Vor Duell mit Bayern: Goretzka erklärt Wechsel-Wirrwarr
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München - Wenn Schalke 04 beim FC Bayern gastiert, ist Leon Goretzka gefordert. Der künftige Münchner muss gleich aus mehreren Gründen Leistung zeigen.

Als Manuel Neuer 2011 zum letzten Mal als Keeper von Schalke 04 in der Münchner Allianz Arena gastierte, erlebte er alles andere als einen warmen Empfang: Pfiffe und "Koan Neuer"-Plakate musste der Torwart über sich ergehen lassen.

Wenn am Samstag der Name von Leon Goretzka beim Topspiel zwischen dem FC Bayern und Schalke (ab 18 Uhr im LIVETICKER) verlesen wird, dürfte es voraussichtlich keine Unmutsbekundungen des Münchner Publikums geben.

Auf Schalke dagegen wurde der Nationalspieler mit Pfiffen und Beleidigungen der eigenen Fans konfrontiert - seit sein ablösefreier Wechsel zum Rekordmeister im Januar bekannt wurde.

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies drohte Goretzka sogar mit einem Platz auf der Tribüne.

Goretzka gibt sich cool

Nennenswerte Anfeindungen der Fans gab es beim 1:0-Sieg der Schalker im Pokal zwar nicht mehr, dass der Wirbel um seinen Transfer Spuren beim Nationalspieler hinterlassen haben könnte, war auf dem Platz allerdings erkennbar.

Der sonst so sichere Ballverteiler leistete sich mehrere Ballverluste und Fehlpässe - was aber sicher auch an fehlender Spielpraxis nach seiner fast sechswöchigen Verletzungspause liegen kann.

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Nach außen hin gibt sich Goretzka ohnehin cool: "Die ganze Situation wird natürlich jetzt nochmal ein bisschen aufkochen, aber beim letzten Mal hat die Mannschaft es ganz gut geschafft, das von sich wegzuhalten und ich habe das auch hinbekommen", meinte der 23-Jährige: "Ich glaube, dass es nach dem Spiel relativ schnell wieder abebbt."

Heynckes: Bayern "eine andere Welt"

Für seinen Umgang mit dem derzeitigen Gegenwind bekommt Goretzka sogar Lob von Bayern-Trainer Jupp Heynckes: "Ich denke, dass der junge Mann sehr gelassen und sehr gut mit der Kritik umgeht", meinte der 72-Jährige bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Schalke.

Heynckes weiter: "Wenn man sieht, wie er sich artikuliert, glaube ich schon, dass er für sein Alter sehr reif ist und dass er das richtig einzuordnen weiß."

Heynckes gab Goretzka allerdings auch schon einmal einen Ausblick auf das Leben bei seinem neuen Verein: "Egal welcher Spieler kommt, er muss erst einmal den Klub und das Anspruchsniveau beim FC Bayern kennenlernen", sagte er: "Für jeden Spieler ist das eine andere Welt. Das wird auch Leon Goretzka zu spüren bekommen. Hier herrscht ein sehr großer Konkurrenzkampf und man muss immer gewinnen. Das ist sicher ein großer Unterschied zu vielen anderen Klubs."

Vor Duell: Heynckes schwärmt von Tedesco

Schalke-Manager Christian Heidel schmerzt der Abgang immer noch, er sieht aus einem anderen Grund Probleme auf den Nationalspieler zukommen. "Ich glaube, dass der ablösefreie Wechsel den Rucksack viel schwerer macht. Man wird gerade in schwierigen Zeiten in München immer anführen: Er hat ja nichts gekostet. Aber wenn einer 40 oder 50 Millionen Ablösesumme kostet, ist es etwas anderes", sagte Heidel dem Westfälischen Anzeiger.

Auch Heidel geht davon aus, dass Goretzka sich bei den Bayernumstellen muss: "Eines ist auch klar: Die Konkurrenz ist in München eine andere. Hier reden wir von geballter Weltklasse."

Tedesco: "Große Aufgaben pushen ihn"

Und der Konkurrenzkampf mit Arturo Vidal und Co. beginnt für Goretzka spätestens schon am Samstag. An seinem zukünftigen Arbeitsplatz will er zeigen, dass er der großen Aufgabe FC Bayern gewachsen ist.

Sein aktueller Trainer Domenico Tedesco sagte dazu: "Er freut sich auf das Spiel. Er brennt auf die Aufgabe. Es ist klar, dass er jetzt im Fokus steht. Aber große Aufgaben pushen ihn."

Auch wenn das Kapitel Schalke für Goretzka im Frühjahr beendet sein wird - ausruhen kann er sich keinesfalls.

Noch ein Duell mit Bayern?

Nicht nur mit Blick auf seine Ausgangssituation bei den Bayern, sondern auch auf die WM steht Goretzka unter Druck.

Beim Confed Cup im vergangenen Sommer glänzte der Mittelfeldspieler im Nationaltrikot, doch im DFB-Team ist die Konkurrenz mindestens genauso groß wie in München. Bundestrainer Joachim Löw wird Goretzkas Leistungen genau beobachten.

Und mit Schalke ist auch noch ein großer Titel drin. Die Königsblauen stehen im Halbfinale des DFB-Pokals.

Möglicher Gegner in der Runde der letzten vier oder sogar im Finale: Goretzkas künftiger Arbeitgeber Bayern.

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