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München - SPORT1-Experte Rick Goldmann analysiert die Viertelfinals in den DEL-Playoffs und gibt einen Ausblick auf die Runde der letzten Vier. München stehe unter Zugzwang.

Hallo Eishockey-Freunde,

zweimal Spiel 7. Zweimal Spiel 7 nur durch ein Tor entschieden. Sieben Spiele in der Verlängerung, bei Köln gegen Ingolstadt drei in Folge. Welche Dramatik. Das macht unsere Sportart, das macht die Playoffs so besonders, das macht sie so großartig. Das macht sie zur #geilsteZeit.

Die beiden Serien zwischen Augsburg und Düsseldorf sowie Köln und Ingolstadt waren die versprochen engen Duelle. Sie hatten einfach alles. Emotionen, Härte, wunderschöne Tore - eben alles, was wir Eishockey-Fans uns in den Playoffs wünschen.

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Das einzige, was den Viertelfinals etwas Stimmung geraubt hat, waren diese Salami-Playoffs: nur scheibchenweise Spiele. Es fehlten einfach die Dienstagsspiele, so dass es in den Serien zack-zack-zack gegangen wäre.

Fehlen wird auch in Zukunft Thomas Greilinger, für den die DEL-Karriere beendet ist. Er war und ist immer noch einer der talentiertesten Eishockey-Spieler der DEL. Es wird schon ein wenig eigenartig sein, den ERC Ingolstadt in der Saison 2019/2020 ohne Thomas Greilinger spielen zu sehen. Auf diesem Weg: Danke und mach's gut, Greile!

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Köln vs. Mannheim: "Eine geile Serie"

Die Kölner bekommen es nun mit den Adler Mannheim zu tun (1. Halbfinale am Dienstag ab 19.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1). Eine geile Serie, ein echter Klassiker im deutschen Eishockey, eines DER Spiele, aber auch eines, in das die Haie für mich als Außenseiter gehen.

Sie nehmen zwar viel Selbstvertrauen aus dem Duell mit Ingolstadt mit, vor allem durch das Drehen des 1:3-Serien-Rückstands. Das hat zuvor erst ein Team in der DEL-Geschichte geschafft - aber Mannheim hat seine Favoritenstellung klar und deutlich gemacht. Entscheidend für Köln könnte sein, wie sehr sich Gustaf Wesslau noch steigern kann, um die Mannheimer Offensive aus dem Tritt zu bringen.

Es war schon sehr beeindruckend, wie souverän die Adler die Hürde Nürnberg gemeistert haben. Und wie sie in den entscheidenden Momenten auch noch zulegen konnten. Da wurden sie noch nicht so gefordert, der richtige Gegner kommt jetzt mit Köln.

Derby bringt Meister unter Zugzwang

Ähnlich wie die Haie gehen auch die Augsburger gegen München mit einer wahnsinnigen Euphorie in die Halbfinals (1. Halbfinale am Mittwoch ab 19.30 Uhr im SPORT1-LIVETICKER). Hinzu kommen noch die unglaubliche Atmosphäre im Curt-Frenzel-Stadion und ihre Heimstärke.

Dazu kommt der Derbycharakter zwischen München und Augsburg. Der bringt den Meister mehr unter Zugzwang. Der EHC hat die Rolle des Favoriten inne, Augsburg kann befreit aufspielen. Und der Ausfall von "Konny" Abeltshauser trifft München. Auch wenn die Serie gegen Düsseldorf viel Kraft gekostet hat: Augsburg muss den Schwung aus Spiel 7 mitnehmen und auf dieser Welle reiten, wenn sie erfolgreich sein wollen.

Auch ihr starkes Unterzahlspiel könnte ein wichtiger Schlüssel werden. Meister München spielt bisher noch nicht so dominant wie in den letzten Playoffs. Hier fehlt mir die Konstanz. Wie nach teilweise richtig guten Spielen ein Einbruch erfolgt, ist manchmal schwer nachzuvollziehen. Zwar haben die Münchner es über die vergangenen drei Jahre geschafft, mit der Rolle des Favoriten und dem Druck klarzukommen, aber ob sie es ein viertes Jahr schaffen?

München hat noch Potenzial

Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Jackson-Jungs auch gezeigt haben, dass im entscheidenden Moment ihre größte Schwachstelle dann nicht mal eine Schwachstelle ist. Ihr Powerplay. Denn die beiden Tore in Überzahl zum 3:1 und 4:1 haben am Ende den Ausschlag für den 4:3-Sieg im sechsten Viertelfinale gegen Berlin gegeben. (Alle Infos zu den DEL-Playoffs 2019)

Und München hat noch Potenzial, sich in den Playoffs weiter zu steigern.

Einer, der den Augsburgern in der Serie wahrscheinlich nicht mehr helfen kann und in der Kabine fehlen wird, ist Christoph Ullmann. Wenn man hört und sieht, was bei dem Check passiert ist, dann vergisst man schnell Eishockey, dann denkt man nur an die Gesundheit, an die Familie des Spielers. Gott sei Dank geht es "Ulle" jetzt schon wieder besser. Auf dem Weg auch noch alles Gute und gute Besserung, Ulle!

Und Euch wünsche ich viel Spaß bei den Halbfinals mit zwei fantastischen Serien. Übrigens erst zum fünften Mal in 25 Jahren DEL, dass es Erster der Hauptrunde gegen Vierter und Zweiter gegen Dritter heißt.

Und in den vier Malen zuvor kam es dann zum Finale Erster gegen Dritter. Das würde diesmal das Aus von Meister München bedeuten. Wir werden sehen, wie es dieses Mal ausgeht ...

Soweit von mir, wir lesen uns dann nach den Halbfinals wieder und hören uns bis dahin im TV auf SPORT1.

Bis dahin!

Euer Rick

Rick Goldmann, 42, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft und der DEL.

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