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München - Der Videobeweis sorgt auch beim Spiel Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln für Ärger. Die Geißböcke wollen Protest einlegen. Der SPORT1-Kommentar.

Ich hatte vor der Saison die Befürchtung, der frisch eingeführte Videobeweis könne dem Fußball seine Emotionen und Diskussionen nehmen - weit gefehlt!

Wir diskutieren derzeit nur leider mehr über den Videoschiedsrichter als über Fußball, schade.

Die aus Köln gesteuerte, zusätzliche Nutzung von Kamerabildern wird für alle Beteiligten viel zu intransparent und inkonsequent eingesetzt. So hat der Videobeweis keine Zukunft!

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Mein Fazit nach vier Bundesligaspieltagen fällt eher nüchtern aus, auch wenn ich dem Videobeweis gerne Startschwierigkeiten eingestehe.

Der Videoschiedsrichter sollte eigentlich für mehr Gerechtigkeit sorgen, das tut er auch in vielen Fällen. Dass die Videozentrale in Köln womöglich eine Szene anders oder am Ende falsch bewertet als der Kollege auf dem Platz, sehe ich weniger als Problem.

Die absolute Sicherheit gibt es selbst nach der Sichtung aller Bilder nie, darum blieb vermutlich beim brutalen Foul an Stuttgarts Christian Gentner der Videoschiedsrichter stumm - für mich nachvollziehbar.

Viel schlimmer aber ist für mich die Tatsache, dass der Videoschiedsrichter zu stark den Charakter des Spiels verändert. Wenn der Hauptunparteiische auf dem Platz nur noch fremdgesteuert und verunsichert wirkt, dann hat die Einführung des Videobeweises seine Wirkung verfehlt. Im Moment haben wir eher einen Oberschiedsrichter als Videoschiedsrichter.

Noch bedenklicher finde ich die Veränderungen im Stadion. Spieler, Funktionäre und Fans erleben neue Verhaltensweisen auf dem Platz, die dem eigentlichen Charakter des Spiels widersprechen.

Das verhaltene Jubeln von Spielern nach strittigen Szenen und die seltsame Stille und Ungewissheit während der Überprüfungsphase zerstören ungewollt Emotion und Authentizität dieses Spiels. In Dortmund skandierten bereits erste Fans auf der Südtribüne: "Ihr macht uns unseren Sport kaputt."

DFB und DFL beschäftigen sich ab sofort mit einem hochbrisanten Fall. Sollte der 1. FC Köln, wie angekündigt, Protest gegen den Dortmunder 5:0-Heimsieg einlegen, dann wird das durch den Videobeweis verfälschte und irregulär erzielte 2:0 durch Sokratis zu einem echten Präzedenzfall.

Die Frage steht im Raum, ist der Videobeweis eine Tatsachenentscheidung? Immerhin hatte Schiedsrichter Ittrich das Spiel durch einen Pfiff eindeutig vor dem Tor unterbrochen - ein klarer Regelverstoß.

Ich kann den Protest der Kölner verstehen, auch wenn ein Verzicht nach der eindeutigen Niederlage den Geißböcken viel Sympathiepunkte in Fußballdeutschland bringen würde. Jörg Schmadtke tut als Verantwortlicher seines Klubs aber das einzig Richtige.

Ich sehe allerdings für einen Kölner Protest wenig Aussicht auf Erfolg, dafür war das Ergebnis und die Überlegenheit des BVB zu eindeutig. Das spielt in der Entscheidungsfindung des DFB-Schiedsgerichts immer eine wichtige Rolle.

Sicher ist nur, dass der Videobeweis durch das irreguläre Tor in Dortmund einen weiteren Vertrauensverlust hinnehmen muss. Für mich käme ein jähes Aus für den Videoschiedsrichter jedenfalls nicht mehr überraschend.

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