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München - Timo Hildebrand erklärt bei SPORT1, wie sich eine Degradierung von Unai Emery anfühlt und macht Kevin Trapp Mut. Einen Wechsel hält er dennoch für wahrscheinlich.

Die Parallelen in den Karrieren von Kevin Trapp und Timo Hildebrand sind nicht zu übersehen.

Beide wechselten nach erfolgreichen Jahren in der Bundesliga ins Ausland und wurden bei ihren neuen Klubs zum Stammkeeper - Trapp bei Paris Saint-Germain, Hildebrand beim FC Valencia.

Beide verpassten überraschend nach einer guten ersten Saison die Teilnahme an der Europameisterschaft. Beide fanden sich in der nächsten Spielzeit plötzlich zugunsten eines Neuzugangs auf der Ersatzbank wieder - verantwortlich damals wie heute: Der neue Trainer Unai Emery.

Keine Erklärung für Degradierung

Hildebrand weiß, wie sich Trapp nach seiner Degradierung bei Paris vor einem Monat derzeit fühlen muss.

"Er ist mit PSG Meister geworden und hat auch in der Champions League Erfolg gehabt. Er hat ein gutes erstes Jahr gespielt. Dann kommt ein neuer Trainer und hat andere Vorstellungen. Und auf einmal ist alles anders. Das finde ich schade", sagt der 37-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

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Eine Erklärung für seine Degradierung bei Valencia 2008 erhielt Hildebrand von Emery übrigens nicht.

"Der Trainer hat es mir am Spieltag morgens mitgeteilt und das hat mir auch nochmal die Füße unter dem Boden weggezogen. Nach dem EM-Aus auch nicht mehr beim Klub zu spielen, war dann einfach zu viel."

Die einzige Lösung? Ein Wechsel, der jedoch erst einige Monate später realisiert werden konnte.

"Emery ist ein guter Trainer"

"Ich wollte kurz vor Transferende noch schnell weg. Ich hatte ja ein relativ schwieriges erstes Jahr und einen Trainer, der nicht auf mich setzt. Ich habe dann gesagt, dass ich gehen will", erinnert sich der siebenmalige Nationaltorwart.

Ein sofortiger Wechsel platzte, doch trotz der Degradierung auf die Tribüne hegt er auf Emery, der zuletzt dreimal in Folge mit dem FC Sevilla die UEFA Europa League gewann, keinen Groll: "Unai Emery ist ein guter Trainer und das hat er in der Liga auch unter Beweis gestellt. Aber auf deutsche Torhüter scheint er nicht zu stehen."

Karriereknick? "Ausgeschlossen"

Seit einem Monat sitzt Trapp nun bei Paris auf der Bank, seine Situation dürfte sich nicht so schnell ändern. Emery vertraut auf Neuzugang Alphonse Areola, der in der vergangenen Saison an den FC Villarreal ausgeliehen war. Seine Begründung ("Ich will, dass das PSG-Tor sicher ist" bzw. "Das Beste ist, wenn Areola spielt") muss Trapp tief getroffen haben.

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Dennoch rät ihm Hildebrand zur Ruhe: "Er hat sich nie negativ geäußert, das ist seine erste schwierige Situation. Bei Eintracht Frankfurt war er sehr anerkannt", sagt sein früherer Teamkollege, der in der Saison 2014/15 einige Monate mit Trapp gemeinsam trainierte. Vielmehr könne Trapp aus der momentanen Situation sogar lernen.

"Er hat den Schritt ins Ausland gemacht. So etwas wie jetzt ist auch eine gute Erfahrung, und da kann er einiges mitnehmen."

Auch aufgrund von Trapps Persönlichkeit sieht er die Laufbahn des Keepers nicht gefährdet. "Dafür ist Kevin zu stark. Irgendwo bei einem guten Klub wird eine Tür für ihn aufgehen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass es Richtung Karriereknick geht."

Hildebrand glaubt an Wechsel

Ob Trapp den gleichen Weg gehen soll wie einst Hildebrand, den es sechs Monate nach seiner Degradierung zur TSG Hoffenheim zog?

"Kevin ist kein Torwart, der als Nummer zwei bei einem Topklub zufrieden ist. Er muss genau abwägen. Wenn er merkt, dass er keine Chance bekommt, dann könnte er jetzt im Winter oder im nächsten Sommer wechseln", meint Hildebrand.

Bis dahin muss der ehemalige Frankfurter auf seine Chance lauern - immerhin ist Paris in der Liga lediglich Dritter und hinkt seinen Erwartungen hinterher. (SERVICE: Die Tabelle der Ligue 1)

"Es kann sich auch schnell ändern, wenn sich der Konkurrent verletzt oder ein Leistungstief hat", macht ihm Hildebrand Hoffnung.

Daran glauben kann Hildebrand jedoch nicht. "Es wäre einfach logisch, dass er den Verein wechselt."

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