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© Facebook.com/BrunoBruniscoBardelas
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Das hatte ein Nachspiel: Ein FIFA-Gamer vom FC St. Gallen hat absichtlich ein Weltranglisten-Match verloren - und musste daraufhin den Verein verlassen.

Vom vergangenen Freitag bis zum Montagmorgen lief die wichtigste Weekend League des Jahres in FIFA 18. 39 Plätze für die Global Series Playoffs (Vom 28. Mai bis 3. Juni LIVE auf SPORT1) wurden an die besten Online-Gamer auf der PlayStation 4 und der Xbox One vergeben. Dabei kam es in den Partien, die ausschließlich im Internet ausgetragen wurden, zum Eklat. Es zeigten sich diverse dubiose Matchverläufe und Absprachen zwischen Spielern, wie Spielwiederholungen zeigen.

Einer der Beteiligten ist Bruno "Brunisco" Bardelas. Der Gamer war bis Dienstag beim FC St. Gallen unter Vertrag. Inzwischen trennte sich der Verein von ihm, weil er in seinem Spiel gegen Daniel Fink vom VfL Bochum absichtlich verlor. Bardelas beteuerte, dass ein Freund von ihm die Aktion mit seinem Account durchgezogen habe.

"Ein absolut reines Gewissen"

So behielt Fink seine weiße Weste, fuhr insgesamt 40 Siege ein und sicherte sich seinen Slot für die FIFA WM-Qualifikation in Amsterdam. Eine Absprache verneinen beide Parteien. Der Bochum-Profi erklärte gegenüber SPORT1: "Ich sage dazu nur, dass ich mir keiner Schuld bewusst bin und ein absolut reines Gewissen habe."

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Daniel Last, Mediensprecher des FC St. Gallen, erklärte auf SPORT1-Anfrage: "Ich persönlich glaube ihm (Brunisco, Anm. d. Red.), dass es keine Absprache gab. Dennoch verstößt so ein Verhalten gegen unsere Werte." Die Trennung sei dem Spieler telefonisch mitgeteilt worden. "Er war natürlich traurig, konnte aber unsere Entscheidung nachvollziehen. Wir haben das nicht gerne gemacht."

Verschenkte Siege sind Gang und Gäbe

Dabei sei dem Verein auch bewusst, dass die Aktion von Bardelas kein Einzelfall im FIFA-eSport ist: "Wir wissen aber auch, dass er nicht der Einzige ist und diese Art von verschenkten Siegen nahezu Gang und Gäbe ist."

Der prominenteste Fall in Deutschland war die absichtliche Niederlage von Lukas "Sakul" Vonderheide gegen seinen Teamkollegen Matthias "STYLO" Hietsch im Februar. Hietsch erhielt durch den Sieg gegen seinen Teamkollegen einen Platz für den FUT Champions Cup in Manchester.

Die eSports-Bestrebungen des FC St. Gallen wird der Vorfall aber nicht beeinflussen, wie Last versicherte: "Wir bleiben dem eSports treu, wenn auch vorerst vielleicht mit einem statt zwei Spielern." 

eSports-Lohn als netter Zuverdienst

Der virtuelle Sport in der Schweiz ist zudem kaum als Vollzeitjob auszuüben. Aufgrund des hohen Lohnniveaus in der Schweiz und den damit ebenfalls hohen Lebenskosten stützen sich Schweizer Gamer kaum ausschließlich auf ihren eSports-Job. Das bestätigte auch der FC-Mediensprecher: "Wir reden bei uns von einem Verdienst im Rahmen einer Aufwandsentschädigung, einem netten Zuverdienst zur normalen Arbeit."

Einordnend zur Entlassung führte Last aus: "Das ist dann eine Größenordnung, wo unsere Entscheidung nicht dafür sorgt, dass er seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten kann."

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