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Das dramatische Relegationsduell von 2015 erlebt heute seine Neuauflage © Credit: SPORT1-Montage/Getty Images/Imago
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München - Am heutigen Sonntag kommt es zur Neuauflage des Relegationskrimis zwischen dem KSC und dem HSV. Bei SPORT1 erinnern sich Markus Kauczinski und Rafael van der Vaart.

Es war Nervenkitzel pur. Und an Dramatik nicht zu überbieten.

Während auf der einen Seite die Spieler und der Trainer des Hamburger SV, Bruno Labbadia, wie kleine Kinder ausgelassen jubelten und über den Rasen tanzten, fluchten auf der anderen Seite des Platzes die Profis und Verantwortlichen des Karlsruher SC.

Es war ein aufregender Abend an diesem 1. Juni 2015 im Wildparkstadion. Die Hanseaten trennten damals im Relegations-Rückspiel (Hinspiel: 1:1) nur zwei Minuten vom ersten Abstieg der Vereinsgeschichte.

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Doch Schiedsrichter Manuel Gräfe ahndete ein vermeintliches Handspiel von KSC-Akteur Jonas Meffert und der HSV bekam einen strittigen Freistoß zugesprochen - Slobodan Rajkovic hatte Meffert aus kurzer Distanz an den Armansatz geschossen. Marcelo Diaz chippte den Ball in der 91. Minute zum 1:1 über die KSC-Mauer ins Netz. In der 115. Minute traf schließlich Nicolai Müller zum 2:1. Die Rettung für die Hamburger.

Der damalige KSC-Trainer Markus Kauczinski, aktuell ohne Job, blickt bei SPORT1 zurück: "Es war eine schöne Zeit mit einer starken Mannschaft. Die Relegation war der Höhepunkt einer Entwicklung. Am Ende blieb uns der große Sprung versagt", sagt der 49-Jährige. "Ich werde heute noch oft auf dieses Spiel angesprochen. Das zeigt, dass es etwas Besonderes war."

"Noch nie so eine Spannung erlebt"

Auch Rafael van der Vaart, der für den HSV 199 Spiele absolvierte und inzwischen seine Karriere beendet hat, denkt noch gerne an damals zurück.

"Das war unglaublich. Es war ein Spiel, das man nur verlieren konnte. Wir mussten in der Liga bleiben und haben es dann auch geschafft. Ich habe noch nie so eine Spannung erlebt", sagt der 36-Jährige SPORT1. Für den damaligen Kapitän war es "eines der besten Spiele mit dem HSV, ein echter Krimi". Nach dem Spiel gab es Bier und Wein, der Klassenerhalt wurde gefeiert "wie eine Meisterschaft. Es war ein Highlight in meiner Karriere."

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Für den damaligen HSV-Torwart Rene Adler (2012 bis 2017) war es "brutalste Emotion", meint er bei SPORT1. "Es ging immer nur um die Vermeidung des Misserfolgs. Wenn man sechs Wochen vorher schon so gut wie abgestiegen war und es dann doch noch geschafft hat, dann war der ganze Weg schon hart. Wir sind total zusammengewachsen, daran hatte Bruno großen Anteil."

Adler erinnert sich noch: "Als wir kurz vor Schluss hinten lagen, da habe ich schon gedacht, dass wir es nicht mehr schaffen. Plötzlich kam das Freistoßtor und reißt dich da raus."

Adler: "Super-GAU abgewendet"

Der 34-Jährige kann sich nicht erinnern, dass er in seiner Karriere "schon mal so viel Emotion" in sich hatte, weil es für ihn "ein Wechselbad der Gefühle" war. Adler denkt noch heute gerne an die Party mit den Fans. Im Urlaub hatte er dann das Gefühl, berichtet er "etwas gewonnen zu haben, was eigentlich Quatsch war, weil wir nur den Super-GAU abgewendet hatten."

Heute (2. Bundesliga: Karlsruher SC - Hamburger SV, 13.30 Uhr im LIVETICKER) kommt es zur Neuauflage des Duells. Dieses Mal in der 2. Liga. Und es ist am 4. Spieltag ein echtes Spitzenspiel. Der KSC als Tabellensiebter empfängt den Tabellendritten aus Hamburg.

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Oliver Kreuzer, seit 2015 KSC-Sportchef und in gleicher Position von Juni 2013 bis Juli 2014 beim HSV tätig, gesteht bei SPORT1: "Ich denke, es ist für viele Fans wie auch für mich ein etwas anderes Spiel als sonst. Es ist das erste Aufeinandertreffen beider Vereine sowie für mich seit diesem viel diskutierten Spiel in der Relegation beziehungsweise meiner Demission 2014. Trotzdem stehen sich am Ende zwei Mannschaften gegenüber, die für ihre Ziele drei Punkte einfahren wollen."

Kreuzer dämpft Euphorie

Kreuzer dämpft die gerade wieder aufkommende Euphorie beim Aufsteiger, wohl wissend, dass es auch schnell wieder in die andere Richtung gehen kann. "Wir wissen, wo wir herkommen. Wenn man alle Klub-Parameter heranzieht, wird man schnell überall einen großen Unterschied ausmachen können. Vierter sind wir deshalb, weil wir gut in die Liga gestartet sind."

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KSC-Coach Alois Schwartz hat zusammen mit Kreuzer etwas aufgebaut. "Ihn zeichnet großen Fußballsachverstand aus. Er überrascht die Spieler, auch mich, immer wieder mit besonderen Maßnahmen", lobt Kreuzer. Für die damalige Situation in der 3. Liga sei Schwartz "der ideale Trainer" gewesen. Dabei schlug dem Fußballlehrer anfangs Skepsis entgegen.

"Viele Leute haben ihm keinen Aufstieg zugetraut, weil er nicht für spektakulären Fußball steht. Aber er hat diese Leute eines Besseren belehrt", betont Kreuzer. "Er versucht, aus vielen guten Einzelspielern ein gut funktionierendes Team zu formen. Der Teamgeist steht bei ihm über allem - hier müssen sich alle Spieler unterordnen."

Auch Kauczinski findet nur positive Worte für seinen Ex-Klub. "Ich kann den Verantwortlichen nur ein großes Lob aussprechen. Der Kader wurde gut verstärkt, der Kern der Mannschaft aber erhalten. Mit der Kompaktheit und der Robustheit der Spieler hat man ein gutes Rüstzeug in der 2. Liga zu bestehen."

Keine Gedanken an Durchmarsch

An einen Durchmarsch will er trotz der aktuell positiven Situation aber nicht denken. "Vorrangiges Ziel muss es sein, die Liga zu halten. Die Breite des Kaders wird nicht für Träumereien reichen. Ich mache mir aber keine Sorgen, dass Oliver Kreuzer und Alois Schwartz das falsch einschätzen und so die Erwartungen zu hoch gehen."

Kleine Schritte seien "auf diesem Niveau genug. Es sind schon genug Vereine an hohen Vorgaben gescheitert".

Das neue Zauberwort in Karlsruhe heißt seit dem Abstieg 2017 Kontinuität. "Das ist keine Garantie für Erfolg", glaubt Kreuzer. "Aber sie erhöht doch die Chancen, auf lange Sicht erfolgreich zu sein."

Beim Thema Doppel-Aufstieg ist er wie Kauczinski vorsichtig: "Paderborn hat das überragend gemacht, aber solche Geschichten schreibt der Fußball alle 20 Jahre mal. Beim KSC tut sich aktuell einiges, wir möchten in den kommenden Jahren weiterhin DFL-Mitglied bleiben. Wenn das 'nur' die 2. Liga ist, ist das absolut in Ordnung."

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