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Ansgar Brinkmann (r.) und Detlev Dammeier (beide Bielefeld) mit Zigarre in der Kabine
Ansgar Brinkmann (r.) und Detlev Dammeier (beide Bielefeld) mit Zigarre in der Kabine © Imago
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Unser Kolumnist Ben Redelings blickt wöchentlich auf die kuriosesten, lustigsten und unterhaltsamsten Highlights der Ligageschichte zurück.

"Ich habe in meiner Laufbahn schon so viele Gegner nass gemacht - aus der Anzahl kriegt ihr locker eine Lichterkette von Ahlen bis Hamburg zusammen", sagte Ansgar Brinkmann einst beim Training zu seinen Mitspielern.

Kurz darauf warf man ihn raus. Mal wieder!

Eine innere Unruhe trieb den Mann, den sie den "weißen Brasilianer" nannten, in den 20 Jahren seiner Karriere zu 19 Vereinswechseln an. Und dabei produzierte er Geschichten und Anekdoten für vier Leben auf einmal.

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Doch manches wurde dabei auch etwas zu sehr übertrieben dargestellt, meinte Brinkmann einmal. Und so sagte er einmal der bunten Zeitung mit den vier Buchstaben: "Schreibt doch auch noch, dass ich Bin Laden im Keller verstecke."

Alice Javad und Ansgar Brinkmann (beide Eintracht Frankfurt)
Alice Javad und Ansgar Brinkmann (beide Eintracht Frankfurt) © Imago

Brinkmann und sein legendärer Anrufbeantworterspruch

Seiner Meinung nach hatte er häufig auch einfach nur Pech. Dreimal sei er in seinem Leben betrunken gewesen, meinte Brinkmann, und dreimal sei leider die Bild-Zeitung mit dabei gewesen. Könnte so gewesen sein - war es aber wohl eher nicht.

Denn zum elementaren Standardwissen über den weißen Brasilianer gehört die Geschichte seines legendären Anrufbeantworterspruchs: "Momentan bin ich nicht zu Hause. Wer aber Taste 3 drückt, bekommt von mir einen Planetenkasper. Bei Taste 4 einen LKW voll Waschpulver. Und wer mit mir persönlich sprechen will, erreicht mich täglich zwischen 17 Uhr abends und fünf Uhr morgens in meiner Stammkneipe 'Pane et Vino'."

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38 Trainer säumten von 1987 bis 2007 seinen Weg. Nicht mit allen hat er sich gut verstanden. Brinkmann hat einmal gesagt, dass er mit den vielen Abmahnungen aus seiner Karriere sein Wohnzimmer komplett neu tapezieren hätte können.

Ein schöner Nebeneffekt: Über jeden einzelnen seiner Übungsleiter hat Ansgar eine Geschichte zu erzählen.

Brinkmann springt auf Taxi-Dach

Und so traf er beispielsweise beim FC Gütersloh auf den legendären Hannes Linßen. Wer nicht genau weiß, wie Linßen damals aussah - in den USA sollen die Erfinder der "Simpsons"-Serie bei ihrer Figur "Krusty, der Clown" eben diesen Hannes Linßen als optisches Vorbild gewählt haben. Aber das nur am Rande.

Hannes Linßen trainierte neben dem FC Gütersloh auch den 1. FC Köln und Fortuna Köln
Hannes Linßen trainierte neben dem FC Gütersloh auch den 1. FC Köln und Fortuna Köln © Imago

Die etwas piepsige Stimme seines Trainers kann Brinkmann bis auf den heutigen Tag perfekt imitieren. Damals hatte die Gütersloher Mannschaft nach langer Zeit endlich mal wieder gewonnen - ausgerechnet einen Tag vor der geplanten Weihnachtsfeier.

Trainer Linßen bat sein Team deshalb darum, doch bitte den Sieg nicht allzu ausschweifend zu feiern. Das versprachen die Spieler auch, doch der Plan ging leider nicht ganz auf.

