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München und Berlin - In der BBL-Finalserie kommt es zum Showdown zwischen ALBA Berlin und dem FC Bayern. Jan Jagla, der bei beiden Klubs spielte, schätzt die wichtigsten Faktoren ein.

Es ist der erwartete Titel-Showdown.

Und doch stellt sich mehr denn je die Frage, auf welchem Niveau das Playoff-Finale der easycredit BBL zwischen den Basketball-Giganten ALBA Berlin und FC Bayern München tatsächlich steigen wird angesichts einer beispiellos strapaziösen Saison - und welche Protagonisten es am Ende entscheiden. (NEWS: Alles zur BBL)

Schon vor dem Start in die Endspiele in der Basketball-Bundesliga am heutigen Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVE bei SPORT1 im TV und im Stream) müssen ALBA und Bayern mit ihren Kräften haushalten - und nun drohen fünf Finalspiele binnen maximal sieben Tagen. 

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Eine Belastung, die auch Stefan Holz bewusst ist und deren Hintergründe der BBL-Geschäftsführer bei SPORT1 erklärte: "Die Vereine leben damit. Zumal sie die Entscheidung ja auch mit getroffen haben." (NEWS: Hoeneß schimpft über Belastung)

Worauf also wird es ankommen? Welche Spieler dürften in den Fokus rücken, wie lauten die Schlüsselduelle? Und welchen Einfluss haben nicht zuletzt die Trainer und die Rückkehr der Fans? Mit Jan Jagla, früherer Nationalspieler, der sowohl bei den Bayern (2011 bis 2013 sowie 2014/15) als auch ALBA (2013/14) gespielt hat, macht SPORT1 den Check.

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Faktor Trainer: Trinchieri versus Aíto García Reneses

Bayerns Coach gilt als Perfektionist, Heißsporn und Psychologe. Bemerkenswert: Bisweilen macht Bayerns italienischer Coach seine Spieler auch schon mal öffentlich rund - während auf Berliner Seite Aíto García Reneses Konflikte stets intern klärt, niemanden nach Außen hin anzählt. (NEWS: Bayern-Coach will verlängern)

Für Jagla stehen beiden erfahrenen Übungsleiter jedoch auf einer Stufe. "Es sind total unterschiedliche Typen. Beide sind sehr gute Coaches, die vor jedem Spiel und vor jeder Serie noch viel bei den Teams verändern und umstellen können. Beide können auch schnell auf Probleme reagieren, die in einem Spiel oder einer Serie entstehen."

Die Playoffs der easyCredit BBL LIVE im TV auf SPORT1 und im Stream

Faktor Berliner Heimrecht:

Dass die Berliner Heimrecht haben, ist für Ex-ALBA-Profi Jagla ein minimaler Vorteil, weil man im eigenen Bett immer besser schlafe und auch auf die eigenen Körbe immer leichter werfe.

Ein entscheidender Faktor ist das Heimrecht aber nicht. Beide Teams können mit jeweils 1.000 Zuschauern in der Halle planen. Diese dürften im kompakteren Audi Dome in München aber deutlich besser zur Geltung kommen, als in der großen Halle in der Hauptstadt. (NEWS: Auch Bayern darf vor Fans spielen)

"Die Statistiken sagen, dass das Heimrecht in dieser Corona-Saison fast unwichtig war - sogar in der NBA."

Trainer Aito Garcia Reneses will ALBA Berlin zum Meistertitel führen
Trainer Aito Garcia Reneses will ALBA Berlin zum Meistertitel führen © Imago

Faktor Taktik und Spielweise:

Für Jagla ist eines klar: "Diese Serie wird in der Verteidigung gewonnen, dabei haben die Bayern gegenüber ALBA einen kleinen Vorteil." So lebten die Münchner deutlich mehr von ihrer Verteidigung und könnten Spiele auch im Low Scoring gewinnen. 

"München hat die gesamte EuroLeague-Saison von seiner Defense profitiert. Und gerade in einer Zeit, in der die Köpfe müde sind, kann das entscheidend sein", ist sich der frühere Münchner sicher. Abschreiben würde Jagla die Berliner deswegen aber noch lange nicht. "ALBA hat gegen Ulm gezeigt, dass sie immer neue Ideen in das Spiel einbringen können."

