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F1 Grand Prix of Great Britain
Lewis Hamilton ist euphorisch. Er hat, auch im übertragenen Sinne, Nico Rosberg nass gemacht. © Getty Images

Silverstone - Lewis Hamilton gewinnt in England und faselt über seine Testikel. Nico Rosberg kämpft mit Verstappen und technischen Problemen - und verliert noch den zweiten Platz.

Kaum, dass  Lewis Hamilton das englische Publikum rund um das Podest der Rennstrecke in Silverstone gelobt hatte, begannen einige Fans zu buhen. Moment, hatte Formel-1-Weltmeister Hamilton nach seinem dritten Sieg hintereinander bei seinem Heimrennen nicht gerade "man hört auch nicht so viele Buhrufe hier, das ist großer britischer Sportsgeist" gesagt?

Nun ja. Die Buhrufe galten dem Mann, der jetzt ans Mikro trat: Nico Rosberg, Hamiltons Rivale im Mercedes-Rennstall, der als Zweiter über die Ziellinie gefahren war.

Strafversetzung auf Platz 3

Was Rosberg hier noch nicht wusste: Später wurde sein zweiter Platz wegen einer Zehnsekunden-Strafe aufgrund eines unzulässigen Funkspruchs in einen Dritten umgewandelt. Sein Vorsprung in der Gesamtwertung auf Hamilton schrumpfte auf einen Zähler - es sei denn der eingelegte Einspruch von Mercedes hat Erfolg.

Doch schon vor der Entscheidung der Rennkommissare war es ein Renntag zum Vergessen gewesen für Rosberg, ein Sonntag der Demütigungen. Wegen des Ergebnisses, vor allem aber wegen Hamilton.

Der, gestählt durch zahlreiche Psychokriege in den letzten Jahren, konnte sich demonstrativ in seinem Erfolg suhlen – und genüsslich mit der feinen Klinge Seitenhiebe austeilen. 

Ultimatum hat Spuren hinterlassen

Der Crash am letzten Wochenende in Spielberg, das anschließende Machtwort von Mercedes, die Androhung harter Sanktionen beim nächsten Unfall – und natürlich auch der Rennverlauf in England – hatten Spuren hinterlassen. Bei beiden, doch gänzlich unterschiedliche.

Hamilton jubelte, als ob er schon zum vierten Mal Weltmeister geworden wäre, nach seinem nie gefährdetem Start-Ziel-Sieg sprang er sogar über die Mauer und ließ sich von den Fans auf den Händen tragen. Stage-Diving in der Formel 1.

Er freute sich über das "typisch englische Wetter" – kurz vor Rennbeginn war ein Platzregen über die Strecke niedergegangen, das Rennen war hinter dem Safety Car gestartet worden – wodurch Rosberg die Chance genommen wurde, anzugreifen.

Hamilton suhlte sich im Erfolg

Dann erzählte Hamilton, dass er alles getan habe, um "den Motor zu schonen". Der Abstand zum Zweiten sei ja groß genug gewesen. Noch später antwortete er auf die Frage, wieso er in einem bestimmten Streckenbereich regelmäßig schneller gewesen wäre als Rosberg: "Bigger balls", dickere Eier.

Rosberg bangte da noch um seinen zweiten Platz. Einige Runden vor Schluss waren Getriebeprobleme aufgetaucht, sein Team wies ihn via Funk an, nicht mehr in den siebten Gang zu schalten.

Komplizierte Regelfragen

Das Regelwerk verbietet allerdings neuerdings genaue Fahranweisungen von der Box an die Fahrer. Diese sind nur noch erlaubt, wenn "das Versagen einer Komponente oder eines Systems unmittelbar bevorsteht und potenziell rennendend ist", wie Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff später vorlas.

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Die Kommissare entschieden aber: Der Funkspruch war verboten – und Rosberg komplett der Gelackmeierte.

Doch so oder so hatte Rosberg einige unglückliche Bilder abgegeben an diesem Sonntag. In der 16. Runde war er von Red-Bull-Youngster Max Verstappen überholt worden. Auch wenn er ihn später wieder überholte – nicht gerade das beste Zeichen an den Rivalen. Vor allem nicht, wenn der einsam seine Runden dreht an der Spitze. 

"Lewis ist über Wasser gegangen"

"Verstappen hat mich auf den Intermediates erwischt", sagte Rosberg, "dann habe ich ihn doch noch überholt, obwohl ich zwischenzeitlich nicht mehr daran geglaubt habe", sagte Rosberg.

Dann musste er sich anhören, wie Wolff sich verbal vor Hamilton verneigte – "Lewis ist heute über Wasser gegangen", sagte Wolff. Hamilton, der Erlöser. 

Und Rosberg? Blieb auch nichts anderes übrig, als seinen Intimfeind zu preisen. "Lewis hat das gesamte Wochenende über bessere Arbeit abgeliefert und verdient gewonnen. Herzlichen Glückwunsch an ihn", sagte er.

Rosberg sollte zumindest eine Statistik einige Sorgen bereiten. Immer, wenn Hamilton in Silverstone gewann, wurde er danach Weltmeister. 

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