Was beim Klopp-Debüt nicht im TV zu sehen war
"Kein schlechtes Gewissen!" Klopp kontert Vorwürfe
Jürgen Klopp feiert mit einem Remis gegen die Niederlande seinen Einstand als Bundestrainer. Dabei erlebt der 59-Jährige einen nervenaufreibenden Abend. SPORT1 fasst die auffälligsten Szenen, die nicht immer im TV zu sehen waren, zusammen.
Wenn du Klopp holst, bekommst du Klopp. So lässt sich dieser Abend in Amsterdam zusammenfassen. Energievoll an der Seitenlinie, mit ganz viel Leidenschaft – und das übertrug sich auf seine Spieler.
Klar ist aber auch: Selbst der 59-Jährige kann nicht zaubern. Spielerisch ist beim 1:1 gegen die Niederlande noch viel Luft nach oben. Kein Wunder: Gerade einmal zwei Tage hatte der neue Bundestrainer Zeit, mit seiner Mannschaft zu arbeiten. Und doch zeigte dieser Abend schon jede Menge Klopp. SPORT1 hat die auffälligsten Szenen seines Debüts gesammelt.
Was vor dem Spiel geschah
Noch im Kabinengang nimmt Klopp Nadiem Amiri herzlich in den Arm. Kurz darauf bekommt auch Nathaniel Brown seine persönliche Ansprache. Als sich der Bayern-Star etwas zu trinken holen will, umarmt ihn Klopp von hinten und redet auf ihn ein. Dann schnappt er sich Kevin Schade und gibt auch ihm noch ein paar Takte mit auf den Weg.
Kurz vor Spielbeginn muss der Bundestrainer eine Änderung in seiner Startelf vornehmen. Jamal Musiala fällt aufgrund von Oberschenkelproblemen kurzfristig aus, Amiri rückt in die erste Elf.
Auf den bitteren Musiala-Rückschlag folgt Gänsehaut bei der Nationalhymne! Schon Anfang der Woche hatte Klopp erstaunt festgestellt, dass er diese noch immer mühelos komplett mitsingen kann. „Wusste ich gar nicht“, erklärte er. Für die Hymne nimmt er extra seine „einer von 83 Millionen Bundestrainer“-Cap ab – und singt kräftig mit.
Zu diesem Zeitpunkt ist die Anspannung noch zu spüren. Lange hält sie allerdings nicht an. „Nach zwei Minuten war alles wie immer“, erklärte Klopp auf der PK nach der Partie.
Klopp verhilft Ebnoutalib zum Debüt
Spielminute 1: Mit dem Anpfiff erhebt sich Klopp von seinem Stuhl. Sofort ist er voll drin, coacht intensiv und lautstark. Mal stehen die Hände hinter dem Rücken, mal verschwinden sie lässig in den Hosentaschen. Klopp deutet Passwege an, spendet immer wieder Applaus über dem Kopf für gelungene Aktionen, gibt aber auch klare Anweisungen. Auffällig: Anders als sein Trainerkollege nebenan verlässt Klopp dabei nur selten seine Coaching-Zone.
Spielminute 15: Kurz der Schock! Die Niederlande treffen vermeintlich zur Führung, doch der VAR schaltet sich ein und nimmt den Treffer von Virgil van Dijk zurück. Klopp nutzt die Unterbrechung sofort und winkt die komplette Mannschaft zu sich. Besonders Schade bekommt erneut zahlreiche Anweisungen.
Spielminute 27: Sorgenfalten beim Bundestrainer. Für seinen England-Legionär Kai Havertz geht es nicht weiter. Auf dessen Weg in den Kabinentrakt flüstert Klopp ihm noch ein paar Worte zu. Dann schenkt er dem Frankfurter Younes Ebnoutalib sein Länderspiel-Debüt.
Klopp kann Adeyemi-Fehlschuss nicht glauben
Spielminute 32: Jubel! Deutschland führt durch einen Treffer von Felix Nmecha. Völlige Ekstase bei Klopp? Nicht unbedingt. Dafür gibt es ein breites Grinsen, die geballte Faust und Abklatschen mit seinem Trainerteam.
