Wolfsburg wie der FC Bayern? Damar gibt offene Einblicke

Erwartungsdruck in Wolfsburg? Damar bleibt entspannt
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Erwartungsdruck in Wolfsburg? Damar bleibt entspannt

Muhammed Damar spielt sich nach seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg in den Blickpunkt. Der 22-Jährige hat sich noch nicht entschieden, ob er lieber für den DFB oder die Türkei aufläuft.

Der VfL Wolfsburg ist solide in die Zweitliga-Saison gestartet, in der der Bundesliga-Absteiger als ganz klarer Titelfavorit zählt. Mittendrin ist Muhammed Damar, der von der TSG Hoffenheim zu den Wölfen gewechselt ist und direkt als Strippenzieher im Mittelfeld auf sich aufmerksam gemacht hat. Beim 5:1-Sieg gegen Darmstadt vor der Länderspielpause feierte Damar seine Torpremiere für die Niedersachsen.

Der 22-Jährige spricht im SPORT1-Interview über den Druck, der in Wolfsburg herrscht, und nimmt zu Vergleichen mit dem FC Bayern München Stellung. Zudem verrät Damar seine Gedankenspiele, ob er künftig lieber für die Nationalmannschaft von Deutschland oder der Türkei auflaufen will.

Muhammed Damar will mit dem VfL Wolfsburg aufsteigen
Muhammed Damar will mit dem VfL Wolfsburg aufsteigenMuhammed Damar will mit dem VfL Wolfsburg aufsteigen© IMAGO/Claus Bergmann

SPORT1: Herr Damar, im Training gab es eine spannende Situation: Ihr Cheftrainer Tobias Strobl musste als Bestrafung Liegestütze machen. Das hat Seltenheitswert, wenn der Coach vor der Mannschaft das macht. Wie kam es dazu?

Muhammed Damar: (schmunzelt) Das ist ganz einfach: Er hat eine Wette verloren. Wir haben Torabschlüsse trainiert, wir Spieler gegen die Trainer. Der Coach hat eine Zahl reingeworfen, die wir aber übertroffen haben.

SPORT1: Und die Bälle, die daneben gingen, hat der Coach dann aus dem Gebüsch geholt. Auch das ist eher unkonventionell, dass der Cheftrainer solche Aufgaben übernimmt.

DEINE MEINUNG

Damar: Ja, wir haben einfach alle eine gute Verbindung zu ihm. Ein sehr gutes Verhältnis, auch weil er eine gewisse Art von Lockerheit reinbringt. Gleichzeitig merkt man, dass er als Trainer ein enormes Standing besitzt und uns anführt. Aber er kann auf dem Platz auch der lockere Typ sein, und das gefällt uns Spielern.

Damars besondere Verbindung zu früheren Trainern

SPORT1: Hatten Sie schon einmal eine ähnlich gute Verbindung zu einem anderen Coach?

Damar: Auch mit André Breitenreiter (in Hoffenheim; Anm. d. Red.) oder Horst Steffen (in Elversberg; Anm. d. Red.) hatte ich ein besonderes Verhältnis. Sie haben mir auch ein gutes Gefühl gegeben.

SPORT1: Was auffällt: Sie haben Ihre Haare blond gefärbt. Steckt eine Wette dahinter?

Damar: (lacht) Nein, das kam ganz spontan. Hier in Wolfsburg ist es ein neuer Abschnitt. Vielleicht bringt es Glück.

Warum Damar zurück in die 2. Liga gewechselt ist

SPORT1: Sie sind nun seit zwei Monaten beim VfL Wolfsburg. Sind Sie gut angekommen in der Stadt und beim Verein?

Damar: Tatsächlich fühlt es sich schon viel länger an, was sehr positiv ist! Seit dem ersten Tag fühle ich mich hier sehr wohl und heimisch. Es ist alles familiär, auch mit dem Trainer habe ich ein gutes Verhältnis. Genau so, wie ich es mir vorgestellt habe, um den nächsten Schritt zu gehen. Wir haben hier sehr gute Bedingungen. In der Stadt ist es eher ruhig. Wenn ich ehrlich bin, bin ich aufgrund meiner Berliner Herkunft eher der Stadtjunge. Aber gerade als Familienvater ist es ein sehr lebenswerter Ort. 

SPORT1: Sie haben sich entschieden, in die zweite Liga zu wechseln, obwohl auch Bundesligisten an Ihnen dran waren. Warum sind Sie nicht im Oberhaus geblieben?

Damar: Ausschlaggebend waren die guten Gespräche und der Trainer sowie die Überzeugung, dass ich hier die Spielpraxis bekomme.

FC Bayern? „Wir wissen, dass die Außenwelt uns so wahrnimmt“

SPORT1: Wie fühlt es sich an, mit dieser Mannschaft als Bayern München der zweiten Liga betitelt zu werden?

