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München - Nach seinem Sieg bei der Darts-WM gegen Suljovic platzt Gary Anderson der Kragen. Auch van Gerwen teilt gegen Wright aus. Es ist nicht der erste Zoff unter Kollegen.

"Absolut entsetzlich. Ein Witz von einem Spiel. Alle fragen mich, warum ich mich immer mehr vom Darts entfremde. Das ist einer der Gründe".

So wütete Gary Anderson nach seinem Zweitrundensieg bei der Darts-WM 2021 gegen seinen langsam agierenden Kontrahenten Mensur Suljovic am Mikrofon von Sky Sports, nachdem er das obligatorische Siegerinterview zunächst verweigert hatte. (Darts-WM mit Gabriel Clemens bis 3. Januar LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER)

Der Schotte drohte sogar mit seinem Rücktritt, falls so etwas erneut passiert: "Wenn dein Gegner besser ist als du und er dir eine Abreibung verpasst, ist das okay - aber das ist ein Haufen Mist. Am Ende habe ich gewonnen, aber wenn Darts so läuft, bin ich weg. Dann gehe ich lieber Golf spielen oder so."

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Suljovic nervt Anderson

Deutliche Worte von Anderson, der sich an diesem Montagabend extrem über Suljovic ärgerte. Der als langsamer Spieler bekannte Österreicher ließ sich an diesem Abend in Andersons Augen besonders viel Zeit - nicht nur beim Werfen, sondern vor allem auch auf dem Weg zum Oche.

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Der Weltmeister 2015 und 2016, der sich selbst daran störte, dass sich Suljovic nach dem Walk-On nicht an den ihm zugelosten Tisch gestellt hatte, kommentierte dies zunächst nur mit Augenrollen und Kopfschütteln - doch nach der Partie teilte er kräftig in Richtung Suljovic aus.

"Haben sie den letzten Satz gesehen? Oder den dritten? War er da langsam? Nein. Ich möchte nur Darts spielen. 90 Prozent der Zuschauer haben wahrscheinlich abgeschaltet und Corrie geschaut (Britische Seifenoper, Anm. d. Red.). Ich hätte es jedenfalls getan", sagte der aufgebrachte 50-Jährige.

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Van Gerwen ätzt gegen Wright

Doch der Ärger über einen Darts-Konkurrenten gehört bei dieser WM offenbar einfach dazu.

Das beste Beispiel dafür ist der Weltranglistenerste Michael van Gerwen, der das Aus von Weltmeister Peter Wright gegen Gabriel Clemens überraschend bissig kommentierte: "Wenn man so viel Mist erzählt, können einem solche Dinge passieren."

MvG, der Anfang des Jahres das WM-Finale 2020 gegen Wright verloren hatte, legte sogar noch nach: "Wir alle wissen, wie Peter Wright ist. Er erzählt in jedem Interview Unsinn. Kennen Sie ein Interview, in dem er keinen Unsinn erzählt hat? Er redet so nach jedem Sieg und jeder Niederlage. Er sagt nichts Sinnvolles."

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Ob es ein weiterer bewusster Giftpfeil von van Gerwen gegen Wright war, dass er nicht einmal den Namen von Clemens wusste - in einem Interview fragte er "wie ist sein Name? Dieser Deutsche? Der Giant..." - oder er tatsächlich das bisher herausragende Jahr von Clemens ignoriert hatte, bleibt wohl sein Geheimnis.

Als Taylor und Barney sich bekämpften

Die große Rivalität unter Darts-Profis, die sich während oder unmittelbar nach Partien oft entlädt, ist allerdings kein neues Phänomen. Womöglich liegt es daran, dass die Profis sich nur mit Mind Games bekämpfen oder ausbremsen können und nicht wie in vielen anderen Sportarten durch körperliche Aggressivität.