Spielminute 39: Klopp kann es nicht glauben! Karim Adeyemi lässt die Riesenchance auf das 2:0 liegen. Der Bundestrainer pustet tief durch, reißt die Augen auf, beißt vor Fassungslosigkeit die Zähne zusammen – und grinst. Dann der schnelle Wechsel: Statt Ärger gibt es Applaus für die Aktion.
Spielminute 45: Jetzt reißt es Klopp endgültig aus seinem Stuhl! Wutentbrannt und mit rudernden Armen springt er auf. Was war passiert? Ein vermeintlicher Ellbogenschlag gegen Adeyemi! Der vierte Offizielle staunt nicht schlecht, als Klopp aufgebracht an ihm vorbeihüpft. Plötzlich macht der Bundestrainer aber kehrt, entschuldigt sich sofort beim Schiedsrichter-Assistenten und klärt die Situation auf. Sein Unmut galt offenbar gar nicht dem ausgebliebenen Pfiff, sondern der fehlenden Arbeit gegen den Ball seiner Schützlinge – in diesem Fall Ebnoutalib. Dann erst einmal durchatmen. Halbzeit!
Klopp sah das Unheil bereits kommen
Spielminuten 46 bis 89: Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Klopp ist sofort wieder da, coacht intensiv und versucht permanent Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Auch seine insgesamt vier Einwechselspieler bekommen vor ihrer Hereinnahme klare Anweisungen. Die ausgewechselten Profis werden dagegen abgeklatscht und umarmt. Doch Klopp muss mit ansehen, wie die Niederländer immer stärker auf den Ausgleich drängen. Deutschland gerät zunehmend unter Druck.
Spielminute 90: Dann passiert, was sich immer stärker angedeutet hatte: der Ausgleich! Das Unheil hatte Klopp beim Ballverlust von Serge Gnabry bereits kommen sehen. Nach einem Fehler des Bayern-Stars schlägt er die Hände vors Gesicht. Wenige Augenblicke später ist der Ball drin. Ohne Zweifel: Der Treffer ist wunderschön herausgespielt. Traum-Assist per Außenrist von Ruben van Bommel – Sohn von Bayern-Legende Mark van Bommel. „Vom Vater hat er es nicht. […] Der Außenrist muss von der Mutter kommen“, erzählte Klopp vom Gespräch mit dem niederländischen Debütanten nach der Partie.
Herzliche Umarmung für Ex-Spieler Gakpo
Abpfiff! Klopp klatscht praktisch mit jedem ab, der ihm über den Weg läuft – egal, ob aus dem eigenen oder dem gegnerischen Team. Viele der Akteure kennt er ohnehin bestens.
Dann schnappt sich Klopp ausgerechnet den Mann, der ihm sein Debüt vermasselt hat: Cody Gakpo. Obwohl sein früherer Liverpooler „Schüler“ den Einstand als Bundestrainer getrübt hat, gibt es eine herzliche Umarmung. Anschließend klatscht Klopp auch seine eigenen Spieler der Reihe nach ab.
Dann geht es ab zu den Fans! Gemeinsam mit Joshua Kimmich geht Klopp zunächst stolz voran in Richtung der mitgereisten DFB-Anhänger. Dann lässt er sich doch etwas zurückfallen, beobachtet die Szenerie und führt erneut einige Gespräche mit seinen Schützlingen.
Klopp sichert sich Trikot von van Dijk
Klopp schnappt sich noch im Stadion das Trikot von Virgil van Dijk und nimmt es sogar mit auf die Pressekonferenz. Auch dort gibt er ausführlich Auskunft, wirkt nach dem langen Arbeitstag kein bisschen müde und hat noch genügend Energie für den einen oder anderen Spruch. Unter anderem scherzt er über die „Schande“-Aussagen seitens der Gastgeber.
Feierabend ist danach noch immer nicht. Klopp bleibt noch einige Minuten und hält ein Pläuschchen mit alten Bekannten, die Klopp aus seiner Zeit beim FC Liverpool kennt.
Ob er direkt ins Bett fällt? Wohl kaum. Klopp kann es kaum erwarten, das Spiel noch einmal anzuschauen. Und wieso auch? „Ich schlafe eh schon zu wenig“, erklärte er bei den Kollegen von RTL auf die Frage, ob er denn wie Joachim Löw immer auch einen Espresso haben wolle. Und dann war es das: Die energievolle Klopp-Show geht am Sonntag in Augsburg gegen Griechenland (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) in die nächste Runde.