Wie Brinkmann: Ex-Fußballer rocken den Dschungel
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München - Für Ansgar Brinkmann geht es ab Freitag im Dschungelcamp zur Sache. Davor spricht der frühere Profi-Fußballer bei SPORT1 über die Gründe und was er erwartet.

Ansgar Brinkmann spielte nie bei den ganz großen Vereinen. Und doch war seine Karriere als Fußball-Profi schillernd, weil er als "Enfant Terrible" für den einen oder anderen Skandal sorgte.

Der "Weiße Brasilianer", wie er aufgrund seiner Tricks am Ball bis heute genannt wird, hat rund 400 Einsätze in der Bundesliga und 2. Bundesliga auf dem Buckel (unter anderem für Arminia Bielefeld und Eintracht Frankfurt).

Heute nutzt der 48-Jährige nebenbei seine Kontakte, hat zum Beispiel Lukas Podolski den Vertrag beim japanischen Erstligisten Vissel Kobe besorgt. Ab Freitag will Brinkmann wieder für Schlagzeilen sorgen, wenn er in das RTL-Dschungelcamp einzieht.

Im SPORT1-Interview verrät der Kult-Kicker, warum er das macht, spricht über Fehler in der Karriere und lobt Kevin-Prince Boateng.

SPORT1: Herr Brinkmann, warum gehen Sie ins Dschungelcamp?

Ansgar Brinkmann: Ich bin neugierig und abenteuerlustig. Ich mache es nicht nur wegen der Kohle. RTL hat mich das erste Mal vor acht Jahren gefragt, da hätte ich das Geld gebraucht, heute nicht. Ich bin kein geldgieriger Mensch. Ich muss da nicht rein.

SPORT1: Ist es wirklich die reine Abenteuerlust?

Brinkmann: Geld hat mich wirklich nicht primär angetrieben. Wer mich kennt, der weiß, dass das nicht der Grund ist. Warum gehe ich also ins Dschungelcamp? Ich habe nur das eine Leben. RTL hat mich so oft gefragt und mit 60 wollte ich das nicht mehr machen und kurz nach der Karriere auch nicht. Jetzt mit 48 will ich mir den Wahnsinn mal antun. Und seit wann fragt Ansgar Brinkmann irgendjemand, was er in seinem Leben macht? Das wäre ganz neu.

SPORT1: Hat RTL Sie jetzt überzeugen müssen oder haben Sie sofort Ja gesagt?

Brinkmann: Sie haben mich im April das erste Mal für die neue Staffel gefragt und sagten mir, dass es die letzte Anfrage sein wird. Ich habe in den vergangenen Jahren alles abgesagt, ob das "Promi Big Brother" war oder Werbeverträge wie mit der Weltmarke Jim Beam. Ich habe einfach mein Ding gemacht, habe Freunde getroffen und mir meine Zeit einteilen können, was auch ein Geschenk ist. Aber mein Talent bezahlt ein bisschen mein Leben und das meine ich gar nicht arrogant. Arbeiten ist kein Problem für mich. Viele Menschen müssen arbeiten, das habe ich nicht exklusiv. Ich bin mit null Euro in meine Karriere und mit einem Minus raus, das muss man erst mal hinkriegen. (lacht laut)

"Wäre bescheuert, wenn ich das nicht mache"

SPORT1: Können Sie verraten, wie viel Geld Sie fürs Dschungelcamp bekommen?

Brinkmann: Über Vertragsinhalte sage ich grundsätzlich nichts. Nur soviel - RTL hat mich finanziell etwas bedroht. (lacht) Ganz ehrlich? Ich wäre bescheuert, wenn ich das nicht machen würde.

SPORT1: Auf welche Dschungelprüfung freuen Sie sich besonders und auf welche würden sie lieber gerne verzichten?

Brinkmann: Ich gehe da rein und weiß, dass das anstrengend wird. Das wird psychisch und physisch nicht leicht. Da werde auch ich an meine Grenzen kommen. Diese sportlichen Prüfungen sind okay, darauf freue ich mich mehr als auf die Ekel-Prüfungen, bei denen ich etwas essen muss. Wenn mir einer erzählt, er freue sich darauf Krokodil-Hoden zu essen, dann kann er nicht alle Tassen im Schrank haben. Ich freue mich auf gar keine Ess-Prüfung. Da will man dich scheiße aussehen lassen, haut dir Ketchup und Maden ins Gesicht und überkippt dich mit irgendwelchem Zeug. Jeder, der normal unterwegs ist, kann das nicht gut finden. Aber das ist Show und es gibt viel Schlimmeres auf der Welt.

SPORT1: Es gab immer wieder Ex-Fußball-Profis wie Ailton, Thorsten Legat oder Thomas Häßler im Dschungel. Warum sind Ex-Kicker so interessant für das Camp?

Brinkmann: RTL hat diese gewisse Mischung aus Schauspielern, Mädels aus "Germany's Next Top Model" und Ex-Fußballern. "Icke" Häßler war immerhin ein ehemaliger Welt- und Europameister. Wenn ich in Afrika ein Problem hätte, müsste ich mich zur deutschen Botschaft durchschlagen, bei "Icke" schickt die Bundeskanzlerin gleich die GSG 9 los. Er hat das Bundesverdienstkreuz und ist ein Volksheld. Vor seinen Erfolgen ziehe ich den Hut. Ich finde es verrückt, aber Ex-Fußballer gehören nun mal zu dieser Mischung dazu.

Brinkmann muss nicht Dschungelkönig werden

SPORT1: Häßler war sehr ruhig im Camp, Legat war der große Anführer. Wie wollen Sie vorgehen?

Brinkmann: Ich habe kein Konzept und brauche auch keins, um dieses Ding zu gewinnen. Ich muss nicht Dschungelkönig werden. Ich habe 20 Jahre Abstiegskampf gespielt und auch nichts gewonnen. Ich gehe ins Camp und gucke, was passiert. Dort irgendeine Rolle zu spielen, halte ich für verkehrt. Das würde nicht gut gehen.

SPORT1: Und wenn Sie Zoff hätten mit einem der anderen Kandidaten?

Brinkmann: Ich bin grundsätzlich ein Menschenfreund und habe Respekt vor jedem, ganz egal, wer was macht. Jeder hat Respekt verdient. Ich mache jetzt keine Ferndiagnose, aber ich schließe nicht aus, dass ich etwas sage, wenn mich einer der anderen Camp-Bewohner nervt. Vielleicht beschwert sich einer auch über mich. Das Leben ist keine Einbahnstraße. Ich sehe das als Show. Im Dschungelcamp musst du nicht die Welt verbessern. Lieber etwas mehr Humor an den Tag legen und toleranter sein, als angepisst zu sein.

SPORT1: Gab es etwas, was RTL wollte, Sie aber abgelehnt haben?

Brinkmann: Natürlich habe ich einen Vertrag mit RTL. Vertrag hin oder her - Ich will einfach fair behandelt werden! Mir etwas vorschreiben, das haben schon 40 Trainer vor RTL versucht und das hat auch nicht geklappt. (lacht)

Spiel steht an erster Stelle

SPORT1: Sie wurden immer als "Enfant Terrible" bezeichnet. Wie viel davon steckt noch in Ihnen?

Brinkmann: Ein paar Sachen wird man nicht los. Ich war sehr rebellisch und habe Aktionen gebracht, die waren schon zu meiner Zeit nicht okay. Heute würde ich kein Ausbildungszentrum dieser Welt überstehen. Aber das ist auch egal, denn alles hat seine Zeit und meine ist vorbei. Jetzt sind andere dran. Ich bin einfach neugierig auf das Camp und will immer wissen, was hinter der nächsten Kurve ist.

SPORT1: Werden Sie einen Talisman mit auf Ihre Pritsche nehmen? Einen Arminia-Schal?

Brinkmann: Das wäre zu plakativ. Das wäre nicht ich. Ich habe als Profi immer ehrliche Arbeit abgeliefert, wollte Städte erobern und habe für Ruhm Fußball gespielt. Für mich war nur das Spiel geil, erst dann kamen bei mir die anderen Gründe, wer was kostet und wer wie viel verdient. Wenn mein Name gerufen wird, dann freue ich mich, aber ich würde keinen Wimpel, Schal oder Trikot mitnehmen. Zwei Dinge darf ich mitnehmen, das werden praktische Dinge sein. Vielleicht ein Kissen, einen Schutz für die Augen oder etwas Emotionales. Aber das lasse ich noch offen.

SPORT1: Bereuen Sie etwas in Ihrer Karriere?

Brinkmann: Ja. Erfahrung schlägt oft Intelligenz, gut ist, wenn man beides hat. Ich würde nicht wieder alles so machen, wie ich es gemacht habe. In meinem Leben war so viel Tempo drin und wie alles passiert ist, das konnte ich nicht planen.

SPORT1: Gibt es heutzutage noch echte Typen wie Sie?

Brinkmann: Kevin-Prince Boateng ist einer. Er geht seinen Weg, ist meinungsstark und bringt Leistung. Nur, wenn du auf dem Platz etwas taugst, dann finden dich alle gut. Nur große Fresse haben, das reicht nicht. Alles, was du hast, musst du deiner Mannschaft geben. Ein wahnsinniges Gefühl ist es, auf dem Platz zu stehen und zu wissen, dass dir keiner etwas kann. Das soll auch im Dschungel so sein.

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