, dass Englands Offensive längst keine Ein-Mann-Show mehr ist: "Wenn er zurückkommt und wieder fit ist, wird er enormen Druck auf diese Spieler machen - so wie sie enormen Druck auf ihn machen."

Gibt es in Englands Team überhaupt noch einen Platz für ihn? Mit Blick auf Rooneys frühere Verdienste ist es ein Dilemma. Doch spätestens nach dem "Wunder von Berlin" (Daily Mail) hat eine neue Generation das Kommando übernommen.

Kane und Vardy einfach furios 

Wie eben Kane, der mit seiner Drehung vor dem 1:2 schon Vergleiche mit dem Johan Cruyff erntete. Und natürlich Vardy, der nur drei Minuten nach der Einwechslung mit per Hackentrick seinen ersten Treffer im Nationaltrikot erzielte.

Der Shootingstar ist zwar auch schon 29, damit nur geringfügig jünger als Rooney.

Audio

Der Stürmer von Titelaspirant Leicester City ist jedoch unverbraucht und steht für den personifizierten Erfolg angesichts von bereits 19 Saisontreffern in der Premier League.

Sogar noch besser bei Tottenham Hotspur netzt Kane (21). Während sich Rooney durch die Saison schleppt und die Frage aufwirft, ob er noch einmal in Top-Form zurückkommen kann.

Magere Ausbeute bei United

Schon bevor er sich Mitte Februar am Knie verletzt hatte, brachte es der einstige Top-Torjäger in dieser Saison gerade mal auf sieben Premier-League-Tore. Kein Wunder, dass Rooney da selbst schon Marcus Rashford den Rang abgelaufen hat.

Der gerade mal 18-jährige United-Kollege erzielte in seinen ersten sechs Profispielen famose sechs Tore. Schon deshalb will ihn ein Großteil der Engländer lieber als Rooney im EM-Aufgebot sehen.

Zudem zeichneten sich der fleißige Adam Lallana und Danny Welbeck mit seiner Schnelligkeit aus. Eine erfolgreiche Rückkehr von Daniel Sturridge gegen die Niederlande am Dienstag nach 19 Monaten würde den "Battle for the Euroos" (Sun) weiter anheizen.

Fans klar gegen Rooney

"Wayne ist ein fantastischer Spieler, unser Kapitän und ein großartiger Junge", hält sich Kane mit Kampfansagen an Rooney noch zurück.

Die Fans indes lassen keinen Zweifel daran, wem ihre Wertschätzung gilt.

Nach dem Sieg über Deutschland twitterte Rooney: "Was für ein Ergebnis, gut gemacht Jungs."

Die erste Antwort auf seine Nachricht hätte brachialer kaum ausfallen können: "Komm nicht zurück!"

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel