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München - Die mögliche Senkung der Altersgrenze im deutschen Profifußball sorgt für gespaltene Reaktionen. Ex-Freiburg-Coach Volker Finke bringt einen neuen Aspekt aufs Tapet.

Volker Finke hat die Bundesligisten aufgefordert, in Sachen Nachwuchsförderung mutiger zu sein. 

Bei der Diskussion über die mögliche Senkung der Altersgrenze im deutschen Profi-Fußball auf 16 Jahre mahnte der langjährige Bundesligatrainer die Vereine im CHECK24 Doppelpass an, neue Wege einzuschlagen.

Für Finke, von 1991 bis 2007 Coach des SC Freiburg, steht in diesem Zusammenhang die Integration ausländischer Nachwuchstalente im Mittelpunkt.

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Die Bundesliga zählt Finke nämlich "nicht zu den Ligen, die es sich zum Geschäftsmodell machen, die erste Integration zu machen". Die Vereine, bemängelte Finke, "holen die Spieler nicht gerne direkt aus Afrika, sondern warten ab, dass die Talente ihre ersten Schritte in Ländern wie Österreich oder Norwegen machen".

Finke: "Das hat etwas mit Arbeit zu tun"

Finke empfiehlt, mehr auf Spieler zu schauen, "bei denen die erste Integration gemacht werden muss und diese nicht erst über andere Stationen zu verpflichten".

Es sei jedoch "schwierig mit den kulturellen Unterschieden", führte Finke weiter aus: "Das hat etwas mit Arbeit zu tun. Du musst Pädagogen bezahlen und Menschen, die sich um die jungen Spieler kümmern."

Der 71-Jährige weiß als früherer Nationaltrainer Kameruns, wovon er spricht.

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Rückendeckung erhielt er von Jörg Schmadtke. "Bei den jungen Spielern muss man auch dafür sorgen, dass sich die Persönlichkeit entwickelt", sagte der Geschäftsführer Sport des VfL Wolfsburg: "Das ist in seinem eigenen Kulturkreis einfacher als in einem fremden. Das ist sehr arbeitsintensiv."

Macht BVB-Antrag Weg für Moukoko frei?

Vor allem Borussia Dortmund ist an einer baldigen Senkung der Altersgrenze interessiert. Dazu müsste der BVB einen entsprechenden Antrag stellen, ehe die DFL-Vollversammlung mit den 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga auf der nächsten Tagung Ende März ihre Zustimmung geben muss.

Die aktuelle Regelung sieht vor, dass Spieler bei ihrem Liga-Debüt das 18. Lebensjahr vollendet haben oder zum jüngeren Jahrgang der U19 zählen müssen. 

Nach einer Regeländerung könnte das 15 Jahre alte Toptalent Youssoufa Moukoko vom BVB womöglich bald sein Debüt im Oberhaus geben.

"Wir haben gegenwärtig einen großen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Ligen und internationalen Wettbewerben, weil wir sehr junge Spieler, die über außergewöhnliches Talent verfügen, in Deutschland nicht im Profiteam einsetzen dürfen", meinte BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken.

Bayern-Sportdirektor Salihamidzic warnt

In England, Spanien, Italien und Frankreich wurde die Altersgrenze bereits herabgesetzt, weshalb auch Bayerns Sportdirektor Sasan Salihamidzic vor Nachteilen der Bundesligavereine im internationalen Wettbewerb warnt.

"Es gibt immer wieder junge Spieler, die körperlich schon sehr weit sind, nicht nur in Dortmund, auch international. Da sind Einsätze normal", erklärte Salihamidzic nach Bayerns 5:0-Heimsieg gegen Schalke 04 und stellte die Frage in den Raum: "Warum sollen wir einen Nachteil haben?"

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Trotzdem hätten die Vereine "auch eine große Verantwortung den Jungs gegenüber, dass sie auch in der Schule sehr gut sind. Auch darum kümmern wir uns. Da muss man vorsichtig sein", fügte Salihamidzic hinzu.

Die Diskussion sei "noch nicht abgeschlossen", sagte Schmadtke. "Es gibt ein Für und Wider. Bei Moukoko denkt man ja nicht automatisch, dass der erst 15 ist, er spielt ja auch schon in der U19. Er ist aber eine Ausnahme."

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Kein großer Fan einer Senkung der Altersgrenze ist Julian Nagelsmann. "Spontan gesagt, bin ich davon nicht der allergrößte Freund. Es wird sich viel über mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten von Führungspersönlichkeiten auf Spielerebene beklagt. Wenn ich die Spieler noch früher hoch schiebe, sind sie noch mehr Druck ausgesetzt, werden noch mehr beäugt", erklärte der Trainer von RB Leipzig.

Für SPORT1-Experte Marcel Reif wird die Diskussion dagegen viel zu hoch gehängt. "Es geht um ein, zwei Spieler", betonte Reif: "Ich glaube nicht, dass in jedem Klub ein 15-Jähriger lauert, der Bundesliga spielen kann."

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