Faktor Fitness:

ALBA-Kapitän Niels Giffey erwartet "so ein bisschen das Überleben des Fittesten". Jagla sieht das Thema ein wenig anders. Zwar mussten beide Teams zuletzt eine Menge Spiele absolvieren, trotzdem "fand ich die körperliche Fitness bei beiden Mannschaften zuletzt noch sehr gut", so der 39-Jährige. "Auch wenn viele Spieler immer wieder die Müdigkeit ansprechen, ich sehe sie eigentlich nur im Kopf der Spieler", so Jagla.

"Es wird trotzdem schnell nach vorne gelaufen, hart in der Verteidigung gekämpft. Es ist die mentale Müdigkeit einer unfassbar langen Saison mit vielen Spielen und vielen Reisen. Und das in einer Zeit, in der das Reisen unkomfortabel geworden ist. Es wird darauf ankommen, wer damit besser zurechtkommt, wer den Schalter besser umlegen kann."

Faktor Führungsspieler:

In einer Finalserie kommt es selbstverständlich auch auf Erfahrung und Führungsstärke an. Gleich gefordert werden die Profis beider Teams dabei aber nicht. "Die Führungsspieler von ALBA stehen noch mehr in der Verantwortung, weil der Trainer eine andere Art hat, mit den Spielern umzugehen und deswegen mehr Druck auf ihnen lastet. In München ist der Trainer dagegen sehr dominant", meint Jagla.

Bei den Berlinern müssen Spieler wie Kapitän Niels Giffey oder der zurückkommende Luke Sikma vorangehen. In München hängt dagegen einiges davon ab, in welcher Form sich Vladimir Lucic befindet.

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Faktor Ausfälle und Personal:

Die diversen Ausfälle auf beiden Seiten machen eine Vorhersage schwer. Niemand weiß genau, welche Spieler für wie viele Minuten in welcher Verfassung auf den Court zurückkehren. In diesem Punkt sieht Jagla den wohl größten Unterschied zwischen beiden Mannschaften.

Die Bayern hoffen und bauen auf den Einsatz des zuletzt nach einer knapp dreimonatigen Zwangspause genesenen Nihad Djedovic. Fünf Kurzeinsätze hatte er bislang, gegen Ludwigsburg stand er zuletzt 17 Minuten auf dem Feld. 

"Eigentlich dürfte Djedovic nach seiner langen Pause kein entscheidender Faktor sein, ich habe aber auch schon viele Spieler gesehen, die nach einer langen Verletzungspause in kürzester Zeit wieder ihren Rhythmus gefunden haben und zum wichtigen Faktor wurden", wagt Jagla eine erste Prognose.

Nihad Djedovic durfte gegen Ludwigsburg 17 Minuten spielen
Nihad Djedovic durfte gegen Ludwigsburg 17 Minuten spielen © Imago

Deutlich wichtiger dürfte die Personalfrage bei den Berlinern sein. "Bayern hat gute Lösungen für die Verletzten (z.B. Nick Weiler-Babb) gefunden. Bei ALBA sind die Spieler, die fehlen, auf dem höchsten Finals-Niveau doch noch einmal wichtiger. Wenn ALBA erfolgreich sein will, müssen Spieler zurückkommen. Mit der Aufstellung, mit der sie im Halbfinale gespielt haben, hätten sie im Finale Probleme, weil offensiv nicht die ganz großen Ideen vorhanden waren", ist sich der 39-Jährige sicher.

Besonders wichtig wäre in seinen Augen die Rückkehr von Power Forward Luke Sikma, um "die Offensive zu strukturieren und den Ball zu verteilen". 

Auch Johannes Thiemann wird von den Berlinern schmerzlich vermisst, mit Christ Koumadje steht aber zumindest ein vernünftiger Ersatz bereit. Dieser dürfte zwar vor allem gegen schnelle Spieler wie Bayerns Wade Baldwin Probleme haben, dennoch könnte man den Thiemann-Ausfall damit "schon kompensieren".

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