Damar: Aktuell stehen wir noch nicht da, wo die Bayern stehen. Aber ja, ich weiß, dass man uns als die Bayern der zweiten Liga sieht. Wir wollen wirklich ganz entspannt bleiben und von Spiel zu Spiel schauen.

SPORT1: Waren die Bayern-Vergleiche schon Thema in der Kabine?

Damar: Ja, schon. Wir wissen schon, dass die Außenwelt uns so wahrnimmt. Aber wir machen uns nicht verrückt.

SPORT1: Diese Mannschaft ist doch aber eigentlich zu gut für die zweite Liga?

Damar: Wir haben schon sehr gute Spieler und sind eine super Truppe. Es braucht Zeit, bis wir uns eingespielt haben, weil viele Spieler neu sind, so wie ich. Wir wollen gar nicht denken: Wir müssen jetzt aufsteigen, sondern wirklich von Spiel zu Spiel schauen.

Der VfL Wolfsburg ist klarer Titelfavorit in der 2. Liga
Der VfL Wolfsburg ist klarer Titelfavorit in der 2. LigaDer VfL Wolfsburg ist klarer Titelfavorit in der 2. Liga© IMAGO/HMB-Media

SPORT1: Mit Fabian Reese, Robert Glatzel, Alexander Bernhardsson oder Hauke Wahl kamen Spieler, die allesamt schon die Kapitänsbinde bei ihren vorherigen Klubs getragen haben und den Anspruch haben, Führungsspieler zu sein. Harmoniert das aktuell?

Damar: Das funktioniert wirklich gut! Die Führungsspieler gehen voran und sind ein wichtiger Teil der Gruppe. Sie nehmen jeden mit, auch die jungen Spieler. So zieht jeder mit und hat das Gefühl, dazuzugehören.

SPORT1: Um Ihren guten Freund Fisnik Asllani gab es im Sommer einen großen Wechselwirbel, nachdem der Transfer zu RB Leipzig gescheitert ist. Haben Sie ihn danach aufbauen müssen?

Damar: Ihm geht es gut. Er ist ein professioneller Junge. Ich muss ihm auch nicht helfen oder Ähnliches. Er kann das einstecken und weiß, wie er jetzt vorangeht. Er wird definitiv seinen Weg machen. Ich sehe ihn ganz weit oben. Er ist ein Mentalitätsmonster und vergisst nicht, wo er herkommt. Da mache ich mir keine Sorgen.

Damar wäre gerne bei der U21 dabei gewesen

SPORT1: Blicken wir auf den DFB und die besondere Nominierung für die Nations-League-Spiele. Mit vielen Debütanten wie beispielsweise Bambasé Conté, Mika Baur, Younes Ebnoutalib oder auch Finn Jeltsch haben Sie bereits zusammengespielt. Haben Sie den Jungs gratuliert?

Damar: Ich habe den Debütanten geschrieben und gratuliert. Jeder träumt davon, und deswegen muss man da auch seine Glückwünsche ausrichten. Ich bin stolz und glücklich, dass sie es geschafft haben. Und ich hoffe, dass ich auch bald oben mitspiele. Es ist schon das Ziel, dass ich dort oben reinkomme.

SPORT1: Bei der U21-Nominierung wurden Sie diesmal nicht berücksichtigt. Tat das weh?

Damar: Ich wäre gerne dabei gewesen. Aber ich kann damit leben. Ich akzeptiere die Meinung des Trainers. Ich konzentriere mich jetzt auf Wolfsburg und mache mich nicht verrückt deswegen.

Muhammed Damar lief in der Vergangenheit für die deutsche U21-Nationalmannschaft auf
Muhammed Damar lief in der Vergangenheit für die deutsche U21-Nationalmannschaft aufMuhammed Damar lief in der Vergangenheit für die deutsche U21-Nationalmannschaft auf© IMAGO/DeFodi Images

Türkei oder Deutschland: Damar ist noch unentschlossen

SPORT1: Sie hätten auch noch die Chance, für den türkischen Verband zu spielen. Wie sehen Ihre Überlegungen aus?

Damar: Mein Herz schlägt schon für beide Nationen. Das muss ich ehrlicherweise sagen. Deswegen schließe ich nichts aus. Aber es ist mir eben auch eine große Ehre, für Deutschland zu spielen. Ich habe jetzt alle deutschen Jugendnationalmannschaften durchlaufen und es hat immer Spaß gemacht.

SPORT1: Zeigt die aktuelle Nominierung, dass man sich womöglich nicht zu früh für eine Nation entscheiden sollte?

Damar: Ich bin da wirklich ganz entspannt. Es kommt wirklich von alleine. Wenn die Leistungen stimmen, werden die Nationaltrainer auf dich aufmerksam.

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