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

Nach einigen Getränken im Vereinsheim fuhren die Männer um Ansgar in die Innenstadt. Dort angekommen, sprang Brinkmann auf das Dach des Taxis, mit dem sie gefahren waren - und von dort über weitere sechs Dächer.

Als er beim siebten schließlich vor der Tür landete, öffnete sich die selbige und heraus trat der Fahrer. Doch als er Brinkmann erblickte, meinte er zu seinen Kollegen nur: "Alles gut. Ist nur der Ansgar!"

Brinkmann springt in Schaufenster eines Möbelhauses

Der weiße Brasilianer sagt noch heute, dass es für alle Beteiligten besser gewesen wäre, wenn die Taxifahrer an dieser Stelle des Abends die Polizei geholt hätten. Alles wäre glimpflich ausgegangen und am nächsten Tag hätten alle mit voller Kraft voraus Weihnachten gefeiert. Doch dieser Abend endete anders.

Im Polizeibericht steht wortwörtlich, dass Ansgar und seine Teamkollegen eine "Straße auf 80 Metern komplett in Schutt und Asche gelegt" hätten. Zwischendurch auf dieser Strecke hatte Brinkmann sogar die glorreiche Idee, in das Schaufenster eines Möbelhauses zu springen - weil er müde geworden war und ein Bett entdeckt hatte.

Erstaunlicherweise zog er sich beim Sprung durch die Scheibe nur klitzekleine Schnitte am Körper zu. Die Reise konnte nach einer kurzen Pause weitergehen.

Dem Polizisten, der die Truppe am Ende des Straßenzugs schließlich in Empfang nahm, schaute Ansgar Brinkmann fast schon glücklich in die Augen. Mit zittriger Stimme fragte der weiße Brasilianer: "Sheriff. Ist vorbei, ne!?" Und der Polizist antwortete mit den legendären Worten: "Ansgar, das Spiel ist aus!"

Brinkmann wechselt sich selbst ein

Bei Tennis Borussia Berlin traf Brinkmann schließlich auf den Trainer Winfried Schäfer ("der war häufiger mal ein bisschen durcheinander"). Höhepunkt der kuriosen Verbindung zwischen den beiden war der Tag, als sich Ansgar bei einer Partie selbst einwechselte.

"Irgendwann habe ich zum Kiki (Sergei Kirjakow, Anm. d. Red.) gemeint, ich mach' das jetzt. Hab' dem Linienrichter gewunken, dem gesagt 'Auszubildender, wir wechseln' und mich ausgezogen. Bei der nächsten Unterbrechung bin ich rein. Der Winnie hat nichts gesagt. Das war der Wahnsinn, dass der da mitgespielt hat. Ich mein', das war schon unglaublich. Immerhin hab' ich damals auch 10.000 Mark Auflaufprämie gehabt!"

Ansgar Brinkmann bedankt sich bei den Fans von Tennis Borussia Berlin
Ansgar Brinkmann bedankt sich bei den Fans von Tennis Borussia Berlin © Imago

Eine Story getreu seinem alten Motto: "Exzentrische Spieler sind eben nicht so diszipliniert. Es gibt Leute, die können auf einem Klavier spielen, andere müssen es tragen - Einheitsbrei haben wir doch genug in der Bundesliga." Das kann man wohl sagen.

Und deshalb ist wohl auch jeder Leser froh, dass es nicht so gekommen ist, wie es sich der 1969 in Bakum bei Vechta geborene weiße Brasilianer einmal im Rückblick auf seine lange Karriere gewünscht hat: "Ich hätte heute lieber 50 Länderspiele als 50 Anekdoten. Aber ich bin kein Mensch, der rumheult. Sei's drum."

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Sein aktueller Bestseller "Das neue Buch der Fußballsprüche" verkauft sich sprichwörtlich wie das gut gekühlte Stadionbier. Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".

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