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Marco Sturm steht beim Deutschland Cup zum letzten Mal als Bundestrainer an der Bande
Marco Sturm steht beim Deutschland Cup zum letzten Mal als Bundestrainer an der Bande © Getty Images
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München - Marco Sturm wird den DEB nach dem Deutschland Cup (LIVE auf SPORT1) in Richtung NHL verlassen. SPORT1 klärt über den Wechsel des deutschen Aushängeschildes auf.

Paukenschlag am Sonntagabend beim Deutschen Eishockey Bund. Bundestrainer Marco Sturm verlässt den DEB und wechselt nach dem anstehenden Deutschland Cup zu den Los Angeles Kings in die NHL. (Eishockey, Deutschland Cup, ab Donnerstag LIVE im TV auf SPORT1)

Sturm, der seit 2015 an der Bande der Nationalmannschaft stand, hatte in der vergangenen Woche um die Auflösung seines Vertrages als Bundestrainer gebeten.

Der 40-Jährige war das Aushängeschild des deutschen Eishockeys, führte die DEB-Auswahl zurück an die Weltspitze, erreichte 2016 und 2017 das WM-Viertelfinale und holte bei den Olympischen Spielen 2018 die Silbermedaille.

SPORT1 nennt die Gründe für den Wechsel und erklärt, wie es nun beim DEB weitergeht.

Was verspricht sich Sturm von diesem Wechsel?

Es war stets ein Traum des gebürtigen Dingolfingers, einmal als Trainer in der NHL aktiv zu sein. "Wenn ich irgendwann mal in der besten Liga der Welt arbeiten kann, dann mache ich das. Das ist mein Ziel", sagte Sturm nach den Olympischen Spielen der SZ.

Sturm stand als Spieler über 1000 Mal in der NHL auf dem Eis und erzielte dabei 251 Tore. Nun wagt Sturm, den nächsten Schritt in seiner bisher glänzenden Trainer-Karriere.

Klar ist, dass der Sprung vom Bundestrainer zum NHL-Head-Coach ohne weitere Trainererfahrung wohl nicht machbar ist. Sturm wird in der Liga, in der sie ihn als "The German Rocket" tauften, Erfahrungen hinter der Bande sammeln wollen.

Bei den Los Angeles Kings wird Sturm Assistenztrainer von Willie Desjardins, ausgerechnet dem Trainer gegen den er noch im Februar beim Olympia-Halbfinale seinen größten Erfolg feiern konnte, als Desjardins noch Cheftrainer der kanadischen Auswahl war.

Der Zeitpunkt ist für Sturm ideal. Durch seinen Olympia-Coup hat er auch in Nordamerika sein Trainerprofil geschärft. Zudem wird ein ähnlicher Erfolg mit Deutschland schwer zu wiederholen sein. Sein "Marktwert" kann also kaum höher sein als jetzt, um einen Fuß in der NHL in die Tür zu bekommen. Als Co kann Sturm weitere Kontakte knüpfen und sich in Stellung auf eine auch finanziell lukrative Cheftrainer-Position bringen.

Warum kann Sturm den DEB so plötzlich verlassen?

Sturm hatte beim DEB um die Auflösung seines ursprünglich bis 2022 laufenden Vertrages gebeten, was der DEB so akzeptierte.

"Nachdem Marco mit dieser Bitte auf uns zugekommen ist, haben wir uns intensiv damit beschäftigt und sind letztlich zum Entschluss gekommen, dass wir ihm diese Chance nicht verbauen können. Ein deutscher Trainer in der NHL ist auch ein Aushängeschild für unser Eishockey", wird DEB-Präsident Franz Reindl in einer Mitteilung des Verbandes zitiert.

Noch im März hatte Sturm gegenüber der BILD am Sonntag bestätigt, dass er keine Ausstiegsklausel für ein NHL-Angebot habe. Sein neuer Job in der NHL kam auch für Sturm selbst unerwartet.

"Der Zeitpunkt der Anfrage kam auch für mich überraschend. Aber die NHL war als Trainer immer mein Ziel, deshalb geht für mich ein Traum in Erfüllung. Ich bin dem DEB nicht nur dafür dankbar, dass er mir diesen Schritt ermöglicht. Sondern auch dafür, dass er mir die Chance zum Einstieg in das Geschäft gegeben hat", ließ Sturm verlauten. 

Wie geht es beim DEB weiter?

Sturm wird für den DEB nach dem Deutschland-Cup an diesem Wochenende zum letzten Mal an der Bande stehen. (Deutschland Cup: Deutschland - Russland am Donnerstag ab 18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

Da bis Februar keine weiteren Länderspiele anstehen, will sich der DEB bei der Suche nach einem Nachfolger nicht unter Druck setzen lassen.

Reindl will sich "in Ruhe Gedanken" machen, da der Posten schließlich eine "extrem wichtige Position" sei. "Ich will nicht vorgreifen. Es gibt viele Fragen, dann kommen die Namen, es wird sich alles entwickeln", sagte Reindl dem SID.

Das Projekt mit Sturm, der ohne jegliche Trainererfahrung 2015 den Trainerposten von Pat Cortina übernahm, ging auf, sodass der DEB nicht abgeneigt sein dürfte, wieder auf vergleichbare Trainertypen zu setzen.

Die im Frühjahr zurückgetretenen Christian Ehrhoff und Jochen Hecht würden über eine ähnliche Vita wie Sturm verfügen, aber auch gestandene Trainer, wie DEG-Coach Harold Kreis oder Mannheim-Coach Pavel Gross werden als Kandidaten gehandelt. Selbst eine Rückkehr von Uwe Krupp (derzeit Sparta Prag) scheint möglich.

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