Dabei können oft Kleinigkeiten eine komplett übertriebene Gegenreaktion auslösen, wie beim WM-Halbfinale 2013 zwischen den Darts-Legenden Phil Taylor und Raymond van Barneveld. Als Barney nach der Partie Sieger Taylor zu sich heranzog, um ihn nach eigenen Worten zu umarmen, reagierte dieser erbost.

Der Rekord-Weltmeister riss sich los, stieß den Niederländer weg und beschimpfte ihn. Dabei hatten die beiden zuvor nie größere Probleme miteinander, umso überraschender kam Taylors Reaktion. Später versöhnten sie sich wieder.

Anderson und die "Furz-Affäre"

Aber auch Anderson selbst gerät nicht zum ersten Mal mit einem Gegner aneinander. Besonders kurios war der Zoff beim Achtelfinale des Grand Slam of Darts 2018. BDO-Profi Wesley Harms beschwerte sich, dass Anderson ihn mit einem Furz aus der Konzentration gebracht hatte – dieser beschuldigt seinerseits Harms des "Dampfablassens".

Beim gleichen Turnier war Anderson ein weiteres Mal in eine Auseinandersetzung verwickelt – in diesem Fall lag es aber zweifelsohne am Gegner. Im Duell mit Gerwyn Price führte Anderson klar, als der Waliser plötzlich mehrmals demonstrativ vor dem Schotten jubelte und sogar seinen Gegner anrempelte.

Dass Anderson nach der Partie dem "Iceman" den Handschlag verweigerte, war nachvollziehbar. Zumal Price selbst einige Male auf einen Handschlag nach einer Niederlage verzichtete und gegen die Gegner pöbelte, wie es unter anderem gegen James Wade (Premier League 2019) und Wright (WM 2020) der Fall war.

Wade wütet - Pipe hustet

Wade kann ebenfalls jegliche Manieren während einer Darts-Partie vergessen. Bei der WM 2019 verhielt sich der Engländer äußerst aggressiv gegenüber Seigo Asada. "Ich wollte ihm wehtun. Ich wollte ihm wirklich im Gesicht wehtun. Das war für meinen Sohn und auch für das Vereinigte Königreich", sagte er nach seinem Sieg.

Wade entschuldigte sich allerdings danach ausführlich über Twitter und begründete sein Verhalten mit Hypomanie, die sich in Phasen gehobener Grundstimmung und höheren Antriebs, aber auch durch depressive Phasen zeigt.

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Das Verhalten von Justin Pipe bei der WM 2018 war dagegen nur mit grenzenloser Unsportlichkeit zu erklären. Als es in seinem Erstrundenmatch gegen den Qualifikanten Bernie Smith beim Stand von 2:2 um alles ging, rückte Pipe seinem Gegner plötzlich auf die Pelle und hustete heftig in seinem Rücken.

Dieser verfehlte daraufhin das Doppelfeld, Pipe setzte sich durch. Bei seinem kommenden Spiel gegen Phil Taylor wurde Pipe von den Fans gnadenlos ausgebuht.

Van Gerwen in Hassduell verwickelt

Zu einem besonderen Hassduell war es aber bei der WM 2020 gekommen, als van Gerwen auf Landsmann Jelle Klaasen traf. Klaasen hatte einst der geistig behinderten Schwester von van Gerwens jetziger Frau Nacktbilder von sich geschickt und selbst derartige Fotos eingefordert.

Seitdem spricht MvG allenfalls noch über Klaasen, aber auf keinen Fall mit ihm. Nachdem er ihn während der Partie keines Blickes gewürdigt und auch keinen Handshake angeboten hatte, erklärte van Gerwen in der Pressekonferenz: "Ich hasse ihn, deswegen will ich nicht gegen ihn verlieren."

Mit Ausnahme des Vorfalls rund um Taylor ist all dies und noch vieles mehr in den vergangenen drei Jahren passiert. Diese WM beweist, dass die Darts-Profis keine tobenden Zuschauer brauchen, um innerlich zu kochen.

Der nächste Zoff bei der Darts-WM ist daher wohl nicht viel mehr als einen Pfeilwurf entfernt.

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