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München - Dynamo Dresden will den Abstieg offenbar weiter nicht akzeptieren und fordert eine Aufstockung der 2. Liga. Bei SPORT1 spricht ein Spieler der Sachsen.

Dynamo Dresden will den verpassten Klassenerhalt in der 2. Bundesliga offenbar immer noch nicht akzeptieren.

Wie die Bild berichtet, fordern die Sachsen nun eine Aufstockung der bisher 18 Mannschaften im Fußball-Unterhaus. Erste Gespräche mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) habe es hierzu gegeben, heißt es weiter. Dynamo-Geschäftsführer Michael Born und der neue Sportchef Ralf Becker sollen sich bereits mit Liga-Vertretern in Frankfurt getroffen haben.

"Ich finde es okay, dass der Verein probiert alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die es gibt, das würde jeder Verein so machen", sagt Dynamo-Profi Chris Löwe im Gespräch mit SPORT1. "Was unterm Strich bleibt, ist, dass wir benachteiligt wurden. Ob wir es geschafft hätten, wenn das Programm dasselbe gewesen wäre wie bei den anderen Klubs, das kann dir keiner sagen. Aber der Fakt, dass wir benachteiligt wurden, steht weiterhin."

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Dresden-Profi Löwe ist skeptisch

Löwe findet die Forderung seines Arbeitgebers richtig, ist aber skeptisch. "Ob da irgendwas bei rumkommt, steht auf einem anderen Blatt", glaubt der 31-Jährige.

Der Abwehrspieler sieht noch ein ganz anderes Problem. "Das sind alles weitreichende Dinge. Man hat jetzt 17 Spieler verabschiedet, von denen hätten wohl 15 einen Vertrag für die 2. Liga gehabt. Was passiert mit denen? Da wird es den einen oder anderen geben, der nicht so schnell einen neuen Verein findet, den Dynamo aber auch gerne behalten würde."

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Und weiter: "Da hängt soviel hinten dran, dass ich nicht glaube, dass es etwas wird. Aber es ist trotzdem richtig, sich zu wehren."

Gravierender Wettbewerbsnachteil?

Hintergrund ist folgender: Die Dresdner fühlen sich benachteiligt und sehen einen gravierenden Wettbewerbsnachteil, weil sie infolge mehrerer Corona-Fälle binnen 28 Tagen neun Spiele absolvieren mussten. Dynamo hatte hierzu für die Erstellung eines entsprechenden Gutachtens kürzlich auch eine Anwaltskanzlei in Stellung gebracht, wie Becker bestätigte.

Geprüft werden soll dabei, ob die Abstiegsregelung in der abgelaufenen Saison ausgesetzt werden könnte - oder dem Klub aufgrund eines Wettbewerbsnachteils zumindest Schadenersatz zusteht.

Die Erfolgsaussichten des Schlusslichts mit ihrem Vorstoß bei der DFL, die von den Dresdnern nun offenbar konkrete Vorschläge erwartet, sind allerdings gering: Eine Team-Aufstockung würde einen noch schwierigeren Terminkalender sowie weniger TV-Einnahmen für die einzelnen Klubs nach sich ziehen.

Unklar ist zudem, ob Dynamo - inzwischen nicht mehr DFL-Mitglied nach dem verpassten Liga-Verbleib - einen Antrag auf Aufstockung überhaupt stellen darf.

"Solidarische Botschaft"

Becker hatte in der Sport Bild unlängst erklärt, eine Aussetzung des Abstiegs wäre nicht nur die gerechteste Lösung, sondern als "solidarische Botschaft" auch ein "großer Imagegewinn" für die DFL. "Das würde zeigen, dass sich alle Vereine zu Recht für eine Saison-Fortsetzung ohne egoistische Überlegungen ausgesprochen haben", meinte der Sportvorstand.

Löwe ist ein Befürworter solch deutlicher Worte. Er selbst hatte zuletzt mit harscher Kritik an DFL-Boss Christian Seifert für Aufsehen gesorgt.

"Ich bleibe dabei, dass man das Gefühl bekommt, dass es einzig und alleine darum geht, das Produkt weiterlaufen zu lassen", schimpfte Dynamos Verteidiger im Juni nach einer 0:2-Niederlage bei Holstein Kiel im SPORT1-Interview. Er hätte sich eine faire Chance gewünscht. "Doch die haben wir definitiv nicht bekommen", meinte er. "Am Anfang der Coronakrise wurde groß vom Solidaritätsgedanken gesprochen, doch den gibt es nicht."

Löwe bleibt bei Dynamo

Löwe hatte die Lust am Fußballspielen verloren, dachte über ein Ende seiner Karriere nach. Jetzt fand ein Umdenken statt. 

Der Sachse erklärt seinen Entschluss bei SPORT1. "Diese Corona-Zeit, so bescheiden sie für alle ist, hat in mir irgendwie ein Feuer entfacht, von dem ich gedacht habe, dass es das gar nicht mehr gibt."

Er habe gemerkt, dass bei ihm ein Gefühl da war, "als wäre ich wieder 18, 19 Jahre jung. Irgendwas ist da noch. Außerdem hat mich meine Familie ermutigt weiterzumachen, um positiv aus der ganzen Geschichte raus zugehen."

Treffen mit Sportchef Becker

Löwe, der noch einen gültigen Vertrag bis 2022 hat, berichtet auch von einem Treffen mit Becker. "Wir hatten ein längeres Gespräch, in dem es für ihn wichtig war, mich kennenzulernen. Wenn man meine Aussagen hinsichtlich eines Karriereendes hört, ohne mich zu kennen, dann ist es schwierig, das einzuordnen. Jetzt weiß Herr Becker, wie ich ticke. Und er weiß jetzt, dass es bei mir zu 100 Prozent weitergeht."

Auch, wenn der Vorstoß auf eine Aufstockung wohl wenig Erfolgsaussichten hat, hofft Löwe auf eine "Jetzt erst recht"-Reaktion im Team.

Löwe stellt sich beim Gedanken an die alte Saison die Mentalitätsfrage. "In der 3. Liga geht sehr viel über Mentalität. Und jetzt wird Wert darauf gelegt, dass da eine Mannschaft beisammen ist, die in jedem Spiel alles raushauen will. In der abgelaufenen Runde waren einige Spieler dabei, bei denen das nicht jede Woche der Fall war. Wenn sich jeder den Arsch aufreißt, ist es egal, wenn auch mal ein Ball verspringt."

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