Fehlstart von Manchester United: Carrick unter Druck

United-Trainer reagiert auf Fehlstart
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United-Trainer reagiert auf Fehlstart

Manchester United befindet sich nach einem historischen Fehlstart an einem Tiefpunkt. Mal wieder. Die Unruhe wächst bereits. Der zum Cheftrainer beförderte Michael Carrick steht schon früh unter Druck.

Ein Slapstick-Gegentor als Sinnbild: Manchester United stand sich beim 1:1 beim FC Fulham einmal mehr irgendwie selbst im Weg. Das Eigentor von Lisandro Martínez (63.) war bezeichnend für die momentane Verfassung des Teams von Trainer Michael Carrick.

Mit einem Fehlpass von Kobbie Mainoo auf Calvin Bassey nahm das Unheil seinen Lauf. Fulhams aufgerückter Verteidiger marschierte einfach los, während United noch vergeblich ein Foul bei der Balleroberung monierte.

Michael Carrick legte mit Manchester United einen historischen Fehlstart hin
Michael Carrick legte mit Manchester United einen historischen Fehlstart hinMichael Carrick legte mit Manchester United einen historischen Fehlstart hin© IMAGO/Shutterstock

Basseys verdeckten Abschluss konnte Senne Lammens nicht festhalten, der Abpraller sprang direkt zu Martínez und von dort trudelte der Ball über die Torlinie. Lammens versuchte noch mit dem Fuß zu retten, was nicht mehr zu retten war, blieb dabei aber auch noch im Rasen hängen.

United-Ikone Neville geschockt: „Absolut erbärmlich“

Und United-Ikone Gary Neville litt als Experte bei Sky Sports mit. „Ich verfolge Manchester United seit meinem fünften Lebensjahr. Das waren die schlimmsten 15 Minuten, die ich je gesehen habe“, sagte Neville über die Anfangsphase der zweiten Hälfte im Craven Cottage: „Absolut erbärmlich.“ Er habe noch nie einen solchen Mangel an Einsatz gesehen, fuhr Neville fort: „Was muss Carrick sich wohl denken?“

Als Nachfolger von Rúben Amorim war der Ex-Profi vor wenigen Monaten noch der gefeierte Retter, führte den englischen Rekordmeister nach zwei Jahren Abwesenheit zurück in die Champions League und wurde vom Interims- zum Cheftrainer befördert.

Doch statt des nächsten Schritts einer Entwicklung erfolgte zum Start der neuen Saison eher ein Rückfall in die nicht allzu ferne, turbulente Vergangenheit.

Nur einmal startete Manchester United auch so schlecht

Nach fünf Spielen hat ManUnited nur magere fünf Punkte auf dem Konto, der einzige Sieg gelang gegen Aufsteiger Ipswich Town. So schlecht startete der Klub zuvor nur in der Spielzeit 2014/15 in die Premier League. Damals landete man am Saisonende sogar noch auf Platz vier.

Aktuell fehlen aber bereits zehn Punkte auf den an der Spitze thronenden Stadtrivalen Manchester City. Dass das entscheidende Tor von Erling Haaland bei der 0:1-Derbyniederlage vergangene Woche im Nachhinein vom englischen Schiedsrichterverband als irregulär eingestuft wurde, passt aus United-Sicht ins Bild.

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Rückschläge musste der Klub im Sommer auch auf dem Transfermarkt hinnehmen. Im Mittelfeld galten nach dem Abgang von Casemiro Elliot Anderson und Mateus Fernandes als Wunschkandidaten. Doch bei Anderson machte Stadtrivale City das Rennen, Fernandes landete bei den Spurs.

Königstransfer Baleba spielt noch keine Rolle

Stattdessen gaben die Red Devils über 170 Millionen Euro für Youri Tielemans, Andrey Santos und Carlos Baleba aus. Santos feierte bei der 0:2-Auftaktpleite gegen Hull City ein unglückliches Startelfdebüt, in den vergangenen beiden PL-Spielen kam er gar nicht mehr zum Einsatz.

Baleba kam immerhin für rund 76 Millionen Euro von Brighton & Hove Albion als Königstransfer nach Manchester, der Deal wurde aber erst Ende August finalisiert. Der 22-Jährige wartet noch auf sein Debüt für seinen neuen Klub.

Carrick bat angesichts der jüngsten Resultate um Geduld. „Es liegt noch eine lange Saison vor uns“, sagte er nach dem Remis bei Fulham, das Matheus Cunha (89.) mit einem abgefälschten Schuss äußerst glücklich kurz vor Schluss sicherte.

Matheus Cunha rettete ManUnited ein Remis gegen Fulham
Matheus Cunha rettete ManUnited ein Remis gegen FulhamMatheus Cunha rettete ManUnited ein Remis gegen Fulham© IMAGO/NurPhoto

Cunha schlägt Alarm – die Unruhe wächst

Der Torschütze schlug indes Alarm. „Wir spielen immer besser, nachdem wir ein Tor kassiert haben“, sagte Cunha bei Sky. „Und so kann es nicht weitergehen.“

Die Unruhe wächst bereits, das spürt auch Abwehrchef Harry Maguire. „Man muss den Lärm einfach ignorieren und wirklich daran glauben und darüber nachdenken, was wir in diesem Jahr erreicht haben – und auch darüber, woran wir noch arbeiten und was wir verbessern müssen –, aber wir sind nicht mehr weit davon entfernt.“

Auch Trainer Carrick spürt die wachsende Kritik. „Ich will das nicht herunterspielen. Wir wollten mehr Punkte, also sage ich nicht, dass alles super ist. Ich verstehe die Frustration. Wir wollten besser sein und wir wollten andere Dinge machen.“

Von der englischen Presse wurde der 45-Jährige bereits angezählt. Er müsse tiefgreifende Veränderungen vornehmen, um nicht „das nächste Opfer des Niedergangs von ManUnited“ zu werden, schrieb The Independent. Der Telegraph titelte: „Michael Carrick wird das nicht überstehen, wenn sich bei Manchester United nichts ändert.“

Experte Keane hatte Bedenken bei Carrick

Bedenken gab es bereits, als im Frühjahr die Frage zu seiner Beförderung noch offen war. Allen voran von Chefkritiker Roy Keane, der sich damals aufgrund Carricks fehlender Erfahrung auf dem Niveau festlegte: „Ich würde es nicht tun.“

Michael Carrick wurde vom Interims- zum Cheftrainer befördert
Michael Carrick wurde vom Interims- zum Cheftrainer befördertMichael Carrick wurde vom Interims- zum Cheftrainer befördert© IMAGO/Craig Mercer

Schon einmal hat United mit der Beförderung eines verdienten Ex-Spielers zum Cheftrainer keinen dauerhaften Erfolg gehabt. Ole Gunnar Solskjaer beerbte in der Saison 2018/19 zunächst als Interimslösung José Mourinho und wurde mit einer Festanstellung belohnt. Im Dezember 2021 musste er nach einer sportlichen Krise gehen.

Nun gibt es aber auch Stimmen, die Carrick den Turnaround zutrauen. „Bei Manchester United sind alle Augen der Welt auf einen gerichtet, das ist eine sehr, sehr harte Herausforderung. Aber er ist ruhig und er ist auch kompetent. Ich bin mir sicher, dass die Ergebnisse schnell kommen werden. Aber die nächsten Spiele sind wichtig“, sagte BBC-Experte Rob Edwards.

Nach der Länderspielpause steht mit dem Duell mit Tottenham Hotspur ein wahrer Krisengipfel auf dem Programm.

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