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Sogar die Ordner trösteten Torsten Lieberknecht nach dem Abstieg von Eintracht Braunschweig
Sogar die Ordner trösteten Torsten Lieberknecht nach dem Abstieg von Eintracht Braunschweig © Getty Images
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Kiel - Eintracht Braunschweig steigt nach einer Klatsche bei Holstein Kiel aus der 2. Bundesliga ab. Trainer Torsten Lieberknecht weint - und steht vor dem Aus.

Torsten Lieberknecht weinte hemmungslos. Der Trainer von Eintracht Braunschweig, die Klub-Legende der Löwen, konnte es nicht fassen.

Unzählige Versuche, ihn zu trösten - von den Braunschweiger Fans, den Ordnern, vom gegnerischen Trainer Markus Anfang - schlugen fehl. Einen Tag nach seinem zehnjährigen Dienstjubiläum musste der 44-Jährige den schwärzesten Moment seiner lange erfolgreichen Ära in Braunschweig erleben: Die Eintracht ist in die 3. Liga abgestürzt. Und Lieberknecht steht vor dem Aus.

Die Löwen verloren in einem wilden Abstiegsfinale mit 2:6 (2:4) beim Relegations-Teilnehmer Holstein Kiel und hofften vergeblich auf Patzer der Konkurrenz. Die SpVgg Greuther Fürth (1:1 beim 1. FC Heidenheim) tat der Eintracht nicht den Gefallen, 39 Punkte reichten in der Abschlussrechnung nur für Rang 17 (Tabelle der 2. Bundesliga).

Die Folge: Tränen bei Lieberknecht, Tränen bei seinen Schützlingen. Ken Reichel ("Ich verstehe, dass die Fans uns momentan hassen") weinte vor der Sky-Kamera ebenso wie Mirko Boland ("Es tut unglaublich weh").

Die Highlights des letzten Zweitliga-Spieltags in der Sendung "Sky Sport News HD: Die 2. Bundesliga" ab 22.30 Uhr im TV auf SPORT1

Lieberknecht fasst sich, Manager Arnold kühl

Lieberknecht, der schon vergangene Woche nach der ebenso dramatischen Pleite gegen Ingolstadt bittere Tränen weinte und seinen Rücktritt andeutete, verschwand zunächst wortlos in der Kabine.

Auf der Presskonferenz hatte er sich wieder etwas gesammelt, sprach aber zunächst nicht über seine Zukunft. "Wir müssen auch in dieser schwärzesten Stunde Haltung bewahren", sagte er - und wünschte Kiel viel Glück in der Aufstiegs-Relegation gegen Wolfsburg.

Dass Lieberknecht nicht mehr mit Braunschweig in die Dritte Liga gehen wird, deutet sich klar an - auch durch den recht kühlen Auftritt von Manager Marc Arnold ("Es ist der Fall eingetreten, den wir versucht haben abzuwenden").

Lewerenz trifft viermal für Holstein Kiel

Braunschweig, der deutsche Meister von 1967, ging durch Jan Hochscheidt (6.) und Ken Reichel (19.) zweimal im ersten Durchgang in Führung und hatte den Klassenerhalt wieder fest im Blick.

Doch vor allem Steven Lewerenz bekamen die Gäste nie in den Griff - der Offensivmann der Kieler erzielte gleich vier Treffer (22., 30., 57., 59.). Für die ohne zahlreiche Stammspieler agierenden Kieler trafen zudem Aaron Seydel (16.) sowie Kapitän Rafael Czichos (33.) und sorgten damit für eine gelungene Generalprobe vor der Aufstiegs-Relegation gegen den VfL Wolfsburg (Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga).

Lieberknecht vor bitterem Abschied

Schon zur Halbzeitpause sah es finster für die Eintracht aus, die vor allem in der Defensive nicht zweitligatauglich agierte. Lieberknecht verzweifelte immer mehr.

Sein Team hatte den effizienten Kielern nichts mehr entgegenzusetzen. Holstein-Coach Markus Anfang wechselte die Startelf-Kandidaten für die Wolfsburg-Duelle nach und nach aus, dennoch blieben die Gastgeber überlegen.

Während sich im Holstein-Stadion Polizeikräfte auf mögliche Ausschreitungen vorbereiteten, trauerte Lieberknecht auf dem Rasen. Er nahm seine Spieler in den Arm und wischte immer wieder Tränen beiseite. Nach seinem Amtsantritt hatte der gebürtige Pfälzer seinen Herzensklub binnen fünf Jahren von der dritten in die erste Liga geführt und im Fußball-Oberhaus trotz des mit Abstand geringsten Team-Etats lange im Kampf um den Klassenerhalt gehalten. 

Nun der Tiefpunkt - und wohl die Trennung: Entsprechende Gerüchte halten sich seit Wochen.

Den Störchen gelang damit die Generalprobe für die Relegation gegen den VfL Wolfsburg (Di. 20.30 Uhr im LIVETICKER) - vor den Augen von Wolfsburgs Co-Trainer Eddy Sözer, der von Chef Bruno Labbadia als Spion geschickt worden war.

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