Brisante Situation um Irland-Profi Azaz gegen Israel
Die Nations-League-Begegnungen zwischen Irland und Israel haben die reine sportliche Bedeutung längst überschritten. Besonders für Irlands Finn Azaz ist die Situation brisant. Der Nationalspieler ist der Enkel eines bekannten israelischen Künstlers.
„Ein Tag wie kein anderer im irischen Fußball“, titelte die irische Sportzeitung The42 am Sonntag vor dem umstrittenen Nations-League-Spiel zwischen Irland und Israel (3:0). Die ungarische Stadt Debrecen werde laut dem Blatt als Austragungsort auf neutralem Boden in die Geschichte des irischen Fußballs eingehen.
Für den irischen Nationalspieler Finn Azaz wurde es auf jeden Fall ein denkwürdiger Abend. Denn der 26-Jährige hat israelische Wurzeln und steht damit ungewollt im Mittelpunkt der beiden aufgeladenen Duelle.
Der irische Fußballverband FAI hatte es der Mannschaft überlassen, ob sie in dem politisch aufgeladenen Spiel antritt oder nicht. In einer internen Abstimmung sprach sich die Mehrheit der Spieler für die Partie aus. Unklar bleibt, wie die Wahl von Azaz ausfiel.
Azaz könnte auch für Israel auflaufen
Wie mehrere Medien aus Israel und Irland berichten, ergriff der offensive Mittelfeldspieler im Vorfeld des Votums das Wort und legte seinen Kollegen auch die israelische Perspektive dar. Azaz ist der Enkel des verstorbenen israelischen Bildhauers Nehemia Azaz.
Auch seine Großmutter war Israelitin. „Sie war eine ganz besondere und einzigartige Frau. Sie diente als Generalin in der israelischen Armee, kam dann nach England und baute dort ganz allein ein äußerst erfolgreiches Unternehmen auf“, verriet er einst in einem Interview mit der Sunday Times Ireland.
Aufgrund seiner familiären Hintergründe wäre Azaz auch für die israelische Nationalmannschaft spielberechtigt.
In Westminster geboren, entschied sich der Sohn eines Iren dann aber für die „Boys in Green“. „Es war schon immer Irland. Als Kind war ich oft hier, natürlich wegen meines Vaters. Es war schon immer mein Ziel, für Irland zu spielen“, erklärte er vor einigen Jahren.
Irische Medien spekulieren über Rücktritt
15 Länderspiele sind es seitdem für den Spieler vom FC Southampton, bei dem er gemeinsam mit Israels Torwart Daniel Peretz unter Vertrag steht. Gegen das Land seines Großvaters kam kein weiteres dazu. Das erste Duell am Sonntag verfolgte Azaz über 90 Minuten von der Bank. Wenige Tage zuvor hatte er gegen den Kosovo noch durchgespielt.
Angesichts der prekären Situation brachte The42 sogar seinen Rücktritt aus der Mannschaft ins Spiel. Azaz selbst äußerte sich bislang während der gesamten Debatte nicht öffentlich, sondern schweigt. Mutmaßlich bewusst mit Hinblick auf seine brisante Situation.
Angespannte politische Lage zwischen den Ländern
Schon bei der Auslosung der Nations-League-Gruppen hatte die Paarung zwischen den beiden Ländern für Aufregung gesorgt. Irland positionierte sich im jüngsten Konflikt um den Gazastreifen früh gegen das militärische Vorgehen Israels und hatte 2024 offiziell den Staat Palästina anerkannt.
Die Austragung des Spiels stand bis kurz zuvor auf der Kippe. Selbst die strengen Abläufe der UEFA bekamen das zu spüren, als Pressetermine wegen andauernder interner Besprechungen verschoben werden mussten. In einer sportlich eindeutigen Partie setzte sich Irland schließlich mit 3:0 durch.
Im Vorfeld war jedoch auf sämtliche sonst üblichen Höflichkeiten wie den Wimpeltausch oder Handshakes verzichtet worden. Während der israelischen Hymne senkte die gesamte irische Mannschaft die Köpfe. Als „Würdigung aller im Gaza-Konflikt verlorenen Menschenleben“ liefen sie zudem mit Trauerflor auf.
Am kommenden Sonntag – exakt sieben Tage nach dem aufgeladenen Aufeinandertreffen – steht das erneute Duell an, wieder auf neutralem Boden im serbischen Backa Topola. Wie schon im Hinspiel kündigte Irlands Keeper Gavin Bazunu an, nicht im Kader zu stehen.
Israels Kapitän Manor Solomon kritisierte das Verhalten der Iren und kündigte „Revanche“ an. Ob Azaz dann sportlich eine Rolle spielt, bleibt abzuwarten.